Wie Antitrinitarier die Bibel gegen Christi Gottheit missbrauchen

Obwohl die Heilige Schrift die Gottheit Christi lehrt, wird sie von jenen Protestanten, die den dreifaltigen Gott leugnen und ablehnen, dennoch verneint. Im Prinzip sind es immer dieselben Argumente, mit denen man die Gottheit Christi zu widerlegen versucht, und das natürlich unter biblischem Anschein. In Wirklichkeit sind die Argumente rein philosophisch; aber sie sind auf keinen Fall biblisch, weil die Bibel selbst diese Argumente nicht vorträgt. Ich möchte jetzt auf diese protestantisch-philosophischen Argumente gegen die Gottheit Christi, die mir bekannt sind, eingehen:

1. Argument

Christus wurde nach Mt. 4,1ff. von Satan versucht, d.h. Satan versuchte ihn zu Fall zu bringen. Nun behauptet man rein philosophisch: Gott aber könne von Satan nicht versucht werden. Folglich sei Jesus Christus nicht Gott.

In der Tat: Gott an sich kann von Satan nicht versucht werden. – Satan sagte zu Jesus: “Bist du Gottes Sohn, so sag, dass diese Steine Brote werden.” Was sagt nun Jesus darauf? Er sagt: “Es steht geschrieben: ‘Nicht nur von Brot lebt der Mensch …” Während Satan Jesus auf seine Gottessohnschaft verweist, lenkt Jesus davon ab und verweist auf den Menschen, der “nicht nur von Brot lebt”. Indem Jesus auf den “Mensch” verweist, lenkt er auf seine Menschheit hin, die versucht wird und die “nicht nur von Brot lebt”. Jesus wurde hier also in seiner Menschheit versucht, nicht in seiner Gottheit. Wenn wir also die Bibel sprechen lassen, kommen wir zu einem gänzlich anderen Ergebnis als die protestantischen Philosophen mit ihren eigenen Philosophien!

2. Argument

Nach Mk. 1,35 betete Jesus. Das ist also biblisch bezeugt. Nun philosophiert man aber: Gott betet nicht zu Gott. Deshalb könne Jesus nicht Gott sein. Es heißt jedoch in der Schrift: “Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen: der Mensch Christus Jesus” (1 Tim. 2,5) Da Christus Jesus also auch Mensch war, so betete er – als Mensch, nicht als Gott!

3. Argument

 Jesus sagte: “das Sitzen zu meiner Rechten oder Linken habe nicht ich zu vergeben, sondern ist für die, denen es bereitet ist von meinem Vater.” (Mt. 20,23) Man philosophiert: Wenn also Jesus dieses Bestimmungsrecht nicht hat, sondern der Vater, dann ist Jesus nicht Gott, da er sonst dasselbe Bestimmungsrecht hätte, wie der Vater.

Auch hier wird bei der Philosophierei ignoriert, dass Jesus nach 1 Tim. 2,5 auch Mensch war. Jesus redet hier also nicht als Gott, sondern als Mensch. Und als Mensch steht er sogar unter den Engeln: “Für kurze Zeit hast du ihn unter die Engel gestellt” (Hebr. 2,7.9). Wenn er also sogar unter den Engeln stand, wie hätte er da – als Mensch – das Bestimmungsrecht gehabt haben sollen, zu bestimmen, wer einst zu seiner Rechten oder Linken zu sitzen hätte? Als Gott aber hatte er das Bestimmungsrecht! Er sprach hier aber als Mensch, welcher unter den Engeln und somit auch unter Gott stand, und somit – als Mensch – unter seiner eigenen Gottheit.

4. Argument

Jesus sagte: “Jenen Tag und jene Stunde weiß niemand, auch nicht die Engel des Himmels, auch nicht der Sohn, nur der Vater allein.” (Mt. 24,36) Jesus wisse also weder den Tag noch die Stunde, also könne er nicht Gott sein, weil Gott allwissend ist.

Wiederum redet Jesus nicht von sich, dem Sohn als Gott, sondern von sich, dem Sohn als Mensch, denn der Engel Gabriel sagte zu Maria, seiner Mutter: “Heiliger Geist wird über dich kommen, und Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten, darum wird auch das, was geboren wird, … ‘Sohn Gottes’ genannt werden.” (Lk. 1,35) In Mt. 24,36 ist also Jesus nicht als Sohn Gottes von Ewigkeit her gemeint, der noch vor Abraham ward, sondern als Sohn Gottes von seiner irdischen Zeugung her, also wiederum in seiner Menschheit. Als Sohn Gottes von seiner irdischen Zeugung her, also als Mensch, weiß Jesus nicht “jenen Tag und jene Stunde”, aber als Gott, der allwissend ist!

5. Argument

Im Garten Gethsemani verfiel Jesus der Angst, weshalb er betete und dann ein Engel ihn stärkte (Lk. 22,39-43). – Gott aber hat keine Angst und benötigt keine Hilfe, weder von Menschen noch, wie hier, von einem Engel. Gott könne sich selber helfen. Deshalb sei Jesus nicht Gott!

Hier dasselbe wie zuvor: “Und als er in Angst geriet, betete er noch eindringlicher, und es wurde sein Schweiß wie Blutstropfen, die zur Erde niederrannten.” (Lk. 22,43-44) Der Leib Christi “schwitzte” also “Blutstropfen”. Christus empfand also als Mensch Angst, nicht als Gott, weshalb ihn dann der Engel stärkte. Der Engel stärkte demnach den Menschen Jesus, dessen Körper vor lauter Angst und Schrecken Blut “schwitzte”, nicht den Gott Jesus, der diesen Körper lediglich besaß.

6. Argument

Jesus sprach unmittelbar vor seinem Tode am Kreuz: “Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?” (Mt. 27,46) Wenn Jesus Gott wäre, hätte er das nicht gebetet haben können, da sich Gott nicht selbst verlassen könne.

Gott ist in sich selbst leidensunfähig. Deshalb ist er ja Mensch geworden, um zu leiden und zu sterben. Wenn Jesus also ausruft: “Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?”, dann drücken diese Worte nicht eine Not der Gottheit Christi aus, sondern der menschlichen Seele Christi. Diese Not gehörte zur Passion Christi, die er in seiner Menschheit erfuhr, nicht in seiner Gottheit. Jesus fühlte sich als Mensch in seiner Not innerlich, seelisch, sowohl vom Vater, als auch vom Heiligen Geist, als auch von seiner eigenen Gottheit verlassen; denn er war zwar “in Gottesgestalt, doch nicht zu eigenem Gewinn erachtete er das Gleichsein mit Gott, sondern entsagte seiner selbst, nahm Knechtsgestalt an, wurde Menschen gleich und im Äußern erfunden wie ein Mensch; er erniedrigte sich selbst und wurde gehorsam bis in den Tod, den Tod am Kreuz.” (Phil. 2,6-8) Als Gott entäußerte sich Jesus, weshalb er sich am Kreuz als Mensch (in Knechtsgestalt) auch von seiner eigenen Gottheit verlassen fühlte.

7. Argument

In Apg. 7,55-56 heißt es über den hl. Stephanus: “er aber, erfüllt von Heiligem Geist, blickte zum Himmel, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur rechten Gottes stehen und rief: ‘Seht, ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn stehen zur Rechten Gottes.” Jesus stand also zur Rechten Gottes, weshalb er nicht Gott sein könne.

Ausdrücklich ist hier von Jesus als dem Menschensohn die Rede, nicht als dem Gottessohn. In dieser Himmelsvision sieht Stephanus also den Menschen Jesus zur Rechten Gottes stehen. Die Vision ist so konzipiert, dass sie bildhaft zwischen Gott und dem Menschen Jesus unterscheidet, weil Christus zwei Naturen hat, die göttliche und die menschliche. Nur bildhaft wird in der Vision die menschliche Natur Jesu rechts neben seiner göttlichen Natur gezeigt. Dass hier aber allgemein von “Gott” die Rede ist, und nicht von Jesus als Gott, liegt ganz einfach daran, dass es sich bei Gott um den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist handelt. Nicht nur diese Vision unterscheidet bildhaft zwischen der Gottheit und der Menschheit Christi, sondern auch der hl. Apostel Paulus unterscheidet zwischen der Gottheit und der Menschheit Christi:

“… zu harren auf die selige Hoffnung/Erwartung und das Erscheinen der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters Jesus Christus.” (Tit. 2,13)

“Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen: der Mensch Christus Jesus” (1 Tim. 2,5)

Auf der einen Seite verkündet der Apostel Paulus Jesus Christus als Gott und auf der anderen Seite als Menschen! Christus ist Gott und Mensch! Das ist das, was die Stephanus-Vision bildhaft zeigt!

8. Argument

In Dan. 7,13-14 heißt es: “Ich schaute in den Nachtgesichten, und siehe, mit den Wolken des Himmels kam einer, der aussah wie ein Menschensohn. Er gelangte bis zu dem Hochbetagten und wurde vor ihn geführt. Ihm verlieh man Herrschaft, Würde und Königtum …” – Man argumentiert philosophisch:

1.) Hier ist vom “Hochbetagten”, nach 7:9 von “einem Hochbetagten” die Rede – von Gott, dem Vater. Zu sehen sei demnach eine Person, nicht mehrere, weder der Sohn, noch der Heilige Geist, nur der Vater.

2.) Der Menschensohn – Jesus Christus -, der wie der Hochbetagte nach der Trinitätslehre Teil des dreieinigen Gottes sein soll, wurde vor den Hochbetagten gebracht, also vor den Vater, vor Gott; somit sei Christus nicht Gott.

3.) Christus, der Gott sein soll, wurde von Gott, der auf dem Thron saß, Herrschaft, Würde und Königtum verliehen, obwohl der Menschensohn vor seiner Menschwerdung selbst allmächtiger Gott gewesen sein soll und Herrschaft, Würde und Königtum, die ihm jetzt verliehen werden, schon immer gehabt hätte. Er bekommt also als Folge seines Erlösungsopfers etwas, was er schon besaß? Dies sei ein merkwürdiges Geschenk!

Zu 1:

Der Hochbetagte wird richtigerweise als Gott identifiziert. Doch unterstellt man, dass es sich bei Gott, dem Hochbetagten, um den Vater handelt. Doch nirgendwo steht in der Bibel, dass der Hochbetagte hier der Vater sei. Dem Daniel-Text können wir nur entnehmen, dass der Hochbetagte schlichtweg Gott ist, dem “tausendmal Tausende dienten” (Dan. 7,10). Und dieser Hochbetagte, dem “tausendmal Tausende dienten”, ist, wie es in Dan. 7,9 steht, einer, also der eine Gott, und nicht mehrere Götter: “ich schaute solange zu, bis Throne aufgestellt wurden und ein Hochbetagter Platz nahm.” Und dieser eine Gott ist, wie z.B. 1 Mo. 18,1-2 beweist, dreipersonal, nicht einpersonal: “JHWH aber erschien ihm … erschienen ihm drei Männer …” Der Daniel-Text nimmt also keinen Bezug auf die Anzahl der Personen, sondern auf den einen Gott JHWH, der dreipersonal ist, Vater und Sohn und Heiliger Geist. Weder der Vater, noch der Sohn, noch der Heilige Geist werden daher bei Daniel ausdrücklich genannt!

Zu 2:

Bei der philosophischen Beurteilung dieses Verses vermischt man die Gottheit und die Menschheit Christi miteinander. Es heißt ausdrücklich, dass der Mensch Jesus Christus (Menschensohn) zu Gott, dem Hochbetagten, gelangte, nicht Gott Jesus Christus. Hier wird visionär-bildhaft die Himmelfahrt des von den Toten auferstandenen Menschen Jesus Christus prophezeit, während er als Gott doch überall war und ist und sein wird.

Zu 3:

Auch unter Punkt 3 vermischt man die Gottheit und die Menschheit Christi, obwohl ausdrücklich gesagt wird, dass der Mensch Jesus Christus von Gott Herrschaft, Würde und Königtum empfing, nicht Gott Jesus Christus, der das alles schon immer besaß.

Es sei den Leugnern der Gottheit Christi ans Herz gelegt, zwischen der Gottheit und der Menschheit Christi feinsäuberlich zu unterscheiden, wie das die Heilige Schrift tut, wenn sie z.B. einmal von Gott Jesus Christus spricht (Tit. 2,13), und ein andermal vom Menschen Jesus Christus (1 Tim. 2,5). Die Menschheit Christi ist nicht seine Gottheit und seine Gottheit ist nicht seine Menschheit!

9. Argument

In Offb. 4,2 lesen wir: “… und siehe, ein Thron stand im Himmel, und auf dem Thron saß einer”. Man philosophiert: Auf dem göttlichen Thron saß also “einer”, und nicht drei. Johannes hat also nur den Vater auf dem Thron gesehen.

Bezüglich dieses Verses wird derselbe Irrtum begangen, wie bezüglich der Daniel-Vision: Es wird unterstellt, dass der Thronende der Vater sei, obwohl die Bibel selbst das nicht sagt. Wer also behauptet, dass der Thronende der Vater sei, behauptet Unbiblisches und philosophiert. Johannes hingegen spricht von dem einen Gott JHWH, den er auf dem Thron sitzen sah. Und dieser eine Gott erschien dem Abraham ebenfalls: “JHWH aber erschien ihm” (1 Mo. 18,1); und er, der Eine, erschien ihm nicht etwa einpersonal, sondern dreipersonal: “JHWH aber erschien ihm … erschienen ihm drei Männer …” (1 Mo. 18,1-2) Deshalb hören wir die vier Wesen gleich nach der Thronszene Offb. 4,2 rufen:

“Heilig, heilig, heilig ist der Herr, Gott, der Allmächtige …” (Offb. 4,8)

Der, der auf dem Thron sitzt, ist also nicht der Vater, sondern Gott, der eine, der nicht einmal heilig ist, sondern dreimal heilig: “heilig, heilig, heilig” – jedes “heilig” für je eine der drei göttlichen Personen, das erste “heilig” für den Vater, das zweite “heilig” für den Sohn und das dritte “heilig” für den Heiligen Geist. Johannes sieht in seiner Vision also den einen dreipersonalen Gott: Vater (heilig) und Sohn (heilig) und Heiliger Geist (heilig).

Anhand der 9 Argumente sehen wir, dass die Leugner der Gottheit Christi nicht biblisch, sondern rein philosophisch argumentieren und versuchen so, philosophisch die Gottheit Christi zu widerlegen. Die Bibelzitate, die man vorträgt, dienen nur dem Zweck, den philosophischen Gedanken einen biblischen Touch zu verpassen. Es soll auf diese Weise suggeriert werden, dass diese Gedanken biblisch, nicht menschlich-philosophisch wären. Man lasse sich also nicht täuschen, sondern lerne zwischen dem, was die Bibel sagt, und dem, was der protestantische Philosoph sagt, zu unterscheiden.

Wie wir gesehen haben, verneint keine einzige der angeführten Bibelstellen die Gottheit Christi. Diese Bibelstellen können nur mithilfe anderer Bibelstellen verstanden werden, die uns die zwei Naturen Christi lehren, seine göttliche Natur und seine menschliche Natur. Ausdrücklich lehrt die Heilige Schrift die zwei Naturen Christi in einem Zuge:

„Er war in Gottesgestalt, doch nicht zu eigenem Gewinn erachtete er das Gleichsein mit Gott, sondern entsagte seiner selbst, nahm Knechtsgestalt an, wurde Menschen gleich und im Äußern erfunden wie ein Mensch.“ (Phil. 2,6-7)

Auf der einen Seite die Gottesgestalt Christi und auf der anderen Seite seine menschliche Knechtsgestalt; auf der einen Seite seine Gottgleichheit und auf der anderen Seite seine Menschengleichheit. Er ist also Gott und Mensch, hat also die göttliche Natur und zugleich die menschliche Natur, die die Schrift noch an anderen Stellen betont:

“… zu harren auf die selige Hoffnung/Erwartung und das Erscheinen der Herrlichkeit unseres großen GottesJesus Christus.” (Tit. 2,13)

“Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen: der Mensch Christus Jesus” (1 Tim. 2,5)

Die biblische Zwei-Naturen-Lehre verstehen die protestantischen Antitrinitarier nicht. Nur mit höherer Erleuchtung durch den Heiligen Geist kann man die Zwei-Naturen-Lehre ansatzweise verstehen, nie aber vollständig, da Gott von keinem Geschöpf vollständig begriffen werden kann, weil das Endliche das Unendliche nie gänzlich fassen kann.

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