Psalmisten prophezeien Maria, die Himmelskönigin

Es geht hier um Psalm 45, der von den Korachiten, den prophetischen Tempelsängern zur Zeit des davidischen Königtums, stammt. Er handelt von Gott, dem Sohn, dem König des Himmels, und der Königin, die zu seiner Rechten thront. In den Versen 7-8 heißt es:

„Dein Thron, Gott, steht für immer und ewig; ein gerechtes Zepter ist das Zepter deines Königtums. Du liebst das Recht und hasst das Unrecht, darum hat Gott, dein Gott, dich gesalbt mit dem Öl der Freude wie keinen deiner Gefährten.“

In Hebr 1,8-9 greift der Apostel Paulus diese Verse auf und bezieht sie auf Jesus Christus:

„zum Sohn aber (sagt Gott, der Vater): ‚Dein Thron, O Gott, steht für immer und ewig‘, und: ‚Das Zepter deiner Herrschaft ist ein gerechtes Zepter. Du liebst das Recht und hasst das Unrecht, darum, O Gott, hat dein Gott dich gesalbt mit Öl der Freude wie keinen deiner Gefährten.“

Damit teilt uns Paulus im Lichte des Heiligen Geistes mit, dass der Psalm von Gott, dem Sohn, von Jesus Christus handelt. Es heißt dann weiter im Psalm ab Vers 9 bis Vers 16:

„Von Myrrhe, Aloe und Kassia duften alle deine (Christi) Gewänder, aus Elfenbeinhallen erfreut dich Saitenspiel. [a]Die Königstöchter stehen da in deinem Schmuck, die Königin zu deiner Rechten in Ofirgold, umgeben von bunter Pracht! [b]Höre, Tochter, und siehe, und neige dein Ohr und vergiss dein Volk und deines Vaters Haus. Der König verlangt nach deiner Schönheit, denn er ist der Herr, dein Gott, und ihn betet man an. [c]Die Töchter von Tyrus bemühen sich mit Gaben um deine Gunst, alle Reichen des Volkes. [d]Ganz Herrlichkeit ist die Königstochter im Innern, mit goldenem Saume geziert, ist sie mit bunten Kleidern angetan. [e]Hinter ihr her führt man Jungfrauen zum König; ihre Genossinnen bringt man zu dir! Sie werden herzugeführt unter Freude und Jubel, hineingeleitet in den Palast des Königs.“

Ich möchte jetzt die einzelnen prophetische Aussagen [a – e] kommentieren:

[a] „Die Königstöchter stehen da in deinem Schmuck, die Königin zu deiner Rechten in Ofirgold, umgeben von bunter Pracht!“

1.) Die Töchter des Königs, die in Christi Schmuck dastehen, sind die in der Heiligkeit vollendeten Frauen im Himmel, wie die hl. Elisabeth, von der wir in Lk 1,6 lesen, dass sie „gerecht vor Gott“ lebte, und „untadelig nach allen Geboten und Vorschriften des Herrn“ wandelte. Der Schmuck, in dem diese Heiligen vor Christus, dem König, stehen, sind ihre Tugenden, in denen sie erstrahlen und aufleuchten. Sie gehören zu den Geistern der vollendeten Gerechten, von denen in Hebr 12,23 die Rede ist: „Ihr seid vielmehr hingetreten […] zu den Geistern der schon vollendeten Gerechten“. Der, dessen Töchter diese in der Heiligkeit vollendeten Frauen sind, ist Gott, der himmlische Vater. Durch und in Christus, den König, sind sie dessen Töchter.

2.) Im zweiten Teil des Satzes ist von der Königin im Himmel die Rede, die einzigartig hervorgehoben wird. Sie wird gesondert erwähnt, weil sie die Königin des Himmels ist, der die besagten heiligen Frauen unterstehen. Wer ist nun diese Königin, die zur Rechten Christi, des Königs, steht? Um dies herauszufinden, müssen wir biblisch denken:

Jesus Christus ist gemäß der Heiligen Schrift der letzte und ewige davidische König. Salomon, der unmittelbare Sohn von König David, war der erste davidische König. Er war DER davidische König, der als Erster seine eigene Mutter (Batseba) als Königin in seinem Reich einsetzte:

„Batseba ging dann zum König Salomon … Da erhob sich der König, ging ihr entgegen und verneigte sich vor ihr. Dann setzte er sich auf seinen Thron und ließ auch für die Königinmutter einen Thron hinstellen. Sie setzte sich zu seiner Rechten.“ (1.Könige 2,19)

Das war das Beste, was König Salomon seiner Mutter tun konnte, um Gottes Elterngebot bis zur äußersten Neige zur Erfüllung zu bringen:

„Verherrliche deinen Vater und deine Mutter, damit du lange lebst in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt.“ (2Mo 20,12)

Seither war es etablierte Tradition, dass die davidischen Könige, von denen der letzte Jesus Christus ist, ihre Mütter als Königinnen an ihrer Seite hatten, die zu ihrer Rechten thronten. Da die Korachiten, von denen Psalm 45 stammt, in der Zeit des davidischen Königtums lebten, war ihnen diese Königstradition vertraut, so dass sie hier in den Versen 10-16 die Messias-Mutter, Maria, als die Königin besingen, die zur Rechten ihres Sohnes Jesus Christus, des letzten davidischen Königs thront. In Offb 12 taucht sie dann als die Königin des Himmels wieder auf:

„Dann erschien ein großes Zeichen im Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet, der Mond unter ihren Füßen und eine Krone von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Sie war gesegneten Leibes […] Und sie gebar ein Kind, einen Knaben, der alle Völker hirten wird mit eisernen Stabe.“ (Offb 12,1-5)

[b] „Höre, Tochter, und siehe, und neige dein Ohr und vergiss dein Volk und deines Vaters Haus. Der König verlangt nach deiner Schönheit, denn er ist der Herr, dein Gott, und ihn betet man an.“

1.) Hier wird die Königin des Himmels, die Mutter des Messias, des Königs, als „Tochter“, als Tochter Gottes, des Vaters, bezeichnet. Als Tochter Gottes, des Vaters, steht sie inmitten der übrigen Töchter Gottes einzigartig da. Sie ist eine einzigartige Tochter Gottes, weil sie im Gegensatz zu jenen Töchtern Gottes, ohne Sünde ist. Deshalb lassen die prophetischen Korachiten sie nicht im Kreis jener Töchter Gottes untergehen; sie erwähnen sie gesondert von ihnen. Vom Heiligen Geist erfüllt, sprach zu ihr die hl. Elisabeth, eine jener Töchter Gottes:

„Gepriesen und gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen“ (Lk 1,4)

Dies drückt sich auch in Apg 1,14 aus:

„Sie alle verharren dort einmütig im Gebet zusammen mit den Frauen und Maria, der Mutter Jesu … „

Inspiriert vom Heiligen Geist nennt Lukas die Gruppe der heiligen Frauen, erwähnt Maria aber gesondert, wie es die Korachiten tun. Da gibt es für Lukas und für Gott also auf der einen Seite die Gruppe der heiligen Frauen, und auf der anderen Seite Maria, die Lukas im Heiligen Geist nicht zu ihnen zählt. Sie ist für ihn und für Gott so bedeutend und einzigartig, dass Lukas und Gott sie in der Gruppe der anderen Frauen nicht untergehen lassen wollten, wie z. B. Maria Magdalena. Sie ist für Lukas und für Gott ein einzigartiges leuchtendes Juwel, das sie auf besagte Weise hervorleuchten lassen. Diese besondere und einzigartige Größe Mariens, die Lukas und die Korachiten Maria im Lichte des Heiligen Geistes zusprechen, wird auch in der Begegnung Elisabeths mit Maria deutlich:

„Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Marias hörte, da hüpfte das Kind in ihrem Leib, und Elisabeth wurde mit Heiligen Geist erfüllt, erhob laut ihre Stimme und rief: ‚Gepriesen und gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gepriesen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt.“ (Lk 1,41-43)

Elisabeth wurde hier in diesem Moment mit Heiligem Geist erfüllt, der sie dazu antrieb, Maria und Jesus zu preisen. Des Weiteren sieht Elisabeth im Lichte des Heiligen Geistes, der sie erfüllte, dass sie nicht würdig ist, von Maria, der Mutter des Herrn, ihres Gottes, besucht zu werden, weshalb sie ausrief:

„Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt.“

Und das, obwohl sie nach Lk 1,6 eine vollendete Gerechte, eine Heilige, war:

„Beide (Zacharias und Elisabeth) waren gerecht vor Gott und wandelten untadelig in allen Geboten und Vorschriften des Herrn.“

Somit stellt sich Elisabeth als vollendete Gerechte unter der Inspiration des Heiligen Geistes nicht nur unter Jesus, ihren Herrn, ihren Gott, sondern auch unter Maria, seine Mutter! Wenn sich also schon eine in der Heiligkeit vollendete Gerechte unter Maria stellt, wie vollkommen muss dann Maria selbst gewesen sein?! Dies deutet darauf hin, dass Maria im Gegensatz zur vollendeten Elisabeth ohne jede Sünde ist, da nur ein sündenloser Mensch größer und erhabener sein kann, als ein in der Heiligkeit Vollendeter! Deshalb sprechen die Korachiten in [b] auch von ihrer Schönheit: „Der König verlangt nach deiner Schönheit“. Das ist die Schönheit ihrer Seele, weil sie von keiner Sünde befleckt ist!

Um die Rolle Mariens zu verringern, wenden viele Protestanten hier ein, dass Elisabeth Maria bloß aufgrund ihrer Rolle als Mutter und Gebärerin von Christus auf so außergewöhnliche Weise ehrt. Diese Erklärung klingt aus dem Mund vieler Protestanten jedoch schon wie ein unglaubliches Zugeständnis, da sie sonst Mariens Rolle ja versuchen als trivial zu betrachten, um ihr keine entsprechende Ehre geben zu müssen. Wenn wir aber festhalten, dass die Mutterschaft Christi solche Ehre einfordert, sodass eine vom Heiligen Geist inspirierte Frau so reagiert wie Elisabeth reagiert, um wieviel mehr muss dann die Rolle als Königin des Himmels, die – wie wir gesehen haben – von der Mutterrolle Christi abgeleitet wird, Ehre erfordern!

2.) Die Phrasen „vergiss dein Volk und deines Vaters Haus“ und „Der König verlangt nach deiner Schönheit“ deuten darauf hin, dass Maria zur Zeit ihres irdischen Lebens für Gott die Gesellschaft und ihr Elternhaus verließ. Damit ist wohl Mariens Tempelgang angedeutet, der im nicht kanonischen aber dennoch geschichtlich interessanten Protoevangelium des Jakobus historisch überliefert ist. In diesem Zusammenhang Jesu Worte:

„Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist [im Tempel]? (Lk 2,49)

[c] „Die Töchter von Tyrus bemühen sich mit Gaben um deine Gunst, alle Reichen des Volkes.“

Tyrus war in biblischen Zeiten eine sehr reiche und wohlhabende Stadt. Sie steht hier symbolisch für großen Reichtum, allerdings im geistlichen Sinn. Sie steht für großen geistigen Reichtum gemäß dem Wort:

„Häuft euch keine Schätze auf Erden an, wo sie Rost und Motten verzehren, und wo Diebe einbrechen und stehlen; sondern sammelt euch Schätze im Himmel, wo sie weder Rost noch Motte verzehrt, und wo Diebe nicht einbrechen und stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“ (Mt 6,19-21)

Die Töchter von Tyrus sind somit die geistig reichen und wohlhabenden Frauen, die heiligen Frauen, die noch auf Erden leben. Im letzten Teil des Satzes ist von „alle Reichen des Volkes“ die Rede. Das Volk ist das Volk Gottes. Aus dem Volk Gottes ragen diese Reichen, insbesondere die soeben genannten geistig reichen Frauen, hervor. Diese Reichen im Volk Gottes sind die zu jeder Zeit auf Erden lebenden Heiligen, vollendeten Gerechten. Diese alle bemühen sich mit Gaben um die Gunst Mariens, der Königin des Himmels. Ihre Reichtümer sind ihre Tugenden, und ihre Gaben, die sie Maria, der Königin, schenken, sind ihre Gebete und Opfer. Hier werden die Heiligen als besondere Marienverehrer angezeigt. An ihnen soll sich der geistig arme Rest des Volkes Gottes orientieren, der im Prozess seiner Heiligung noch mit seinen vielen Sünden und Unvollkommenheiten zu kämpfen hat, die sie an Heiligkeit arm und elend sein lassen.

[d] “Ganz Herrlichkeit ist die Königstochter im Innern [im himmlischen Königspalast], mit goldenem Saume geziert, ist sie mit bunten Kleidern angetan.“

Hier wird uns die herrliche Bekleidung Mariens, unserer Königin, vor Augen geführt. Es heißt, dass sie äußerlich „ganz Herrlichkeit“ ist. Das weist auf ihr Inneres hin. In ihrem Innern ist sie ganz Herrlichkeit. Diese ihre ganze innere Herrlichkeit hat ihr Gott im Himmel entsprechend mit äußerer Herrlichkeit belohnt.

[e] „Hinter ihr her führt man Jungfrauen zum König; ihre Genossinnen bringt man zu dir! Sie werden herzugeführt unter Freude und Jubel, hineingeleitet in den Palast des Königs.“

Hier werden von den prophetischen Korachiten ganz besondere heilige Frauen genannt. Sie sind als Jungfrauen Mariens Genossinnen, was anzeigt, dass Maria selbst Jungfrau ist. Sie haben sich in ihrem Leben Maria, die Jungfrau, zum Vorbild für ein jungfräuliches Leben genommen. Diese Frauen sind insbesondere heilige bzw. heiligmäßige Ordensfrauen, wie z. B. die hl. Bernadette Soubirous, meine Lieblingsheilige. Hier bei [e] werden diese heiligen Frauen unmittelbar nach ihrem irdischen Ableben und dem persönlichen Gericht gezeigt, bei dem sie von Gott, dem Richter aller, freigesprochen wurden und deshalb direkt danach in den königlichen Palast Christi, des Königs, hineingeleitet werden – unter Freude und Jubel [der Engel und Heiligen]. Zum König Jesus Christus werden sie, wie es heißt, hinter Maria, der Königin, geführt. Maria, der sie gedient haben, holt sie nach ihrem persönlichen Gericht ab. Dabei werden sie, hinter Maria her vermutlich von Engeln begleitet.

Hier nochmal der prophetische Text im Ganzen:

„Die Königstöchter stehen da in deinem Schmuck, die Königin zu deiner Rechten in Ofirgold, umgeben von bunter Pracht! Höre, Tochter, und siehe, und neige dein Ohr und vergiss dein Volk und deines Vaters Haus. Der König verlangt nach deiner Schönheit, denn er ist der Herr, dein Gott, und ihn betet man an. Die Töchter von Tyrus bemühen sich mit Gaben um deine Gunst, alle Reichen des Volkes. Ganz Herrlichkeit ist die Königstochter im Innern, mit goldenem Saume geziert, ist sie mit bunten Kleidern angetan. Hinter ihr her führt man Jungfrauen zum König; ihre Genossinnen bringt man zu dir! Sie werden herzugeführt unter Freude und Jubel, hineingeleitet in den Palast des Königs.“

Wir sehen, wie die prophetischen Korachiten Maria, ihre künftige Himmelskönigin, bereits zu ihrer Zeit verehrt und verherrlicht haben. Tun wir es ihnen gleich und verbeugen wir uns vor unserer Königin im Himmel!

Themen:
Stjepan Vucina, 2009 durchs Bibelstudium katholisch geworden, ist katholischer Apologet. Sein Herzensanliegen ist es, Protestanten anhand der Heiligen Schrift die katholische Position aufzuzeigen. Einige Protestanten in seinem Umfeld konnte er schon durch die Bibel zur Konversion führen.

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