Ohne Heilige Messe kein Herrenmahl

Die Feier des Heiligen Messopfers stellt das zentrale Element des christlichen, des katholischen Glaubens dar; das gesamte Geschehen am Altare Gottes ist das Herz, die Sinnhaftigkeit des Christentumes! Das ist nicht durch geschichtliche Entwicklungen der Spätantike oder des Mittelalters, nicht aufgrund vermeintlicher klerikalistischer Durchsetzungen, nicht wegen einer gewollten Abgrenzung der Katholischen Kirche zur sogenannten Reformation oder weswegen auch immer der Fall, sondern es ist so, weil es seit Anbeginn des christlichen Zeitalters, welches durch die Einsetzung des neuen Bundes markiert wird und der neue Bund selbst ist, eben ganz einfach das ist: eine Tatsache. Die Feier des Heiligen Messopfers ist die reale Vergegenwärtigung des Leidens, Sterbens und vor allem des Obsiegens unseres Herrn und Erlösers Jesu Christi über die Verführung durch Satan und den Sündenfall des Menschen. Es handelt sich hierbei nicht um einen lediglichen „Symbolismus“ allgemein protestantischer Auffassung, welcher besagt, dass Brot und Wein bloß als Erinnerungszeichen oder als Danksagung zu verstehen seien und dass in der gemeinschaftlichen Anteilnahme der Gläubigenversammlung am „Herrenmahl“ der hauptsächliche und eigentlich einzige Sinn der folgenden Worte Christi lägen:

„Während sie aber aßen, nahm Jesus Brot, segnete und brach es, gab es seinen Jüngern, und sprach: Nehmet hin, und esset, dies ist mein Leib! Und er nahm den Kelch, dankte, und gab ihnen denselben, indem er sprach: Trinket alle daraus, denn dieses ist mein Blut des neuen Testamentes, welches für viele vergossen werden wird zur Vergebung der Sünden.“

Matthäus 26,26-28

In diesem Auszug aus der Heiligen Schrift ist der Dreiklang der Messopferfeier wesentlich enthalten und auf den Punkt gebracht: Opferung (Segnung der Gaben und Darreichung an Gott), Wandlung (dies ist…), Vereinigung (nehmet… esset…). Christus greift vorweg, was auf Golgatha geschehen wird und bekundet damit, dass seine große Tat zu Golgatha durch alle Zeiten bis an das Ende der Welt das Zeichen und der Kern des neuen Bundes ist. Wir lesen in den Evangelien, dass zu jenem Zeitpunkt, da der Herr Jesus obige Worte sprach, das Paschafest des alten Bundes angestanden war und dass der Herr mit seinen Jüngern an dem Abend, davon das obige Zitat aus dem Matthäusevangelium Zeugnis gibt, ein Lamm, das Paschalamm, welches uns aus dem Buch Exodus bekannt ist, verspeist hatte. Jenes Paschalamm bzw. dessen Blut schützte durch Bestreichung der Hauseingänge vor dem Auszug der Israeliten diese vor dem Engel Gottes, welcher die letzte Plage über Ägypten brachte. Das Paschalamm wurde also durch den Herrn und dessen Jünger gemäß der Üblichkeit zur Begehung des Paschafestes verspeist, im Anschluss daran wurde das Heilige Messopfer eingesetzt. Unbestreitbar ist, dass es sich hierbei um die Vollendung des mosaischen Bundes, der nicht erst am Berge Sinai, sondern schon mit jener Begebenheit anbrach, und den Anbeginn des neuen Bundes handelt, deren beider Zeichen, beider Sakramente, wahres Fleisch und wahres Blut sind.

Die urtümliche Denomination des Protestantismus, das Luthertum, bekennt Fleisch und Blut Christi im Altarsakrament, behauptet aber, dass Brot und Wein nicht in Leib und Blut Christi gewandelt würden, sondern vertritt stattdessen das Hinzutreten des Leibes und des Blutes in Brot und Wein; also nicht Wandlung, sondern Hinzunahme. Ebenso wird, auch wenn die Eigenschaften des Dankopfers, des Bittopfers, des Lobopfers und des Brandopfers weiterhin vertreten werden, der Zentralcharakter des Sühneopfers bestritten. Das Bestreiten des Sühneopfers aber schwächt die Bedeutung des Sakramentes des Altares immens ab, es leugnet objektiv das Wesen des Heiligen Messopfers und damit rückwirkend auch, da Heiliges Messopfer und das Geschehnis zu Golgatha innigst und einsseiend, also unzertrennlich, einander verbunden sind, Christi Erlösungstat am Kreuz bzw. dessen, in Wirkung und Realisation, zeitliche und räumliche Unbegrenztheit. Zudem behauptet die Sakramentenlehre des Luthertumes, dass die Wirkung des Altarsakramentes vom Glauben des Empfängers und nicht vom Geschehen am Altare bei der Zelebration der Heiligen Messe durch den Priester abhinge. Mit anderen Worten: Christus sei lediglich nur insoweit vergegenwärtigt und wirke nur insoweit durch das entsprechende Sakrament, wie der jeweils Empfangende daran seinen Glauben setze.

„Zum dritten, so ist das heilige Sacrament eingesetzt, nicht damit für die Sünd ein Opfer anzurichten (denn das Opfer ist zuvor geschehen), sondern daß unser Glaube dadurch erweckt und die Gewissen getröstet werden, welche durchs Sacrament erinnert werden, daß ihnen Gnad und Vergebung der Sünde von Christo zugesagt ist. Derhalben fordert dies Sacrament Glauben und wird ohne Glauben vergeblich gebraucht.“

Philipp Melanchthon – Die Augsburgische Confession oder Bekenntnis des Glaubens etlicher Fürsten und Städte

Dass die dargestellte Lehrmeinung die vernunftgemäße Verbindung zur Realität kappt und stattdessen das Kreuzesopfer Jesu Christi subjektiviert, privatisiert, letztlich in die Absurdität führt und zudem auch das Weihepriestertum und die in ihm enthaltenen Vollmachten nach Ordnung des neuen Bundes, dessen Hohepriester Jesus Christus ist, leugnet, liegt offen auf der Hand. Hinweisend sei hier erwähnt, dass der richtige Glaube beim Empfang der Heiligen Kommunion auch für den Katholiken eine große Rolle spielt – der Unglaube ist Sünde. Doch vom Glauben des Empfängers hängt die Realpräsenz Christi nicht ab. Wer als Katholik ohne Glauben oder in sonstiger schwerer Sünde empfängt, der tut dies nicht nur vergeblich, sondern sogar zum Schaden. Er begeht ein Sakrileg, den Gottesraub!

Die hier dargelegte Lehrauffassung stellt in den schier unendlichen Weiten und Diversitäten des Protestantismus allerdings eine Mindermeinung dar. Eine allgemein verbindliche Lehrauffassung festzuhalten, ist in Anbetracht der unzähligen verschiedenen Bekenntnisse, der unzähligen Ausprägungen und Freigemeinden, welche alle nur das gemeinsam haben, dass sie Sekten sind, nicht möglich. Allerdings lässt sie sich verallgemeinert so durch einen Ausdruck pointieren: Gedächtnismahl. Christi Sein und Wirken in den von ihm eingesetzten und durch Melchisedech präfigurierten Gaben wird völlig bestritten. Die Gemeinschaft der Gläubigen sowie die Erinnerung an die soteriologisch aufgeladene historische Begebenheit sind elementar, der Opferbegriff, das Opferverständnis, verschwinden vollständig.

„Dass er in der Gemeinschaft mit ihnen bleibe, auch im Tod, ja durch den Tod, das ist sein Wille und seine Tat, die er dadurch vollbringt, dass er ihnen seinen Leib und sein Blut übergibt. Er bleibt nicht nur der ihrige, sondern wird es erst vollständig und wirksam durch seinen Tod. Den Leib, den er ihnen gab, konnten die Jünger nicht im Brot, sein Blut nicht im Becher suchen, so lange er noch lebend mit seinem Leib und seinem Blut bei ihnen war. Die Unterscheidung des Brots vom Leib, des Weins vom Blut ergab sich bei der Handlung Jesu unmittelbar aus der Wahrnehmung. Es war klar, dass sein Wort die Beziehung des Brots auf seinen Leib, des Weins auf sein Blut herstellte, nicht irgendein Verwandlungsakt.“

Adolf Schlatter – Das christliche Dogma

Christi Tat an Brot und Wein haben nach dem Verständnis der weitesten Teile des Protestantismus einzig und allein die Eigentümlichkeit eines Gleichnisses zum Gedächtnis. Doch wie passen sowohl die lutherische Lehrmeinung, dass Christi Sein und Wirken in Brot und Wein vom Glauben des Empfängers abhinge als auch die im Protestantismus quantitativ übergewichtige Lehrmeinung reinen Gedächtnisgleichnisses mit den eindrücklichen Mahnworten des hl. Paulus zusammen, dass sich ein jeder ehrlich im Gewissen prüfen möge, auf dass er sich nicht gegen den Herrn versündige und Strafe auf sich lade durch unwürdigen Empfang seiner Opfergaben?

„Denn so oft ihr dieses Brod esset und diesen Kelch trinket, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt. Wer daher unwürdig dieses Brot ißt, oder den Kelch des Herrn trinkt, wird des Leibes und Blutes des Herrn schuldig sein. Es prüfe aber der Mensch sich selbst; und so esse er von diesem Brote und trinke von dem Kelche. Denn wer unwürdig ißt und trinkt, ißt und trinkt sich das Gericht, indem er den Leib des Herrn nicht unterscheidet.“

1. Korinther 11,26-29

Die Feier des Heiligen Messopfers, eingesetzt durch den Herrn Jesum Christum, ist wahrhaft das Kreuzesopfer zu Golgatha in seiner gänzlichen Fülle selbst. Wie der Herr an anderer Stelle spricht, dass derjenige, der sein Fleisch nicht esse und sein Blut nicht trinke, keinen Anteil an ihm hat, so hat jener keinen Anteil am Kreuzesopfer und der daraus entspringenden Erlösung der Vielen, der das Heilige Messopfer ablehnt und gar mit üblen Aussprüchen schmäht wie mit jenem, dass die Katholiken bei der Feier der Heiligen Messe, besonders in ihrer Anbetung Gottes, welcher sich auf dem Altar vergegenwärtigt, Götzendienst betreiben würden. Das ist nichts anderes als Gotteslästerung und Verächtlichmachung der Erlösungstat Christi. Mag er auch durch die Taufe in rechter Form und Materie sowie unter rechter Intention sakramental in den mystischen Leib Christi durch Fortwaschung der Erbsünde und Aufprägung des ewigen Siegels eingefügt sein, so trennt er sich dennoch willentlich vom Weinstock, ohne den nichts blühen kann und verweigert sich in Konsequenz dem neuen Bunde. Die Worte Christi, des Königs der Könige und des ewigen Hohepriesters nach Ordnung des Melchisedech, sind Wahrheit, weil er selbst die reine, heilige Wahrheit ist. Wie der Mensch seinem Körper aus der Nahrung Energie für das hiesige Leben zuführt, so muss er auch den Herrn in sich aufnehmen und sich mit ihm tatsächlich vereinigen, um in das ewige Leben einzugehen.

„Da nun jenes Gott in sich bergende Fleisch auch den flüssigen Bestandteil des menschlichen Körpers zu seiner Wesenheit und Erhaltung aufnahm, Gott aber sich deshalb mit unserer hinfälligen Natur vereinigte, um den Menschen zur Verbindung mit der Gottheit emporzuheben, so will er mittels des Fleisches, das aus Brot und Wein bereitet wird, allen, die gläubig der Gnadenordnung angehören, sich selbst gleichsam einsäen, indem er sich mit ihren Leibern vereinigt, damit auch der Mensch durch sein Einswerden mit dem Unsterblichen der Unsterblichkeit teilhaftig werde.“

Hl. Gregor von Nyssa – Große Katechese

Ohne die Heilige Messe, ohne den Herrn Jesum Christum im Allerheiligsten Altarsakrament unter der Gestalt von Brot und Wein, kann es auch keine Vermählung mit ihm, kein Herrenmahl, geben.

Kai- Janick stammt aus Deutschland und wurde in der "unierten Kirchengemeinschaft" (Teil der EKD) getauft und konfirmiert. Im Jahre 2016 fand er zum Glauben an den trinitarischen Gott. Zunächst orientierte er sich im Spektrum der Brüdergemeinden und fand über den Umweg des Luthertums im Jahre 2019 zum Katholizismus. Im Jahre 2021 wurde er in die Kirche Jesu Christi aufgenommen.

Einen Kommentar abgeben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.