Taufe auf Jesus oder die Dreieinigkeit?

Viele freikirchliche Protestanten sind sich darüber einig, dass die Bibel sehr leicht zu verstehen wäre, was aber nicht nur ihre auf widersprüchlichen Bibelverständnissen basierenden Spaltungen widerlegen, sondern auch das biblische Thema bzgl. der richtigen Taufformel. Wir Katholiken sind uns einig darüber, dass gemäß der Bibel auf den Namen des Vaters und des Sohnes Heiligen Geistes getauft werden muss. Die Protestanten hingegen sind sich darüber nicht einig, da viele unter ihnen meinen, dass auf den Namen Jesu getauft werden müsse, womit sie im Widerspruch zu den anderen Protestanten stehen, die die katholische Position vertreten.

Der Grund für diesen Widerspruch im Protestantismus ist, dass nach Apg 2,38; 8,16; 10,48 und 19,5 die Taufe auf den Namen Jesu Christi praktiziert worden sei, während nach Mt 28,19 die Taufe auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes geschehen soll. Daraus wurde dann Folgendes geschlussfolgert:

  1. Mt 28,19 sei eine spätere Hinzufügung, die im Originalmanuskript des Apostels Matthäus nicht vorhanden war. (Unitarische Position)
  2. Die Bibel widerspricht sich. (Position atheistischer und muslimischer Apologeten)
  3. Die Apostel hatten sich nicht an Jesu Anordnung gehalten. (Position einiger weniger Protestanten)

Alle diese Positionen zeugen von einer äußerst oberflächlichen Bibelbetrachtung. Denn in Wirklichkeit handelt es sich bei den in Apg 2,38; 8,16; 10,48 und 19,5 bezeugten Ausdrücken nicht um Taufformeln, sondern um die Bezeichnung der Art der Taufe, was dadurch bezeugt wird, dass es zwei unterschiedliche Bezeichnungen derselben Taufe gab: Nach Apg 2,38 und 10,48 wurde sie „Taufe auf den Namen Jesu Christi“ bezeichnet, und nach Apg 8,16 und 19,5 „Taufe auf den Namen des Herrn Jesus“. Es geht hier also nicht um Taufformeln, sondern um zwei verschiedene Bezeichnungen der Art der Taufe, die verwendet wurden, um sie als die eine christliche Taufe von den anderen damals praktizierten Arten der Taufen hervorzuheben und von ihnen zu unterscheiden und abzugrenzen.

Die erste dieser anderen Arten war die jüdische Proselyten-Taufe. Wenn ein Nichtjude zu dieser Zeit zum Judentum konvertierte, ließ er sich rituell mit Wasser taufen, um seine Reinigung von der heidnischen Finsternis zum Licht des Monotheismus zu bekunden. Die zweite war die jüdische rituelle Taufe. Bestimmte Gruppen von Juden ließen sich wiederholt taufen, um ihre regelmäßige Reinigung von Sünden zu symbolisieren. Die dritte war die Taufe des Johannes. Johannes der Täufer war durch Palästina gezogen und hatte die Menschen getauft, um sie in Erwartung des Messias zur Reue über ihre Sünden und zur Buße zu bewegen und so auf den Messias vorzubereiten. Johannes‘ Anhänger gingen und tauften andere, und schließlich verbreitete sich die Johannestaufe über einen großen Teil des Mittelmeerraums, wie in Apg 18-19 zu lesen ist, wo Apollos sie bis nach Ephesus verbreitet hat.

Damit also die angehenden Christen in Apg 2,5-12.37-41, sowie Theophilus wohl auch als angehender Christ, an den die Apostelgeschichte adressiert war, wussten, um welche Taufe es sich handelte, versahen Petrus und Lukas sie mit den Ausdrücken „auf den Namen Jesu Christi“ und „auf den Namen des Herrn Jesus“, während die Taufe selbst mit der in Mt 28,19 angeordneten Taufformel „auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ erfolgte, wie es in der um 70 n.Chr. verfassten Didache bezeugt wird:

„Und was die Taufe betrifft, so sollt ihr so taufen: Nachdem du das alles gesagt hast, taufe auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes mit fließendem Wasser. Habt ihr aber kein fließendes Wasser, so tauft in einem anderen Wasser; könnt ihr aber nicht in kaltem Wasser taufen, so tauft in warmem Wasser. Habt ihr aber keines, so gießt dreimal Wasser auf das Haupt im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Vor der Taufe aber soll der Täufer fasten und der Getaufte und wer sonst noch kann; dem Getauften aber sollst du befehlen, einen oder zwei Tage vorher zu fasten.“ (Didache 7)

Die trinitarische Formel – und damit der trinitarische Charakter des Glaubens der frühen Kirche – wird nicht nur durch die doppelte Präsenz der Formel selbst angezeigt, sondern auch durch die Tatsache, dass das Wasser dreimal über den Kopf gegossen werden soll. Dies war der Glaube der Christen des 1. Jahrhunderts.

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Stjepan Vucina, 2009 durchs Bibelstudium katholisch geworden, ist katholischer Apologet. Sein Herzensanliegen ist es, Protestanten anhand der Heiligen Schrift die katholische Position aufzuzeigen. Einige Protestanten in seinem Umfeld konnte er schon durch die Bibel zur Konversion führen.

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