Marienbilder der ersten 3 Jahrhunderte

Vielfach meint man im freikirchlichen Protestantismus, dass Marienbilder eine Erfindung der Katholischen Kirche aus einer Zeit sei, in der sie das Heidentum ins Christentum eingeführt habe (angeblich im 4./5. Jahrhundert). Zudem verstoße sie mit ihren Bildern, speziell mit ihren Marienbildern, gegen das Bilderverbot1. Hier zeige ich anhand von Beispielen auf, dass Marienbilder eine christliche Tradition haben, die auf die Zeit der Apostel zurückgeht:

Anbetung der Heiligen Drei Könige (3. Jh.)

Diese Darstellung der Heiligen Drei Könige, die das Christuskind auf dem Schoß Marias anbeten, stammt aus dem frühen dritten Jahrhundert. Heute befindet es sich im Vatikanischen Museum in Rom.

Verkündigung in der Dura-Europos-Kirche (2. Jh.)

Entdeckt in der frühesten bekannten christlichen Hauskirche in der antiken Stadt Dura-Europos im heutigen Syrien am Euphrat. Es zeigt die Jungfrau Maria, wie sie Wasser aus einem Brunnen schöpft: Ein häufiges Thema der Inkarnationsbiographien des zweiten Jahrhunderts erzählt die Szene, in der der Erzengel Gabriel die Gottesmutter erreicht, während sie einen Krug füllt. Das Bild stammt aus dem 2. Jahrhundert.

Jungfrau und Kind mit Bileam dem Propheten (2. Jh.)

Dieses Fresko wurde in der Katakombe von Priscilla entdeckt, einem römischen Steinbruch, der von der Mitte des zweiten bis zum vierten Jahrhundert für christliche Bestattungen verwendet wurde. Es stammt aus der Zeit ca. 150 n. Chr. Es ist eines der frühesten erhaltenen Bilder von Maria, das zeigt, wie sie das Jesuskind auf ihrem Schoß stillt. Es enthält auch den Propheten Bileam und den Stern aus 4. Mose 24,17.

Die Advocata (1. Jh.)

Das Bild der Advocata stammt aus der Apostelzeit. Eine ausführliche erklärende Beschreibung dazu finden Sie in dem Buch „Maria von Nazareth“ vom Historiker Dr. h.c. Michael Hesemann. Der christlichen Überlieferung zufolge wurde das Bild vom Evangelisten Lukas gemalt.

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[1] Ein Bilderverbot kennen die bezeichneten Protestanten selbst nicht, weil sie selbst Bilder mit religiösen Motiven und Aspekten verwenden, z.B. Fisch-, Kreuz-, Sonnen-, Wolken- und Landschaftsbilder. Denn sie wissen sehr genau, dass Bilder mit christlich-religiösen Motiven und Aspekten nicht verboten sind. Was sie sich selbst zugestehen, gestehen sie lediglich der katholischen Kirche nicht zu, weil sie unbedingt in allem falsch liegen muss. Hier muss ich diese Freikirchler der Heuchelei bezichtigen, die also selbst tun, was sie der Katholischen Kirche vorhalten: „Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet; denn mit welchem Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden, und mit welchem Maße ihr messet, wird euch gemessen werden. Was aber siehst du den Splitter, der in deines Bruders Auge ist, den Balken aber in deinem Auge nimmst du nicht wahr? Oder wie wirst du zu deinem Bruder sagen: Erlaube, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen; – und siehe, der Balken ist in deinem Auge? Heuchler, ziehe zuerst den Balken aus deinem Auge, und dann wirst du klar sehen, um den Splitter aus deines Bruders Auge zu ziehen.“ (Mt 7,1-5)

Stjepan Vucina, 2009 durchs Bibelstudium katholisch geworden, ist katholischer Apologet. Sein Herzensanliegen ist es, Protestanten anhand der Heiligen Schrift die katholische Position aufzuzeigen. Einige Protestanten in seinem Umfeld konnte er schon durch die Bibel zur Konversion führen.

3 Kommentare

  1. 13. Dezember 2021 - 16:34

    Schade. Eigentlich hatte ich gedacht, ich würde hier etwas Neues finden. Aber die „Marienbilder der ersten 3 Jahrhunderte“ zeigen ja leider nichts, was einen neuen Blick auf die Marienverehrung werfen könnte.
    Maria mit dem Jesuskind auf dem Schoß, Maria beim Wasserschöpfen, „Maria Advocata“ – das sind alles Darstellungen, die in Übereinstimmung mit den biblischen Erzählungen stehen.
    Interessanter wäre es gewesen, wenn es Bilder gäbe, die dafür sprechen, dass bereits die Urkirche Maria als „Mutter der göttlichen Gnade“, „Mutter der Kirche“, „Trösterin der Betrübten“, „Mutter ohne Makel“, „Mutter vom großen Sieg“, „Mutter vom guten Rat“, „Mutter von der immerwährenden Hilfe“, „Heilige Jungfrau der Hilflosen“, „immerwährende Jungfrau“, „Jungfrau der Offenbarung“, „Königin der Apostel“, „Königin der Engel“, „Königin der Märtyrer“, „Königin der Patriarchen“ (siehe Wikipedia unter „Marientitel“) usw. verehrt hätte.
    Also ist es wohl korrekt, dass Maria erst mit dem Konzil von Ephesus (431) eine besondere Rolle bekam und sich die Marienverehrung (wie wir sie heute kennen) erst mit Beginn des 17. Jahrhunderts entwickelte

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    • 19. Dezember 2021 - 17:26

      Nun, die Kritik geht an der Absicht des Artikels vorbei. Es ging darum, Evangelikale darüber aufzuklären, dass Marienbilder nicht verwerflich, sondern christlich sind. Die erhofften/eingeforderten Erklärungen sind in etwa so erwartbar, wie ein Kochrezept im Katechismus. Die Kritik ist also reine Provokation und unsachlich. Ist sie also ernst gemeint? Besonders die Schlussfolgerung im letzten Satz…. Das ist in etwa auf dem Niveau wie: Im Katechismus steht kein Kochrezept für gutes Gulasch, also ist Veganismus „wohl korrekt“. Non sequitur vom Feinsten!

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    • Roland Hotzy
      9. Januar 2022 - 20:37

      Sehr geehrter Herr Kegebein,
      ich vermute, daß die bildliche Darstellung Mariens nicht sofort einsetze,
      solang Maria bei den Jüngern Jesu war. Die Reaktion Jesu bei der Hochzeit
      von Kanan und als Maria ihren Sohn bei einem seiner Predigten sprechen will
      bezeugen mir dies. Dies wird auch der Grund sein, warum es keine bildlichen Zeugnisse
      in den urchristlichen Gemeinden gegeben hat.
      Die ersten christlichen Gemeinden haben immer wieder die mündlichen überlieferten Ereignisse,
      und dann die schriftlichen Mitteilungen der Evangelisten immer wieder neu betrachtet.
      Und da ist dann auch die Bedeutung von Maria in den Vordergrund gerückt,
      und dann auch die ersten bildlichen Werke. Aber zuvor war man sich möglicherweise
      der Bedeutung Mariens, wie es dann mit Ephesos verbindlich wird noch nicht ganz so weit.
      Mit freundlichen Grüßen
      R. Hotzy

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