Marias außergewöhnlicher Glaube

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Die Heilige Schrift sagt uns sehr viel über Maria, auch über ihren Glauben. Zunächst zeigt uns das Lukasevangelium im zweiten Kapitel, dass Maria eine gläubige und fromme Jüdin war, die aus Glauben heraus die Gesetze des Alten Bundes treu erfüllt, weshalb sie bis zum Kreuzestod ihres geliebten Sohnes, des Herrn Jesus Christus, auch jährlich zum Passahfest nach Jerusalem pilgerte. Auch ihr Magnificat, das sie vor der Mutter des Täufers sprach, zeigt, dass sie die Heilige Schrift bestens kannte; und es zeigt auch, dass sie in der Lage war, mit verschiedenen Formulierungen im Alten Testament, der damaligen Heiligen Schrift, einen neuen theologisch richtigen Text zum Lobe Gottes zu formulieren, und das sogar aus dem Stegreif und innerhalb von einigen Sekunden, was einem Menschen normalerweise nicht möglich ist. Und schauen wir uns Mariens positive Reaktion, die uns Lk 1,28-38 zeigt, im Vergleich mit Abrahams und Zacharias’ Reaktionen an:

Als Gott seinem Knecht Abraham einen Sohn verheißen hat, dessen Nachkomme der Messias sein würde, glaubte Abraham ohne Zögern, obwohl seine Frau Sara in hohem Alter und unfruchtbar war. Abraham glaubte also, dass Gott mit seiner allmächtigen Kraft seine Frau noch fruchtbar machen und ihm durch sie einen Sohn schenken werde; und eben dieser Glaube, den Abraham hatte, wurde ihm zur Gerechtigkeit angerechnet: “Denn was sagt die Schrift? – ‘Abraham glaubte Gott, und es wurde ihm angerechnet zur Gerechtigkeit.” Dass ein solcher Glaube keine Selbstverständlichkeit ist, zeigt der Bericht über den Priester Zacharias, den künftigen Vater des Täufers:

“Da erschien ihm ein Engel des Herrn … und Zacharias erschrak … Der Engel aber sprach zu ihm: ‘Fürchte dich nicht; denn dein Beten wurde erhört und deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, den sollst du Johannes nennen …’ Da sprach Zacharias zum Engel: ‘Woran soll ich das erkennen? Bin ich doch ein alter Mann, und meine Frau ist vorgerückt in ihren Tagen.’ Der Engel antwortete ihm: ‘Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und ich wurde gesandt, um zu dir zu sprechen und dir diese frohe Botschaft zu bringen. Siehe, du wirst stumm sein und nicht reden können bis zu dem Tag, da dies geschehen wird, weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, die in Erfüllung gehen werden zu ihrer Zeit.” (Lk 1,11-20)

So nun, wie Abraham gerecht und untadelig war, so war das nach Lk 1,6 auch Zacharias. Und wie Sara im Alter vorgerückt und unfruchtbar war, so war das Zacharias’ Frau Elisabeth ebenso. Und so, wie Gott Abraham einen leiblichen Sohn ankündigte, so kündigte er auch Zacharias einen leiblichen Sohn an. Hier liegt also die gleiche Situation vor. Und doch war Abrahams Glaube größer und stärker als der des Zacharias, weil Abraham Gott ohne zu zögern glaubte, während Zacharias in diesem speziellen Fall ungläubig war. So sehen wir, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, dass Abraham der Zusage Gottes glaubte. Das bedeutet, dass Abrahams Glaube außergewöhnlich groß und stark war, weshalb Gott ihm seinen außergewöhnlich großen und starken Glauben zur Gerechtigkeit anrechnete. Vergleichen wir nun seinen außergewöhnlich großen und starken Glauben mit dem von Maria:

Gott hat durch seinen Engel Gabriel Maria einen Sohn zugesagt, den sie ohne einen Mann empfangen sollte. Dies war nun eine Zusage, die einen weit größeren Glauben abverlangte, als die Zusage eines Kindes, dessen Mutter alt und unfruchtbar ist. Aus diesem Grund war der Glaube Mariens weit größer als der in der Heiligen Schrift bezeugte Glaube Abrahams. Deshalb konnte Elisabeth, von Heiligem Geist inspiriert, zu ihr sagen: “Selig, die geglaubt hat, dass zur Erfüllung kommt, was ihr vom Herrn gesagt worden ist.” (Lk 1,45) Weil also Mariens Glaube praktisch größer war als der bezeugte Glaube Abrahams, so gilt Röm 4,3 erst recht ihr: “Maria glaubte Gott, und es wurde ihr angerechnet zur Gerechtigkeit.”, und zwar zur größeren Gerechtigkeit als Abraham, weil von ihr ein weit größerer Glaube abverlangt wurde, als von ihm, weshalb sie allein schon aus diesem Grund größer ist als Abraham. Und je größer der Glaube eines Gläubigen ist, desto mehr Anerkennung bekommt er von Gott. Doch Mariens Glaube, der den des Abraham weit überragt, ließ bei ihr mit der Zeit nicht nach, denn die Heilige Schrift berichtet über sie:

“Am dritten Tag war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war dort. Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit geladen. Da es an Wein fehlte, sagte die Mutter Jesu zu ihm: ‘Sie haben keinen Wein!'” (Joh 2,1-3)

Maria sah, dass sich der Gastgeber aufgrund fehlenden Weines vor einem menschlich gesehen unlösbaren Problem befand. Die Hochzeitsfeier drohte zu platzen, womit sich der Gastgeber, der für zu wenig Wein gesorgt hat, in einer äußerst peinlichen Situation befand. Da nun Maria in ihrem außergewöhnlich großen und starken Glauben wusste, dass nach menschlichem Ermessen das Problem nicht gelöst werden konnte, hatte sie nur einen im Sinn, von dem sie fest glaubte, dass er helfen könne: ihren göttlichen Sohn Jesus Christus! Aus diesem Grund wandte sie sich voll Glauben und Vertrauen an ihn, damit er in seiner Barmherzigkeit und nach seiner Weisheit einschreiten und helfen wolle, was er schließlich auch getan hat; er verwandelte Wasser in Wein. Hier wird uns Mariens großer und unerschütterlicher Glaube an ihren göttlichen Sohn enthüllt, der noch dadurch hervorgehoben wird, dass uns gleich darauf in Vers 11 offenbart wird, dass die Apostel im Gegensatz zu ihr an Jesus nicht geglaubt hatten, sie erst zum Glauben an Jesus Christus fanden, als Maria aufgrund ihres großen Glaubens intervenierte und Jesus daraufhin das Weinwunder vollbrachte. Mariens großer und unerschütterlicher Glaube, der den Glauben Abrahams überragt, war hier die Ursache des später aufgekommenen Glaubens der Apostel, wodurch sie hier als Urheberin des Glaubens der Apostel zum Vorschein tritt. Doch der außergewöhnliche Glaube Mariens an ihren göttlichen Sohn wird noch dadurch enthüllt, dass Maria im Gegensatz zu den Aposteln ohne Wunder an ihn glaubte, während die Apostel erst ein Schauwunder benötigten, um zum Glauben an ihn zu gelangen. Maria benötigte also keine Wunder von ihrem Sohn, um an ihn zu glauben, die Jünger hingegen schon, was zeigt, dass ihr Glaube weit größer war, als der Glaube der Jünger; und er war auch schon deshalb größer, als der der Jünger, weil er größer war, als der große Glaube Abrahams.

Mariens außergewöhnlicher Glaube an ihren Sohn Jesus Christus zeigt sich auch im folgenden Fall: Der Apostel Johannes berichtet in seinem Evangelium:

“Da sagten seine Brüder zu ihm: ‘Geh weg von hier und zieh nach Judäa, damit auch deine Jünger die Werke sehen, die du vollbringst. Denn niemand wirkt im Verborgenen, der öffentlich bekannt sein will. Wenn du solche Dinge zu tun vermagst, zeige dich offen der Welt.’ Selbst seine Brüder glaubten nämlich nicht an ihn.” (Joh 7,3)

Selbst die “Brüder” Jesu glaubten nicht an ihn, trotz seiner Wunder, von denen sie wussten. Von seiner Mutter aber wird an keiner Stelle berichtet, dass sie jemals in Zweifel geraten wäre, weshalb wir sie im Gegensatz zu seinen ungläubigen “Brüdern” glaubend unter dem Kreuz stehen sehen:

“Es standen unter dem Kreuze Jesu seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria Magdalena.” (Joh 19,25)

Maria hielt in ihrem großen Glauben und ihrer großen Mutterliebe also die ganze Zeit hindurch an ihren göttlichen Sohn fest; und sie schämte sich nicht, sich unter dem Kreuz öffentlich als seine Mutter zu bekennen, von dem alle annahmen, er sei ein schändlicher Gotteslästerer, der diese Todesstrafe verdient hätte. Und so sehen wir sie nach Apg 1,14 als bedeutenden und zentralen Teil der Jerusalemer Kirchengemeinde, über die wir in Apg 2,42-47 und 4,32 lesen:

“Sie verharrten in der Lehre der Apostel, in der Gemeinschaft, im Brotbrechen und in den Gebeten … Alle, die zum Glauben fanden, hielten zusammen und hatten alles gemeinsam … Beharrlich kamen sie Tag für Tag einmütig im Tempel zusammen, brachen zu Hause das Brot und nahmen die Speise in Freud und Lauterkeit des Herzens; sie lobten Gott und standen in Ansehen beim ganzen Volk …”

“Die Gesamtheit der Gläubigen war ein Herz und eine Seele, und nicht ein einziger nannte von dem, was er besaß, sein eigen, sondern sie hatten alles gemeinsam.”

Die zentralen Personen innerhalb der Jerusalemer Kirchengemeinde waren gemäß Apg 1,14.26 Jesu zwölf Apostel, seine Jüngerinnen, darunter Maria Magdalena, seine Mutter und seine inzwischen gläubig gewordenen “Brüder”. Aus Apg 2,42-47 und 4,32 erfahren wir, wie die Muttergottes in der Jerusalemer Gemeinde gelebt hat:

Nach Joh 19,27 lebte sie in Jerusalem zusammen mit dem Apostel Johannes, ihren geistigen Sohn. Sie verharrte in der Lehre der Apostel, die die Lehre ihres Sohnes Jesus Christus ist, und war mit allen anderen Gläubigen ein Herz und eine Seele, und sie mit ihr. Sie ging gemeinsam mit anderen täglich in den Tempel, um dort zu beten, und nahm an der Heiligen Messe und an der Heiligen Kommunion teil, bei der sie den heiligsten Leib ihres göttlichen Sohnes empfing. Wie musste sie sich als Mutter in ihrer mütterlichen Liebe zu ihm dabei gefühlt haben? Ich denke, dass kann nur eine gute Mutter wissen!

Und so sah Mariens eigenes christliches Glaubensleben inmitten der Jerusalemer Kirchengemeinde aus.

Später war sie dann mitbetroffen von einer großen Kirchenverfolgung, die in Jerusalem ausbrach:

“Saulus aber hatte mit zugestimmt bei seiner Hinrichtung. An jenem Tag brach eine große Verfolgung aus gegen die Gemeinde in Jerusalem, und alle wurden versprengt über die Gebiete von Judäa und Samaria, mit Ausnahme der Apostel … Saulus aber misshandelte die Gemeinde, drang in ihre Häuser ein, schleppte Männer und Frauen weg und lieferte sie ins Gefängnis. Die aber versprengt wurden, zogen durchs Land und verkündeten das Wort Gottes.” (Apg 8,1-4)

Da die Mutter des Herrn mit dem Apostel Johannes zusammengelebt hat, gehörte sie zu den wenigen, die trotz dieser großen Verfolgung mutig in Jerusalem geblieben war. Sie war bereit, für ihren Sohn, den Herrn Jesus Christus, zu sterben und einen Märtyrertod zu erleiden; doch Christus, ihr Sohn, bewahrte sie davor. Bis zu ihrem Heimgang lebte sie mit ihrem Sohn, dem Apostel Johannes, zusammen.

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