Wer ist die himmlische Frau in Offb 12? – Israel, die „Gemeinde“ oder die Mutter Christi?

In Offb 12 ist die Rede von einer außergewöhnlichen himmlischen Frau, die Jesus Christus empfangen hat und ihn schließlich gebiert:

(1)Und es erschien ein großes Zeichen im Himmel: Ein Weib mit der Sonne bekleidet, den Mond unter ihren Füßen, und auf ihrem Haupte eine Krone von zwölf Sternen. (2)Und sie war gesegneten Leibes [… ] (4) … Und der Drache trat vor das Weib, das im Begriffe war zu gebären, um, wenn sie geboren hätte, ihr Kind zu verschlingen. (5)Und sie gebar einen Sohn, einen Knaben, der alle Völker mit eisernem Stabe beherrschen soll. Und ihr Sohn ward entrückt zu Gott und zu seinem Throne.“

Wir Katholiken erkennen in dieser himmlischen Frau, die Christus empfangen hat und ihn schließlich gebiert, gemäß der Bibel seine Mutter Maria. Da die antimarianischen Protestanten diese hohe Position, die ihr Vers 1 verleiht, nicht akzeptieren wollen, beziehen sie die in den Versen 2,4-5 bezeugte Mutter Christi entweder auf Israel oder auf die sog. „Gemeinde“. Was ist richtig?

I. Ist die hier offenbarte Mutter Christi Israel, aus dem Christus hervorging?

1. Nirgendwo in der Bibel steht, dass die hier offenbarte Mutter Christi Israel sei. Das denkt man sich einfach so. Deshalb ist diese These schon mal unbiblisch und daher unbrauchbar.

2. Die 12 Sterne, die die Krone der Frau bilden, seien die 12 Stammväter Israels. Diese seien der Beweis, dass die Frau Israel sei. Wir Katholiken hingegen sagen, dass die 12 Sterne die 12 Apostel symbolisieren. Somit sind die 12 Sterne kein Beweis für Israel.

3. Eher müsste man, wenn man Maria nicht akzeptieren will, meinen, dass diese Frau nicht Israel, sondern die „Gemeinde“ ist, weil es nicht sein kann, dass das Israel des Alten Bundes oder das antichristliche, nach-jesuanische Israel im himmlischen Glanz erstrahlt. Und das Israel des Neuen Bundes, die „Gemeinde“, hingegen strahlt nicht im himmlischen Glanz? Der Neue Bund und somit das Gottesvolk des Neuen Bundes stehen höher als der Alte Bund und somit als das Gottesvolk des Alten Bundes, und weil auch das antichristliche, nach-jesuanische Israel nicht höher steht, als das christliche Israel, die „Gemeinde“, die nach Paulus der mystische Leib Christi ist, so kann in Offb 12 weniger Israel als die Gemeinde gemeint sein.

4. Nach Vers 2 befand sich Christus im Leib der Frau und wurde nach Vers 5 von ihr geboren. Das passt, wenn man das willkürlich symbolisch auffasst, nicht auf Israel. Denn dann hätte sich Christus in Israel befinden und dann nach der Geburt, nach dem Heraustritt aus Israel, außerhalb Israels gelebt haben müssen, also in der Welt der Heiden, was nicht der Fall war. Stattdessen trat er aus dem Leib seiner Mutter Maria hervor und lebte fortan in Israel, von wo er gemäß Vers 5 zu Gott und zu seinem Thron entrückt wurde. Das war seine Himmelfahrt.

Wir sehen anhand dieser vier Punkte, dass die Frau nicht Israel sein kann und es auch nicht ist.

II. Ist die hier offenbarte Mutter Christi die „Gemeinde“, aus dem Christus hervorging?

1. Auch steht nirgendwo in der Bibel, dass die hier offenbarte Mutter Christi die „Gemeinde“ ist. Auch das ist einfach ausgedacht, weshalb auch diese These unbiblisch und somit unbrauchbar ist.

2. In Vers 4 lesen wir, wie Satan versucht, Christus gleich nach seiner Geburt zu verschlingen. Dies begann mit Herodes und zog sich weiter fort durch die christusfeindlichen Juden. Und dann ist Christus nach Vers 5 in den Himmel zu Gott und zu seinem Thron aufgefahren. Das passt alles nicht zur „Gemeinde“, da diese Jesus Christus vor seiner Himmelfahrt nie hervorgebracht hat, und vor Herodes noch gar nicht existierte. Auch hier bleibt also Maria, die Mutter Jesu übrig, die unter der Führung Josefs mit ihrem Kind nach Ägypten flüchten musste, um ihr Kind Jesus vor Herodes in Sicherheit zu bringen. Wenn also etwas von jemanden hervorgeht, dann die Gemeinde aus Christus und nicht umgekehrt.

3. Die „Gemeinde“ ist schon in Vers 12,17 vergeben: „Da geriet der Drache in Zorn über die Frau und er ging fort, um Krieg zu führen mit dem übrigen ihres Samens, welche die Gebote Gottes bewahren und an dem Zeugnis für Jesus festhalten.“ Die „Gemeinde“ ist also nicht die Frau, sondern sind die restlichen Kinder der Frau.

Somit bleibt hier Maria, die Mutter Jesu, übrig. Sie ist es gemäß den Evangelien, die Christus empfangen und geboren hat (Offb 12,2.5). Sie ist die große himmlische Frau, die mit dem Licht Gottes bekleidet ist und Königin ist. Und sie befindet sich nach Vers 12,2 sogar mit ihrem Leib im Himmel, was voraussetzt, dass Christus sie mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen hat.

Themen:
Stjepan Vucina, 2009 durchs Bibelstudium katholisch geworden, ist katholischer Apologet. Sein Herzensanliegen ist es, Protestanten anhand der Heiligen Schrift die katholische Position aufzuzeigen. Einige Protestanten in seinem Umfeld konnte er schon durch die Bibel zur Konversion führen.

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