Mit wem kämpfte Jakob?

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Vielen Bibellesern erscheint der Bericht 1 Mo 32,25-33 in mehrerer Hinsicht sehr mysteriös. Hier wird berichtet, dass Jakob mit einem mysteriös erscheinenden Mann einen Ringkampf führte, um von ihm den Segen zu erhalten. Einiges weist darauf hin, dass es sich bei dem Mann um Gott gehandelt hat. Aber einiges scheint wiederum nicht dazu zu passen, z.B. dass der Mann ja einen Leib hat, Gott aber Geist ist, oder der unentschiedene Ringkampf, oder die scheinbare Tatsache, dass sich der Mann von Jakob nicht losreißen konnte, was zu implizieren scheint, dass es sich bei dem Mann nicht um Gott gehandelt haben konnte, da Gott ja stärker ist, als jedes Geschöpf. In dieser Geschichte scheint es für diese Bibelleser also einige Unstimmigkeiten und Widersprüche zu geben. Deshalb will ich auf die einzelnen Punkte eingehen; und am Ende wird man sehen, wie sich die scheinbaren Widersprüche auflösen:

1. Gott ist allmächtig und kann aus diesem Grund vorübergehend einen menschlichen Leib annehmen, um Menschen zu erscheinen, weil nach 2 Mo 33,20 kein Mensch Gott so, wie er ist, sehen und dabei am Leben bleiben kann. Wollte er Jakob erscheinen, musste er ihm in menschlicher Gestalt erscheinen, damit er am Leben bleiben konnte.

2. In 32,29 sagt der Mann, der mit Jakob den Ringkampf führte, Jakob habe “mit Gott und mit Menschen gerungen und den Sieg davongetragen”. Hier stellt sich die Frage, mit welchen Menschen er gekämpft hat? Wie das erste Buch Mose zeigt:

  • mit seinem Bruder Esau, dessen Ferse er bei ihrer beider Geburt festhielt, um als Erster geboren zu werden und so das Erstgeburtsrecht für sich zu erringen, was ihm jedoch nicht gelungen ist. Erst später im Erwachsenenalter erschlich er sich mittels Lug und Trug den wirkmächtigen Segen seines Vaters, der nur dem Erstgeborenen, hier Esau, zustand, womit er dann über Esau den Sieg davontrug.
  • mit seinem Schwiegervater Laban, der ihn ständig belog und betrog und ihn sich so zum Sklaven machte, er sich aber nach schweren Kämpfen letztenendes aus seiner Hand befreien und so den Sieg über ihn davontragen konnte.
  • mit dem Mann, mit dem er kämpfte, um seinen Segen zu bekommen, und diesen Segen letztenendes erlangte und so den Sieg über ihn davontrug.

Da nun der Mann zu ihm sagte, Jakob habe auch mit Gott gerungen, so stellt sich nun die Frage, wann er das getan hat? Da Jakob bis dahin nicht ein einziges Mal mit Gott gekämpft hat, der Mann aber einen solchen Kampf bezeugt, so kann es sich dabei nur um den soeben stattgefundenen Ringkampf gehandelt haben, was somit bedeutet, dass Jakob den Ringkampf tatsächlich mit Gott geführt hatte. Gott ist ihm demnach mit menschlichem Leib erschienen, da für Jakob sonst ein greifbarer Ringkampf nicht möglich gewesen wäre. So hat Jakob zu diesem Zeitpunkt mit Gott und Mensch gekämpft, mit Gott, weil die Person, mit der er kämpfte, eine der drei göttlichen Personen ist, und mit Mensch, weil diese göttliche Person einen menschlichen Leib hatte, und der menschliche Leib in 1 Mo 2,7 “Mensch” genannt wird, so dass der Mann korrekt von einem Ringen mit Gott und Mensch sprach.

3. Bestätigt wird das nach 32,31 dann von Jakob selbst, als er sagte, er “habe Gott von Angesicht gesehen und bin doch mit dem Leben davonkommen.” Jakob wusste also sehr genau, wen er vor sich gehabt hat, Gott selbst, weshalb er gemäß 2 Mo 33,20 sagen konnte, dass er “doch mit dem Leben” davongekommen ist. Jakob schließt also ein Geschöpf aus.

4. Wenn wir 1 Mo 32,25-31 aufmerksam lesen, dann stellen wir fest, dass Jakob den Ringkampf nicht gewonnen hat; er hat Gott in seiner menschlichen Gestalt nicht niedergerungen, stattdessen ging der Ringkampf an sich unentschieden aus. Gott in seiner menschlichen Gestalt beendete ihn, indem er Jakob sein Hüftgelenk ausrenkte. Doch Jakob war trotzdem noch so hartnäckig, dass er den menschlichen Leib Gottes festhielt, um Gott zu drängen oder zu nötigen, ihn zu segnen, was Gott dann auch getan hat, und womit Jakob mit seiner Hartnäckigkeit den Sieg über Gott davongetragen hat.

Daraus ergibt sich, dass sich Gott mit seinem Leib gegenüber Jakob so klein machen WOLLTE, damit alles so enden konnte. Er passte sich mit seinem Leib der körperlichen Stärke Jakobs an, damit der Ringkampf unentschieden bleiben konnte, und letzteres nur aus dem Grund, um den Kampf durch das Ausrenken des Hüftgelenks Jakobs zu beenden, und das wiederum nur zu dem Zweck, Jakob zu prüfen, ob er auch mit seinem ausgerenkten Hüftgelenk noch so hartnäckig bleibt, wie beim Ringkampf. Würde er sich bewähren, erhielte er den göttlichen Segen, wenn nicht, erhielte er ihn nicht. Weil Jakob den göttlichen Segen unbedingt empfangen wollte, ignorierte er sein ausgerenktes Hüftgelenk und blieb auch mit diesem hartnäckig und erhielt dann deswegen den erwünschten Segen. Er hat sich bewährt, und das wurde ihm dann von Gott belohnt! Gott wollte Jakob also prüfen, wie ernst es ihm im Hinblick auf den göttlichen Segen war! Und wie wir sehen, es war ihm sehr ernst damit!

Und so lösen sich alle scheinbaren Unstimmigkeiten und Widersprüche in dem biblischen Text auf!

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