Ist Ostern heidnisch?

Das Kirchenjahr der katholischen Kirche ist ein liturgisches Jahr. Es ist Gottes lebendiges Wort. Es ist so konzipiert, dass das Gottesvolk an den festgelegten Tagen und Zeiten weltweit die Heilige Schrift lebendig macht, indem es der in ihr bezeugten zentralen Geschehen des Heils und allem, was damit direkt und indirekt zusammenhängt, ganz besonders gedenkt, und zwar durch Gottesdienste, die aus Gebeten und Andachten bestehen, die dem jeweiligen biblischen Geschehen zugeordnet sind, sowie durch Lesungen entsprechender Schriftstellen und den Predigten dazu. Viele gläubige Katholiken beten auf diese Festtage und -zeiten hin zuvor noch entsprechende Andachten, die über mehrere Tage gehen, um sich auf den biblischen, christlichen Inhalt der jeweiligen Tage und Zeiten innerlich besser vorzubereiten. In diesen Andachten werden Schritt für Schritt bedeutende Details betrachtet, die man sonst nicht oder selten vor Augen hat, z.B. in der folgenden Kurzandacht, die den Karfreitag betrifft:

„Nach der Geißelung bringen die Soldaten Jesus ins Prätorium, wo sie ihm einen Kranz aus Dornen flechten und ihn auf sein heiligstes Haupt setzen, und ihm einen purpurnen Mantel umlegen, während sie ihn mit den Worten: „Heil dir, König der Juden!“ verhöhnen und ihm in sein heiligstes Antlitz schlagen. Aufgrund der Dornenkrone auf seinem Haupt fließt sein kostbares Blut über sein Antlitz herab. Jesus hätte die kostbarste und herrlichste Krone wählen können. Satan bot sie ihm an (Mt 4,8-9). Er zog es vor, aus Liebe zu den Menschen diese Dornenkrone auf sein heiligstes Haupt drücken zu lassen, um so die Sünden des menschlichen Intellekts und Hochmuts zu sühnen, die sich besonders in unseren Tagen weiträumig entfalten, – zerstörerisch entfalten, vor allem in Theologie, Philosophie, Wissenschaft, Technik, Politik und Medien.“

Die Radikalsten unter den protestantischen Lehrern negieren das. Doch was soll falsch und schlecht daran sein, Tage festzulegen, an denen man die Bibel lebendig macht, indem man den in ihr bezeugten heiligen Ereignissen und ihren heiligen Hintergründen im Hinblick auf das Heil besondere Aufmerksamkeit schenkt durch Gottesdienste, Lesungen und Predigten und sie auf diese Weise feiert und Christus verherrlicht? Das will sich einem Christen, der gemäß 2Kor 3,6 nicht aus dem Buchstaben, sondern aus dem Heiligen Geist lebt, nicht erschließen!

Denn ist es nicht unsere Sache, als freie Kinder Gottes aus dem Heiligen Geist heraus zur Ehre Gottes und zum Dank an ihn, Zeiten festzulegen, an denen wir besonders dem gedenken, was er für uns getan hat, und dies dann mit Gottesdiensten zu feiern und so die Heilige Schrift im großen und weltumspannenden Maße lebendig zu machen und auf diese Weise vor der ganzen ungläubigen Welt öffentlich Zeugnis für all das abzulegen? Was wäre das für ein Glaube, der nur das täte, was Buchstabe für Buchstabe in der Bibel steht? Ein solcher Glaube ist ein toter, liebloser, kalter und erbärmlicher Glaube! Dies will ich hier kurz verdeutlichen: Viele dieser sehr radikalen protestantischen Lehrer beten nicht zu Gott, dem Heiligen Geist. Warum? Weil es in der Bibel keinen Buchstaben gibt, der dazu auffordern würde, oder der bezeugen würde, dass irgendjemand speziell zu Gott, dem Heiligen Geist, gebetet hätte. Würde es so einen Buchstaben in der Bibel geben, würden sie es tun. Was soll das bitte schön für ein Glaube sein, der es wegen fehlendem biblischen Buchstabens verbietet, zu Gott zu beten und die Heilige Schrift lebendig zu machen?

Aus diesem toten, pharisäischen Buchstabenglauben heraus, der einen nicht Gott, den Heiligen Geist, anbeten und die Schrift lebendig machen lässt, und der von Gottes Wort 2Kor 3,6 verworfen wird, negieren die besagten Lehrer somit auch das Fest der Auferstehung Christi. Weil es keinen biblischen Buchstaben gäbe, der ein Fest der Auferstehung Christi bezeugen würde, sei ein solches Fest schlecht und falsch. Es sei also schlecht und falsch, wenn die Christenheit ein Mal im Jahr gemeinsam der Auferstehung Christi, ihres Erlösers, besondere Aufmerksamkeit schenkt, ihrer besonders gedenkt, sie gottesdienstlich feiert, so Gottes Schriftwort lebendig macht und auf diese Weise öffentlich Zeugnis ablegt. Über so eine geistig tote, leblose, kalte und lieblose Sichtweise kann man als im Heiligen Geist frei und lebendig lebendes Kind Gottes nur noch den Kopf schütteln!

Mit dem Auferstehungsfest Christi ist es so, wie im ganz persönlichen Bereich bestimmter Katholiken, die sich als freie Kinder Gottes zu seiner Ehre und zum Dank an ihn, ihren Tag liturgisch so gestalten, dass sie morgens der Geburt, um 15 Uhr dem Kreuzestod und abends der Auferstehung Christi besondere Aufmerksamkeit schenken, oder morgens der Auferstehung Christi und abends seiner Geburt, indem sie sie mit besonderen Gebeten und Andachten (= Gottesdiensten) feiern. Hier wird die Auferstehung Christi täglich morgens oder abends in einem kleinen und persönlichen Rahmen gefeiert, während sie ein Mal im Jahr vom gesamten Gottesvolk gemeinsam auf diese Weise gefeiert wird. Das ist das Schöne am Christentum: Wir Christen dürfen, anders als die so mancher buchstabengläubiger Internet-Lehrer, unser christliches Glaubensleben zur Ehre Gottes frei gestalten. Dank sei unserem Herrn und Gott Jesus Christus, dass er uns diese Freiheit der Kinder Gottes geschenkt hat – weit weg von der pharisäischen Buchstabengefangenschaft, in der man nicht einmal Gott, den Heiligen Geist, anbeten darf!

Um nun das Auferstehungsfest Christi, an dem die Christenheit ihren Glauben an die Auferstehung Christi besonders zum Ausdruck bringt, als schlecht und falsch hinzustellen, verweisen manche dieser Lehrer in ihrer pharisäischen Buchstabengefangenschaft, und somit in ihrem geistig toten Zustand, nicht nur darauf hin, dass ein solches Fest nicht in der Bibel bezeugt sei, so als ob es das müsste, sondern, dass es auch heidnischen Ursprungs sei. Sie behaupten, dass das Wort „Ostern“ von „Ostara“, dem Namen einer angeblichen germanischen Göttin des Frühlings und der Fruchtbarkeit, abgeleitet worden sei, natürlich wieder von der katholischen Kirche, die ja mit allen Mitteln bekämpft werden muss, koste es, was es wolle. Ob man damit eine sehr schwere Sünde (Verleumdung) begeht, ist dann scheinbar auch egal! Und so sei Ostern ein heidnisches Fest der katholischen Kirche. Auf diese Weise wird suggeriert und behauptet, diese Bezeichnung sei ein allgemeiner Begriff der katholischen Kirche, den sie weltweit eingeführt hätte. Kommen wir nun zu den Tatsachen:

1. Die Bezeichnung „Ostern“ wird in der katholischen Kirche nicht überall auf der Welt „Ostern“ genannt; hier etliche Beispiele:

Albanien: pashkët
Dänemark: påske
Frankreich: Pâques
Griechenland: πάσχα/Pascha [ˈpasxa]
Island: páskar
Italien: Pasqua
Katalanien: Pasqua
Niederlande: Pasen
Norwegen: påske
Portugal: Páscoa
Rumänien: paști
Russland: Pascha
Schweden: påsk
Spanien: Pascua
Türkei: Paskalya
Nordwestdeutscher Raum: Paasken/Paasch(en)
Die slawischen Länder: Große Nacht/Nächte, Großer Tag, Morgen oder Auferstehung (Uskrs)

Außerhalb des deutsch- und englischsprachigen Raums wird die Bezeichnung „Ostern“ für das Auferstehungsfest Christi innerhalb der katholischen Kirche NIRGENDWO gebraucht – NUR im deutsch- und englischsprachigen Raum! Hier haben wir besagte Lehrer also schon mal als dreiste Lügner ertappt, da sie ja sagen oder suggerieren, die Bezeichnung sei ein von der Kirche weltweit verwendeter Begriff. Denn das muss es ja sein, wenn Ostern gar keine christlichen Wurzeln hat und nur ein einverleibtes germanisch-heidnisches Fest sei.

2. Die Amtssprache der katholischen Kirche ist nun aber Latein, und nicht Deutsch, Englisch, Französisch oder eine sonstige Sprache. Die offizielle und allgemeingültige katholische Bezeichnung für das Auferstehungsfest Christi ist nicht „Ostern“ bzw. „Easter“, sondern „pascha“ oder „Festum paschale“, von hebr. pésach, und wurde von der katholischen Kirche für das Auferstehungsfest Christi bereits VOR der im Mittelalter auf deutschem Boden aufgekommenen Bezeichnung „Ostern“ ÜBERALL verwendet, was somit besagt, dass das Auferstehungsfest Christi mit einer angeblichen Göttin „Ostera“ überhaupt nichts zu tun hat! Allenfalls könnte man die Theorie aufstellen, dass aufgrund der zeitgleichen Feier sich der heidnische Name dieser Zeit eingebürgert hat, wenn das überhaupt mit „Ostera“ stimmt, was sehr stark zu bezweifeln ist. Aber das ist dann in ungefähr so verwerflich wie das Wort „Karfreitagsliturgie“, weil ja das germanische Wort Freitag sich wohl auch von irgendeiner Götterbezeichnung herleiten lässt. Die große Verschwörung und satanische Einflussnahme auf die Christenheit lässt sich hier nur schwerlich erkennen. Manchmal fragt man sich als Katholik echt: „Wenn das also die besten Argumente unserer Gegner sind, dann scheinen wir ja alles richtig zu machen…“

3. Dass das Auferstehungsfest Christi heidnischen Ursprungs sei, ist, wie wir gesehen haben, nicht haltbar. Es existierte schon Jahrhunderte lang vor dem Aufkommen der Bezeichnung „Ostern“, und zwar kirchlicherseits – ganz offiziell also – unter der Bezeichnung „pascha“, und zwar ÜBERALL, wo Katholiken gelebt haben. Es wird NACHWEISLICH seit dem 2. Jh. gefeiert. Die Ansicht, dass „Ostern“ wegen dieser Bezeichnung heidnischen Ursprungs sei (Göttin „Ostara“), geht ursprünglich auf die Brüder Grimm zurück, die erstmals von ihr sprachen. Denn bis ins 19. Jh. war diese „Göttin“ unbekannt. Die Brüder Grimm bezogen sich dabei auf den Kirchenhistoriker Beda Venerabilis (738), der jedoch von keiner Göttin namens „Ostara“, sondern „Eostrae“ spricht. Es handelt sich hier wohl eher um eines von Grimm’s Märchen…

Hier ein weiterführender sehr wichtiger Artikel dazu, der unten mit Seite 2 weitergeht: https://www.focus.de/wissen/mensch/religion/christentum/tid-25449/heidnische-braeuche-der-ursprung-von-ostern-_aid_733215.html

4. Da es beim Osterfest von Anfang an um die Auferstehung Christi ging, auch auf deutschem Boden, liegt es auf der Hand, dass es sich, wie Sprachwissenschaftler ja auch darlegen, bei dem Wort „Ostern“ um eine Lehnbildung des althochdeutschen „Ostarun“ (Plural von „Morgenröte“) handelt. Auch „Osten“ (engl. „east“) kommt daher, da dort ja die Sonne aufgeht. Denn Christus ist nach Mk 16,2 „früh am Morgen, als eben die Sonne aufging“, auferstanden. Deshalb war die Bezeichnung „Morgenröte“ (ahd. Ost(a)ra) ein gängiges frühchristliches Symbol für die Auferstehung Christi, weshalb es z.B. in Hippolyts Canones um 350 heißt:

„Alle sollen daher bis zur Morgenröthe wachen, dann ihren Leib mit Wasser waschen, bevor sie Pascha (die Auferstehung Christi) feiern, und das ganze Volk sei im Lichte“. 

Und im Hymnus Aurora lucis rutilat von Ambrosius von Mailand aus dem 4. Jh. lesen wir im Hinblick auf das Auferstehungsfest Christi:

Der Morgen rötet sich und glüht, der ganze Himmel tönt von Lob,
in Jubel jauchzt die Erde auf, und klagend stöhnt die Unterwelt.
Der starke, königliche Held zerbrach des Todes schweren Bann.
Sein Fuß zertrat der Hölle Macht: Aus harter Fron sind wir befreit.
Er, den der Stein verschlossen hielt, und den man noch im Grab bewacht,
er steigt als Sieger aus dem Grab, fährt auf in strahlendem Triumph.
Schon werden alle Klagen stumm, in Freude wandelt sich der Schmerz,
denn auferstanden ist der Herr; ein lichter Engel tut es kund.
Dem Herrn sei Preis und Herrlichkeit, der aus dem Grabe auferstand,
dem Vater und dem Geist zugleich, durch alle Zeit und Ewigkeit. Amen.“

Mit dem Heidentum hat also weder das Auferstehungsfest Christi selbst, noch seine im deutsch- und englischsprachigen Raum gebrauchte Bezeichnung „Ostern“ bzw. „Easter“ zu tun. „Ostern“, „Easter“, ist schlichtweg die Bezeichnung für den biblisch bezeugten Zeitpunkt der Auferstehung Christi, die an Ostern eben gefeiert wird. Und das war’s auch schon!

Und so sieht man, wie Kirchenfeinde mit allen möglichen unlauteren, sündigen Mitteln versuchen, mit Biegen und Brechen der katholischen Kirche etwas als heidnisch unterzuschieben, was in Wirklichkeit biblisch ist, nämlich die Auferstehung Christi zum Zeitpunkt des Sonnenaufgangs (Morgenröte), nur um auf diese Weise eine unliebsame Konkurrentin – die katholische Kirche – ins schlechte Licht zu stellen, sie zu verleumden und zu diffamieren, damit sie gehasst und verachtet wird.

Stjepan Vucina, 2009 durchs Bibelstudium katholisch geworden, ist katholischer Apologet. Sein Herzensanliegen ist es, Protestanten anhand der Heiligen Schrift die katholische Position aufzuzeigen. Einige Protestanten in seinem Umfeld konnte er schon durch die Bibel zur Konversion führen.

2 Kommentare

  1. Thea
    19. September 2021 - 21:16

    Ein sehr guter und Fundierter Artikel der mit all den Netz Klischees Rigoros Endlich entgültig aufräumt !
    Gratulation.

    Antworten
    • Stjepan Vucina
      8. Oktober 2021 - 09:10

      Grüß Dich, liebe Thea! Den Artikel von mir haben wir Dennis zu verdanken. Er hat mich gebeten, bzgl. Ostern zu recherchieren und einen Artikel dazu zu verfassen. Ohne Dennis gäbe es meinenm Artikel nicht. Dank sei Dennis! 🙂

      Antworten

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