Lehrt die katholische Kirche, dass sich im Fegefeuer verlorene Christen befinden?

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Oft haben protestantische Christen eine völlig falsche Vorstellung über den Katholizismus. Sie halten Dinge für katholisch, die überhaupt nicht katholisch sind. Viele von ihnen meinen beispielsweise, die katholische Kirche würde lehren, dass das Fegefeuer ein Ort für verlorene Christen sei. So schreibt eine von ihnen:

„Fegefeuer? Bitte erklären Sie in voller Wahrheit, warum es nicht gelten soll, wenn in der Bibel gesagt wird, allein durch Glauben seid ihr gerettet[1] od. wer an mich (Jesus) glaubt, hat das ewige Leben u. Jesus sagte, die die mir der Vater gegeben hat, die will ich hüten, führen od. ins ewige Leben bringen.[2] Jesus wird bei Lebzeiten dafür sorgen, daß ein Mensch mindest. 1× im Leben Jesus als seinen Erlöser bekennt.[3]

Deshalb klingen solche Einwände für uns Katholiken sehr lustig. Für ALLE Verlorenen kennt die katholische Kirche nämlich nur einen Ort: die Hölle! Nach katholischer Lehre befinden sich im Fegefeuer hingegen NUR Gerettete, und zwar nur diejenigen, die in ihrem Leben lediglich die Vollendung in der Heiligkeit nicht erreicht haben – im Gegensatz zu den Heiligen – und die daher dort ihre zeitlichen Sündenstrafen abbüßen müssen. Denn gemäß der Heiligen Schrift gibt es vollendete und unvollendete Gerechte (Heilige). In 2 Kor 7,1 lesen wir:

„Da wir nun diese Verheißungen haben, Geliebte, wollen wir uns von jeder Befleckung des Fleisches und auch des Geistes reinigen und unsere Heiligkeit in der Furcht Gottes vollenden.“

Die meisten wahren Christen erreichen ihre Vollendung in der Heiligkeit nicht, weshalb sie unvollendete Heilige (unvollendete Gerechte) sind, also keine Heiligen in vollem Sinn des Wortes. Diejenigen, die ihre Heiligkeit vollendet haben, nennt die Heilige Schrift deshalb „vollendete Gerechte (Heilige)“, in der Regel auch einfach nur “Gerechte” in vollem Sinn des Wortes:

„Denn ihr seid hingetreten … zu den Geistern der vollendeten Gerechten …“ (Hebr 12,22-24) 

Hier ist von den “Geistern der vollendeten Gerechten” die Rede, so dass ihre Betitelung “vollendete Gerechte” auf ihr einstiges Dasein auf Erden Bezug nimmt, wo sie ihre Vollendung in der Heiligkeit erreicht hatten.

Nach dem Abbüßen der Sündenstrafen im Fegefeuer erfolgt nach katholischer Lehre der unmittelbare Eingang in den Himmel, in die ewige Glückseligkeit, was ich am folgenden Beispiel verdeutlichen möchte:

In den 90er Jahren hatte ein katholischer Freund eine Real-Vision. In dieser Vision sah er schemenhaft eine Seele, die sich im Dunkeln befand. Er verstand, dass es sich dabei um eine Seele im Fegefeuer handelt, die ihn um sein Gebet ersucht. Er betete daraufhin täglich für sie. Nach einiger Zeit, als er mit seinem Beten für diese Seele aufhören wollte, bekam er wieder eine Real-Vision, in der ihm dieselbe Seele nun halb im Dunkeln und halb im Licht erschien. Er verstand, dass sich diese Seele im Fegefeuer aufgrund seines Gebets nun kurz vor dem Einlass in den Himmel befand und er deshalb für sie weiterbeten wolle. Deshalb betete er dann täglich weiter für sie. Es verging dann wieder einige Zeit, als er eine weitere Real-Vision hatte, in der ihm diese Seele wieder erschien. Und diesmal war sie ganz im Licht; sie war jetzt aufgrund seines Gebets aus dem Purgatorium befreit worden und befand sich im Himmel.

Im Fegefeuer befinden sich nach katholischer Lehre also nicht Verlorene, sondern Gerettete. Sie bleiben dort nur vorübergehend.

Damit ist das Missverständnis, dass sich nach katholischer Lehre im Fegefeuer verlorene Christen befänden, ausgeräumt.

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[1] Das protestantische Dogma “Sola Fide” kommt in der Heiligen Schrift nicht vor. Das Wort “allein” wird lediglich ins Neue Testament hineingefälscht, hauptsächlich gedanklich. Paulus hebt lediglich die eine Seite der Medaille, den Glauben, vor, während Jakobus die andere Seite der Medaille, die christlichen Werke, hervorhebt. Paulus verneint lediglich die pharisäische Werkegerechtigkeit, nach der man unabhängig vom Glauben durch das akribische Einhalten der alttestamentarischen Vorschriften bis ins letzte Detail gerettet würde, während Jakobus lediglich das protestantische Dogma, man würde aus Glauben allein gerettet, verneint. Auch Paulus sagt das in Hebr 12,14, wonach man ohne die Heiligung, und somit ohne Werke, nicht gerettet wird. 

[2] Diese Bibelstellen besagen nicht das, was sie zu sagen scheinen; denn ein gläubiger Christ kann auch abfallen und somit verloren gehen. Dazu empfehle ich die biblischen Argumente in diesem Video: https://www.youtube.com/watch?v=Mg6MZWImPrk

[3] Bei den meisten Menschen hat Jesus Christus nicht dafür gesorgt, dass sie ihn in ihrem Leben als seinen Erlöser bekannt haben. Deshalb ist dieses protestantische Dogma falsch. Und es ist auch deshalb falsch, weil Gott jemanden, der sich ein Mal in seinem Leben zu Christus bekannt hat, dann aber z.B. Moslem oder Satanist geworden ist, und daher gegen Christus, gegen Gott, positioniert ist, nicht zwingen wird, in den Himmel einzugehen. 

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