Ist NUR der Vater Gott?

Es gibt im Neuen Testament mindestens zwei Stellen, auf die sich die Uniitarier, ob nun Protestanten oder Muslime, beziehen, um mit ihnen ihre Lehre vom einpersonalen Gott scheinbiblisch aufzubauen, und zwar auf Joh 17,3 und 1Kor 8,6:

„Dies aber ist das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.“

„so gibt es für uns nur einen Gott, den Vater, von dem alle Dinge sind und wir auf ihn hin, und nur einen Herrn, Jesus Christus, durch den alle Dinge sind und wir durch ihn.“

Sie sagen: Wenn es heißt, dass nur der Vater der „allein wahre Gott“ und „der einzige Gott“ ist, dann sind der Sohn und Heilige Geist ausgeschlossen. Diese Betrachtung hat schon einige zu Unitariern und somit zu Nicht-Christen gemacht. Ein Evangelischer, der auf diese Weise verunsichert worden ist, stellte auf einer evangelischen Website einem evangelischen Pfarrer daher die folgende Frage:

„In 1. Kor. 8,6 steht, dass nur der Vater der einzige Gott ist. Jesus ist nur Herr. Ist Jesus nun Gott oder nicht?“

Was also ist davon zu halten? Besagen diese Bibelstellen tatsächlich das, was sich die Unitarier denken? Zunächst ist festzustellen, dass in Joh 17,3 keine Rede davon ist, dass NUR der Vater der allein wahre Gott sei, sondern einfach nur, dass der Vater der allein wahre Gott ist. Das „NUR“ wird sich hier einfach dazugedacht, wodurch dann diese Bibelstelle antibiblisch gemacht wird! Doch Jesus verwendet hier den in der Bibel oft vorkommenden Konkretismus, mit dem man sich ganz konkret auf eine Person, auf eine Gruppe oder auf eine Sache fixiert, ohne damit sagen zu wollen, dass die auf sie bezogenen Sachverhalte auf andere Personen, Gruppen oder Dinge nicht zuträfen. Um den Konkretismus zu verdeutlichen, hier ein Beispiel:

Vor einigen Jahren verfasste ich einen Text, in dem ich die neuapostolische Irrlehre von einer apostellosen Zeit biblisch widerlege. In diesem Text schreibe ich ganz konkret im Hinblick auf den Protestantismus, dass NUR die katholische Kirche Apostel hat. Dann hat ein orthodoxer Christ meinen Text gelesen und kam zu dem Fehlschluss, ich würde ihre Bischöfe als Apostel ausschließen. Doch mein „NUR“ nimmt ganz konkret Bezug zum Protestantismus, da ich ganz konkret NUR diesen und die katholische Kirche im Blick hatte und alles andere außen vor gelassen habe. Und genau das trifft auf Joh 17,3 zu.

Hier nun auch biblische Beispiele, wo dieser Konkretismus verwendet wird:

So z.B. heißt es in Mk 16,9, dass Jesus Christus nach seiner Auferstehung ZUERST Seiner Jüngerin Maria Magdalena erschien. Daraus nun zu schließen, dass Jesus Christus seiner Mutter nicht ZUERST erschienen sei, wäre ein völliger Fehlschluss, weil sich der Evangelist Markus in Mk 15,42-16,20 ganz konkret auf die Jüngerschar fixiert, und nicht auch auf Jesu Familie. Die Aussage Mk 16,9 bezieht sich somit ganz konkret auf einen Sachverhalt innerhalb der Jüngerschar Jesu. Dort, innerhalb der Jüngerschar, erschien Jesus als erstes Seiner Jüngerin Maria Magdalena. Das bedeutet also nicht, dass Jesus innerhalb Seiner aller ihm zugeneigten Personen, die Seine Angehörigen mit einschließen, nicht ZUERST Seiner Mutter erschienen sein könne.

Ein anderes Beispiel zur Verdeutlichung:

In Mt 28,16-20 erteilt Jesus ganz konkret Seinen Aposteln den Missions-, Tauf- und Lehrauftrag. Daraus zu schließen, dass NUR die Apostel missionieren, taufen und lehren dürften, wäre wiederum ein völliger Fehlschluss. Denn auch hier handelt es sich um den im Judentum gebrauchten Konkretismus, der auch in diesem Fall niemand anderen außerhalb des Apostelamtes ausschließen muss, was wir dann auch in Apg 8 sehen, wonach auch der Diakon Philippus missionierte und taufte. Warum sich der Herr in Mt 28,16-20 konkret auf Seine Apostel bezieht, liegt daran, dass Er sie zu Kirchenfürsten eingesetzt hat, die dann innerhalb Seiner Kirche alles weitere arrangieren sollten; sie selbst sollten dann an Seiner Statt den Missions-, Tauf- und Lehrauftrag an andere Kirchenmitglieder weitergeben.

So ist es auch in Joh 17,3: Aus Joh 17,1 wird ersichtlich, dass sich Jesus beim letzten Abendmahl jetzt ganz konkret auf seinen Vater fixieren und sich daher NUR ihm zuwenden wollte. Aus diesem Grund – aufgrund des von Ihm hier gebrauchten Konkretismus – ist also nicht zu schließen, dass NUR der Vater der allein wahre Gott sei. Der allein wahre Gott können somit durchaus auch der Sohn und der Heilige Geist sein. Aufgrund des angewandten Konkretismus sagt Jesus hier weder, dass der Vater ALLEIN der allein wahre Gott sei, noch, dass AUCH der Sohn und der Heilige Geist der allein wahre Gott wären. Er lässt diesen Sachverhalt hier völlig offen! Auf jeden Fall ist schon mal der Vater der allein wahre Gott, der es aber nicht ALLEIN sein muss!

Wenden wir uns nun der Korintherstelle zu, die nach Behauptung der Unitarier besagen würde, das NUR der Vater der eine Gott sei:

„so gibt es für uns NUR EINEN Gott, den Vater, von dem alle Dinge sind und wir auf ihn hin, und NUR EINEN Herrn, Jesus Christus, durch den alle Dinge sind und wir durch ihn.“

Es ist hier festzustellen, dass es nicht heißt: „nur einen Gott, den Vater ALLEIN“, sondern: „nur einen Gott, den Vater“, womit also ausgesagt ist, dass es für uns nur einen Gott gibt, den Vater, aber nicht den Vater allein. Aus diesem Grund schließt 1Kor 8,6 Jesus Christus, den Sohn, nicht als Gott aus. Dasselbe betrifft die Aussage, dass es für uns „nur einen Herrn, Jesus Christus,“ gibt. Es heißt also auch hier nicht: „nur einen Herrn, Jesus Christus ALLEIN“, sondern: „nur einen Herrn, Jesus Christus“, womit auch hier ausgesagt ist, dass es für uns nur einen Herrn gibt, den Sohn, aber nicht: den Sohn allein. Aus diesem Grund schließt Gottes Wort 1Kor 8,6 den Vater nicht als Herrn aus, wie es auch den Sohn nicht als Gott ausschließt. Auch hier wird also zwei Mal der zuvor aufgezeigte Konkretismus verwendet, zum einem auf den Vater bezogen im Hinblick auf die Bezeichnung „Gott“, und zum anderen auf den Sohn bezogen im Hinblick auf die Bezeichnung „Herr“.

Dass nun auch der Vater der eine Herr ist, und nicht nur der Sohn, bestätigt Jesus Christus selbst, als Er sagte: „Ich preise dich, Vater, HERR des Himmels und der Erde, daß du dies vor Weisen und Klugen verborgen, Kleinen aber geoffenbart hast.“ (Mt 11,25) Aber auch der Heilige Geist ist der Herr: „Der HERR aber ist der Geist.“ (2Kor 3,17) Somit sind der Vater und der Sohn und der Heilige Geist der e i n e Herr, weshalb alle DREI gemäß Mt 28,19 den ein und denselben Namen haben, in dem getauft werden soll; und da nun der Vater Gott ist und daher ausschließlich einen göttlichen Namen hat, nämlich JAHWE, so haben denselben göttlichen Namen gemäß Mt 28,19 auch der Sohn und der Heilige Geist, die uns dann in 1Mo 18,2 in der Gestalt dreier Männer vor Augen geführt werden, die in 18,1 als „JAHWE“ und in 18,3 als „HERR“ (Singular!) bezeichnet werden.

Und dass tatsächlich auch der Sohn der eine und alleinige Gott ist, und nicht nur der Vater, bestätigen noch die Apostel Paulus und Johannes:

„Wir wissen, dass der Sohn Gottes gekommen ist und uns Einsicht gegeben hat, den Wahrhaftigen zu erkennen; und wir sind im Wahrhaftigen: in seinem Sohn Jesus Christus. Dieser ist der wahrhaftige Gott“ (1Joh 5,20)

„… der Christus dem Fleische nach, der da ist über allem, Gott, gepriesen in Ewigkeit. Amen.“ (Röm 9,5); „… zu harren auf die selige Erwartung und das Erscheinen der Herrlichkeit unseres großen Gottes und Retters Jesus Christus.“ (Tit 2,13)

Sowohl der Vater ist der Wahrhaftige, als auch der Sohn. Sowohl der Vater ist Gott, als auch der Sohn, „der da ist über ALLEM“, über ALLEM ENTSTANDENEN, welches gemäß 1Kor 8,6 vom Vater durch den Sohn geworden ist! Abgerundet wird das alles mit der Aussage Joh 1,1-3:

„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott (dem Vater), und das Wort war Gott (der Sohn). Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ist durch dasselbe entstanden, und ohne dasselbe ist auch nicht eines entstanden, was entstanden ist.“

Es heißt, dass ALLES, was entstanden ist, durch den Sohn entstanden ist, also ALLES Entstandene, womit ausgesagt ist, dass sich der Sohn außerhalb ALLES Entstandenen befindet und Er somit selbst nicht entstanden ist, was bedeutet, dass der nichtentstandene Sohn ewig und somit Gott ist, wie der Vater. Das korrespondiert nun wieder mit 1Kor 8,6, wo es heißt, dass „ALLE Dinge“ vom Vater sind, während dieselben durch den Sohn sind, womit wieder ausgesagt ist, dass sich der Sohn außerhalb ALLER entstandenen Dinge befindet und somit unentstanden und somit ewig ist und somit als Herr über ALLEM Entstandenen steht!

Man muss die Heilige Schrift also sehr genau lesen, damit man nicht, wie die Unitarier, die mit solchen Bibelstellen die Gottheit Christi biblisch zu widerlegen versuchen, auf falsche Schlüsse kommt.

Themen:
Stjepan Vucina, 2009 durchs Bibelstudium katholisch geworden, ist katholischer Apologet. Sein Herzensanliegen ist es, Protestanten anhand der Heiligen Schrift die katholische Position aufzuzeigen. Einige Protestanten in seinem Umfeld konnte er schon durch die Bibel zur Konversion führen.

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