Ist Marien- und Heiligenverehrung Anbetung, Götzendienst und Totenkult?

Vorwort

Die Marien- und Heiligenverehrung ist innerhalb des Protestantismus stark umstritten. Während ein großer Teil der Protestanten sie ablehnt und für Götzendienst und Totenkult hält, befleißigen sich einige wenige von ihnen mit der Verehrung Mariens, wenn sie z.B. den ersten Teil des Ave Maria beten. Doch auch sie können sich nicht durchringen, Maria um ihre Fürbitte zu bitten und so auch den zweiten Teil des Ave Maria zu beten.

In diesem Artikel wird die katholische und die protestantische Position zur Marien- und Heiligenverehrung im Lichte der Heiligen Schrift erörtert, mit dem Ziel, sie für Protestanten zugänglich zu machen, und ihnen aufzuzeigen, dass sie nicht das ist, für was sie sie halten.

Die Marien- und Heiligenverehrung ist nämlich kein heidnischer Akt, sondern Ausdruck der christlichen Liebe, die wir gläubigen Katholiken der Mutter und den Heiligen Gottes zuwenden. Sie wurde bereits von der ersten Generation der Christen praktiziert. Die zweite Generation übernahm sie von der ersten, die dritte von der zweiten usw. bis heute.

Nach Offb 13,6 wird es der Antichrist sein, der die Bewohner des Himmels – die Mutter, die Engel und die Heiligen Gottes – lästern wird. Als gläubige Katholiken tun wir mit unserer Marien-, Engel- und Heiligenverehrung das Gegenteil. Und jeder Protestant täte gut daran, es auch zu tun.

Ist Marien- und Heiligenverehrung Götzendienst?

Viele Protestanten vertreten die Ansicht, dass es sich bei unserer Marien- und Heiligenverehrung um Götzendienst handeln würde. Diese Ansicht wird in verschiedenen protestantischen Schriften, Internetseiten und Foren und in Kommentarbereichen unter Youtube-Videos verbreitet. Mit dieser Ansicht wird behauptet, dass Maria und die Heiligen Götzen wären, die von uns Katholiken angebetet würden. So schreibt ein freikirchlicher Protestant examplarisch:

„Es ist mir unverständlich, wie man an Maria als Heilige glauben kann … Warum gibt es Menschen die immer noch Götzen hinterher rennen?“

Der katholischen Kirche hingegen, und somit uns, ihren Gliedern, sind Maria und die Heiligen als Götzen unbekannt. Deshalb kennt auch unsere Heilige Schrift Maria und die Heiligen nicht als Götzen. Maria ist nach 1 Mo 3,15 Satans Feindin, nach Lk 1,38 und Lk 1,48 Gottes Magd, auf die sich nach Ps 116,16 Christus, unser Herr, berufen hat, nach den Evangelien die Mutter des Herrn, nach Joh 2,1ff, Joh. 19,25 und Apg 1,14 gläubige Christin, die nach Joh 19,27 mit dem hl. Apostel Johannes zusammengelebt hat, und nach Offb 11,19-12,5 die Lade des Neuen Bundes und Himmelskönigin, als die sie in Ps 45,10ff besungen wird! Und die Heiligen sind nach Hebr 12,23 die Geister der vollendeten Gerechten, die nach Offb 7,9 Gott anbeten!

Weil also Maria und die Heiligen gemäß der katholischen Kirche und unserer Heiligen Schrift keine Götzen, sondern Gottes heilige Geschöpfe sind, so handelt es sich bei unserer Marien- und Heiligenverehrung um keine Verehrung von Götzen, sondern um eine Verehrung von Gott heiligen Geschöpfen, die ihm dienen.

Schauen wir nun, was nach Offb 13,6 der Antichrist, das erste Tier, tun wird:

„Und es öffnete sein Maul … zu lästern die Bewohner des Himmels.“

Der Antichrist wird das Gegenteil von dem tun, was wir gläubigen Katholiken tun. Er wird die Magd und die Heiligen Gottes ablehnen und lästern und sie so ihrer Würde und Ehre berauben. Wenn wir gläubigen Katholiken das Gegenteil tun, dann sind wir auf dem richtigen Weg, während viele Protestanten zur Position des Antichristen hin tendieren, wenn sie, wie er, die Magd und die Heiligen Gottes ablehnen, erniedrigen und sie als Götzen oder speziell Maria oft sogar als Dämon beschimpfen und lästern!

Beten wir Katholiken Maria und die Heiligen an?

Wir Katholiken beten die Magd und die Heiligen Gottes nicht an, weil sie Gottes Geschöpfe sind, und keine Götter! Wären sie Götter, dann würden wir sie anbeten, wie das in solchem Falle dann auch die Protestanten tun würden! Es gibt aber keine Götter! Deshalb beten wir sie nicht an! Wir bringen der Magd und den Heiligen Gottes nur die Ehre dar, die ihnen als Gottes heilige Geschöpfe zusteht, da Gott sie hoch erhoben hat. Wir tun damit das Gegenteil von dem, was wir in Offb 13,6 gelesen haben: Während der Antichrist, wie die meisten Protestanten, die Magd und die Heiligen Gottes beschimpft und lästert und erniedrigt und sie somit aller Ehre beraubt, befleißigen wir gläubigen Katholiken uns, ihnen die Ehre zukommen zu lassen, die ihnen von Gott her und auf Gott hin zusteht, womit wir zum Antichristen entgegengesetzt stehen; und genau das bestätigt, dass unsere Marien- und Heiligenverehrung gut und richtig ist! Beachten wir auch, was Gott nach 1 Sam 2,30 gesagt hat:

„Ich ehre jene, die mich ehren.“

Gott ehrt also seine Magd und seine Heiligen, weil sie ihn geehrt haben, vor allem durch ihren lauteren Lebenswandel, und ihn die ganze Ewigkeit hindurch ehren. Er ehrt sie auch durch uns gläubige Katholiken. Durch uns gibt er ihnen die Ehre, die er ihnen durch uns geben will. Wie das funktioniert, zeigt Lk 1,41-42:

„Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Marias hörte, da hüpfte das Kind in ihrem Leib, und Elisabeth wurde erfüllt von Heiligem Geist, erhob laut ihre Stimme und rief: ‘Gepriesen bist du unter den Frauen, und gepriesen ist die Frucht deines Leibes!“

Die hl. Elisabeth wurde mit Heiligem Geist erfüllt, der sie sogleich dazu antrieb, Maria und ihr Ungeborenes, den Herrn, zu preisen und sie somit zu ehren. Durch Elisabeth hat Gott Maria und ihren Sohn, den Herrn, die Ehre zukommen lassen, die er ihnen durch sie geben wollte. Und genau das tut er auch durch uns gläubige Katholiken, auch im Hinblick auf seine Heiligen!

Dass Gott seiner Magd und seinen Heiligen durch uns die Ehre zukommen lässt, die er ihnen durch uns geben will, wissen wir aufgrund unserer christlichen Liebe, die der Heilige Geist in unsere Herzen eingießt; denn sie ist es in uns, die uns dazu antreibt, die Magd und die Heiligen Gottes zu ehren, während der Hass im Antichristen diesen dazu antreiben wird, sie aller Ehre zu berauben!

Unsere Verehrung der Magd und der Heiligen Gottes ist ein einziges heiliges Werk Gottes und seiner Liebe zu ihnen, welche wir in unserem Herzen tragen! Die Entehrung der Magd und der Heiligen Gottes hingegen ist gemäß Offb 13,6 ein Werk des Widersachers und seines Hasses, die er auf die Magd und die Heiligen Gottes hat!

Bedeutet Verehrung Anbetung?

Von Seiten vieler Protestanten ist zu vernehmen, dass Verehrung Anbetung bedeute. Deshalb würden wir Katholiken Maria und die Heiligen anbeten. Dass hier zwei verschiedene Wörter mit zwei verschiedenen Bedeutungen willkürlich gleichgesetzt werden, zeigt, dass diese Protestanten unsere Marien- und Heiligenverehrung unbedingt als eine Anbetung hinstellen wollen, dass sie an der Wahrheit nicht interessiert sind. Dies offenbart einen bösen Willen, der sich für Christen nicht ziemt! Der Christ ist nämlich der Wahrheit verpflichtet!

Weil die Wörter „Anbetung“ und „Verehrung“ zwei verschiedene Wörter sind und daher entsprechend verschiedene Bedeutungen haben, werden sie offiziell und lexikalisch unterschiedlich definiert. Wir gläubigen Katholiken verwenden beide Begriffe daher in ihren unterschiedlichen, ofiziellen und lexikalischen Bedeutungen, und nicht  nach protestantischen Phantasie-Bedeutungen. Auf Wikipedia wird das Wort „Anbetung“ wie folgt definiert:

„Anbetung … bedeutet die betende Verehrung eines Gottes.“[1]

Und auf Wiktionary lesen wir:

„Verehrung, Huldigung oder sonstige rituelle Kontaktaufnahme mit einer Entität, die als göttlich oder gottgleich wahrgenommen wird“[2]

Da nun Maria und die Heiligen weder Götter noch gottgleiche Wesen sind, sondern Gottes heilige Geschöpfe, lassen wir ihnen keine Anbetung zukommen, sondern nur eine Verehrung, und Verehrung bedeutet:

„Eine Verehrung ist eine ehrerbietige Form der Liebe. Vergleichbare Begriffe sind ‘(mit Liebe verbundene) Hochschätzung’ oder ‘Bewunderung’. In diesen Zusammenhängen ist ein Verehrer ein ‘Bewunderer’, aber auch ein ‘Liebhaber’.”[3]

Und auf Wiktionary lesen wir zu dem Wort „verehren“:

„jemandem mit großer Hochachtung und Bewunderung begegnen“[4]

Das ist das, was wir gläubigen Katholiken im Hinblick auf die Magd und die Heiligen Gottes tun: Wir wenden der Magd und den Heiligen Gottes ob ihrer Heiligkeit und Größe, die ihnen Gott verlieh, ehrerbietige Liebe, Hochschätzung und Bewunderung zu; wir verehren sie! Die höchste Verehrung, d.h. die höchste ehrerbietige Liebe, Hochschätzung und Bewunderung, bekommt Maria als Gottes einzigartiges Meisterwerk von uns! Dieses hochschätzen und bewundern, d.h. verehren wir ganz besonders, wodurch wir Gott eine große Freude machen. Das ist so, wie mit einem Künstler, der sich darüber freut, dass man sein Kunstwerk hochschätzt und bewundert, wohingegen es ihm missfallen würde, wenn man sein Kunstwerk verachten würde. Und letzteres wird gemäß Offb 13,6 der Antichrist tun! Er wird die großartigen Werke Gottes – seine Magd und Heiligen – verachten, beschimpfen, lästern, erniedrigen und entehren und ihn dadurch schwer beleidigen.

Beachten wir nun, wie auch die hl. Elisabeth zwischen Verehrung und Anbetung unterscheidet, wie wir Katholiken es tun; sie rief, vom Heiligen Geist erfüllt, zu Maria:

„Gepriesen bist du unter den Frauen, und gepriesen ist die Frucht deines Leibes!“

Im griechischen Text kommt hier zwei Mal das Wort „eulogeō“ vor, das als erstes Maria und als zweites der zweiten göttlichen Person in ihrem Mutterleib zugesprochen wird. Dieses Wort bedeutet „preisen“ und „segnen“. Elisabeth sagt also im Heiligen Geist über Maria und die zweite göttliche Person in ihrem Mutterleib, dass Beide, Maria als Geschöpf und ihr Kind als die zweite göttliche Person, gepriesen und gesegnet sind. Da Elisabeth im Heiligen Geist dies zum einen Maria, einem Geschöpf, und zum anderen der zweiten göttlichen Person, Gott, zuspricht, so bedeutet das, dass sie im Heiligen Geist das ein und dasselbe Wort in unterschiedlicher Auffassung gebraucht: Ihr in Bezug auf Maria verwendetes Wort „eulogeō“ ist bloß verehrend gemeint, da Maria Gottes Geschöpf ist, und ihr in Bezug auf die zweite göttliche Person im Mutterleib Mariens verwendete Wort „eulogeō“ hingegen anbetend, da die zweite göttliche Person eben Gott ist.

Das ist genau das, was wir gläubigen Katholiken im Heiligen Geist tun: Gottes heiligen Geschöpfen wenden wir nur eine Verehrung zu, und Gott selbst die Anbetung, was wir dadurch bestätigen, dass wir Maria und die Heiligen um ihr Gebet für uns bitten, und damit bekunden, dass sie zu Gott betende Geschöpfe und somit keine Götter sind!

Ist unser Kniefall vor Maria und den Heiligen Anbetung?

Wenn wir gläubigen Katholiken zur Magd und zu den Heiligen Gottes beten, knien wir uns für gewöhnlich hin, weil Gott sie heilig und groß gemacht hat. Protestanten zufolge sei dies nun eindeutig ein Akt der Anbetung, da der Kniefall angeblich nur Gott zukäme. Zur Beweisführung zitieren sie Offb 19,10:

„Da fiel ich ihm (dem Engel) zu Füßen, ihn anzubeten, er aber sprach zu mir: ‘Nicht doch! Ein Mitknecht bin ich von dir und deinen Brüdern … Gott bete an!“

Doch dieser Vers beweist das auf keinen Fall, denn der hl. Johannes hat den Engel unverständlicherweise spontan als eine Gottheit betrachtet, weshalb ihm der Engel über sich klarmachen musste, dass er nur ein Diener Gottes und somit Geschöpf sei. Allein aus diesem Grund fiel Johannes dem Engel anbetend zu Füßen, wohingegen wir der Magd, den Engeln und den Heiligen Gottes bloß verehrend zu Füßen fallen, denn diese Unterscheidung macht die Heilige Schrift, indem sie, wie wir, zwischen einem anbetenden Niederwerfen, das nur Gott zugewendet wird, und einem verehrenden Niederwerfen, das geschöpflichen Personen zugewendet wird, unterscheidet:

“Sobald Abigail David sah, stieg sie eilends nieder vom Esel herunter, warf sich vor David auf ihr Antlitz nieder und verneigte sich tief.” (1 Sam 25,23)

“Während Obdaja unterwegs war, stand ihm plötzlich Elias gegenüber. Jener erkannte ihn, fiel auf sein Angesicht nieder und rief: ‘Bist du es wirklich, mein Herr Elias?” (1 Kön 18,7)

“Die Prophetenjünger … erblickten ihn (den Propheten Elischa) und sagten: ‘Der Geist des Elias ruht auf Elischa.’ Sie kamen ihm entgegen und warfen sich vor ihm auf die Erde nieder.” (2 Kön 2,15)

Dieses nicht-anbetende, verehrende Niederwerfen vor heiligen und höhergestellten geschöpflichen Personen, das biblisch und somit gut und richtig ist, praktizieren wir gläubigen Katholiken mit unserem Kniefall vor der Magd und den Heiligen Gottes!

Ist unser Beten zu Maria und den Heiligen Anbetung?

Ist unser Beten zu Maria und den Heiligen Anbetung? – Das wäre so, wenn wir Katholiken das Wort „beten“ in unserem eigenen katholischen Sprachgebrauch nicht unterschiedlich auffassen und verwenden würden, wie Elisabeth das Wort „eulogeō“. Denn wir unterscheiden zwischen unserem anbetenden Beten, das wir allein Gott zuwenden, und unserem verehrenden Beten, das wir nur seiner Magd, seinen Engeln und seinen Heiligen zuwenden. Das zuerst bezeichnete Beten ist ein anbetendes Sprechen zu Gott, während das andere Beten ein verehrendes Sprechen zu Gottes hochgestellten heiligen Geschöpfen ist.

Wenn wir also unsere Worte an Gott richten, dann tun wir es anbetend, da wir Gott vor uns haben. Und wenn wir unsere Worte an die Magd, die Engel und die Heiligen Gottes richten, dann tun wir es verehrend, da wir nicht Götter vor uns haben.

Es ist bei uns Katholiken also ein wesentlicher Unterschied zwischen einem an Gott gerichteten Gebet und einem an seine Magd, Engel und Heiligen gerichteten Gebet. Unser Beten zur Magd, zu den Engeln und zu den Heiligen Gottes ist folglich keine Anbetung!

Dadurch nun, dass Protestanten eine solche Unterscheidung nicht machen, und daher die Bezeichnung „Beten“ immer auf eine Gottheit beziehen, meinen sie, wir Katholiken würden das auch tun. Doch wir tun es nicht, weil nach unserem katholischen Glauben Maria, die Engel und die Heiligen keine Götter sind!

Daher kann man nur noch darüber streiten, ob das Wort „Beten“ nicht Gott allein vorbehalten sein sollte. Doch das wäre nur spalterische Wortklauberei und in Anbetracht der Unterscheidung, die wir Katholiken zwischen Gott und seiner Magd, seinen Engeln und seinen Heiligen machen, unnötig!

Ist Marien- und Heiligenverehrung Totenkult?

Gegen unsere Marien- und Heilgenverehrung wird im Protestantismus noch das Argument vorgetragen, es handle sich dabei um einen Totenkult. Denn Maria und die Heiligen seien Tote, um die man keinen Kult betreiben dürfe. Totenkulte gäbe es nur im Heidentum. Deshalb sei die Marien- und Heiligenverehrung heidnisch. Wir Katholiken hingegen haben eine andere Sicht dazu, die auf Jesu Christi Lehre gründet. Jesus lehrte:

„Fürchtet euch nicht vor denen, die wohl den Leib, nicht aber die Seele töten können.“ (Mt 10,28)

„Was aber die Auferstehung der Toten betrifft, habt ihr nicht gelesen, was euch von Gott gesagt worden ist: ‘Ich bin der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs’? Gott ist nicht ein Gott von Toten, sondern von Lebendigen!“ (Mt 22,31-32)

Nach der Lehre unseres Herrn Jesus Christus ist nur der menschliche Leib tot, nicht aber die Person, die Geist ist. Die Person lebt nach der Trennung vom Leib weiter, weshalb der Herr am Beispiel von drei großen Heiligen aufzeigt, dass sie nicht Tote, sondern Lebendige sind, was uns z.B. in Offb 6,9-11 vor Augen geführt wird:

„Und als es das fünfte Siegel öffnete, sah ich unter dem Altar die Seelen derer, die hingemordet waren um des Zeugnisses willen … Sie riefen mit lauter Stimme: ‘Wie lange noch, Herr, du Heiliger, du Wahrhafter, richtest du nicht und rächst nicht unser Blut an den Bewohnern der Erde?’ Da wurde einem jeden von ihnen ein weißes Kleid gegeben, und es wurde ihnen gesagt, sie sollten sich gedulden noch kurze Zeit, bis vollzählig geworden seien ihre Mitknechte und Brüder, die noch den Tod zu erleiden hätten wie sie.“

Wir sehen hier die Seelen der Märtyrer lebendig, so wie es der Herr gelehrt hat, und nicht tot. Beachten wir dazu auch Hebr 12,22-24:

„Ihr seid vielmehr hingetreten … zu den Geistern der vollendeten Gerechten …“

Diese Bibelstelle teilt uns mit, dass wir gläubigen Katholiken tatsächlich nicht zu Toten hingetreten sind, sondern zu Lebendigen, zu den Geistern der vollendeten Gerechten. Tot sind nur die menschlichen Leiber, nicht aber die Personen, die nach dem Ableben des Leibes unmittelbar weiterleben, weshalb sie nach Offb 6,9-11 zu Gott rufen!

Folglich betreiben wir Katholiken mit unserer Heiligenverehrung keinen Kult um Tote, sondern einen „Kult“ um Lebendige, die Gott gehören, ewig bei ihm leben, ihm dienen und ihn anbeten. Der sog. „Kult“ um sie, der näher definiert werden müsste, ist nur Ausdruck unserer Verehrung, die Gott ihnen durch uns mittelt, um sie auf diese Weise zu ehren. Das ist ein Teil des Lohnes, den er ihnen durch uns schenkt! Mit Heidentum hat das alles nichts zu tun!

Ist Verehrung der toten Leiber der Heiligen Totenkult?

Man wird jetzt sicherlich einwenden, dass unsere Verehrung der toten Leiber der Heiligen ein Totenkult sei, da ja nach der im vorhergehenden Text dargelegte Definition nur die toten Leiber als Tote zu verstehen sind. Dieser Einwand wäre richtig, wenn es uns Katholiken um die Leiber der Heiligen als solche ginge. Doch uns geht es nicht um ihre Leiber als solche, sondern als Tempel Gottes:

„Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt?“ (1 Kor. 6,19)

Der Leib eines in der Gnade Gottes lebenden Christen ist also Gottes heiliger Tempel, und ganz besonders dann der Leib eines vollendeten Gerechten, eines Heiligen, weshalb wir gläubigen Katholiken besonders ihre Leiber als Gottes Tempel ehren. Die große Bedeutung der Leiber der Christen, insbesondere der Heiligen unter ihnen, wird durch das folgende Schriftwort verdeutlicht:

„Wenn einer den Tempel Gottes zugrunde richtet, so wird Gott ihn zugrunde richten.“ (1 Kor. 3,17)

Der Leib eines wahren Christen als Tempel Gottes ist so dermaßen heilig, dass er in keinster Weise zugrunde gerichtet werden darf. Wenn also schon der Leib eines gewöhnlichen, in der Heiligkeit unvollendeten Christen so heilig ist, um wie viel mehr ist das dann der Leib eines Heiligen, eines vollendeten Gerechten, wie z.B. der von Abraham oder Moses oder Petrus oder Paulus oder Pater Pio?! Dies zeigt sich besonders im Schriftwort Jud 9:

„Nicht einmal der Erzengel Michael wagte, als er mit dem Teufel kämpfte und um den Leib des Moses stritt, ein schmähendes Urteil zu äußern …“

Der tote Leib des Propheten Moses ist so dermaßen bedeutend, dass der hl. Erzengel Michael mit dem Teufel um ihn stritt! Lesen wir auch 1 Mo 49,33-50,13:

Josef zog hinauf, um seinen Vater (Jakob) zu begraben. Mit ihm zogen alle Hofleute des Pharao, die Ältesten seines Hofes und alle Ältesten Ägyptens, das ganze Haus Josefs, seine Brüder und das Haus seines Vaters … Auch die Wagen und die dazu gehörige Mannschaft zogen mit ihm, sodass es ein großer Zug wurde. Als sie nach Goren-Atad … gekommen waren, hielten sie dort eine sehr große Totenklage. Die Einheimischen, die Kanaaniter, beobachteten die Trauerfeier in Goren-Atad und sagten: ‘Eine würdige Trauerfeier veranstalten da die Ägypter’ … Jakobs Söhne taten an Jakob so, wie er ihnen aufgetragen hatte …“

Mit diesem Bibelzitat verweise ich nicht auf die Trauerfeier und das Begräbnis des toten Leibes des hl. Patriarchen Jakob, sondern auf die große Ehre, die man diesem erwiesen hat. Die Verehrung der toten Leiber der Heiligen als Gottes heilige Tempel hat sich im Alten Bund bis in die Zeit Christi erhalten. Darüber lesen wir in Mt 23,29-33:

Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr errichtet den Propheten Grabstätten und schmückt die Denkmäler der Gerechten und sagt: ‘Hätten wir in den Tagen unserer Väter gelebt, so wären wir nicht schuldig geworden mit ihnen am Blut der Propheten. So gebt ihr euch selbst Zeugnis, dass ihr Söhne der Prophetenmörder seid. Doch ihr macht es voll, das Maß eurer Väter! Ihr Schlangenbrut, ihr Natterngezücht! Wie werdet ihr dem Gerichte der Hölle entrinnen?“

Der Herr kritisiert hier nicht die Verehrung der toten Leiber der Heiligen, sondern die Heuchelei der Pharisäer und Schriftgelehrten: Sie gebärden sich als große Verehrer der Heiligen und ihrer toten Leiber als Tempel Gottes, machten aber das Maß ihrer Väter, der Prophetenmörder, voll, weshalb der Herr sie als „Schlangenbrut“ und „Natterngezücht“ bezeichnete und sie wegen ihren eigenen Verbrechen vor der Hölle warnte! Das Maß ihrer Väter, der Mörder der Propheten, die Heilige waren, haben sie dadurch voll gemacht, dass sie durch die Hand der Römer Christus, den Messias, ermordeten, der von eben diesen Propheten, die sie verehrten, angekündigt wurde. Folglich war die Verehrung der toten Leiber der Heiligen als Gottes heilige Tempel durch die Pharisäer und Schriftgelehrten heuchlerisch, aber an sich gut und richtig!

Besonders deutlich zeigt sich die Heiligkeit der toten Leiber der Heiligen als Gottes vollkommene Tempel in 2 Kön 13,20-21:

Und Elischa starb, und man begrub ihn. Und es kamen moabitische Räuberscharen ins Land, als das Jahr begann. Und es geschah, als sie einen Mann begruben, siehe, da sahen sie die Räuberschar, und sie warfen den Mann in das Grab Elischas. Als aber der Mann da hinein kam und die Gebeine Elischas berührte, da wurde er lebendig und stellte sich auf die Füße.“

Der hier genannte Mann, der tot in das Grab des Propheten geworfen wurde, wurde nur deshalb durch das Grab des Heiligen zum Leben erweckt, weil das Grab durch den toten Leib des Heiligen geheiligt war. Das zeigt, dass die Salbung des Heiligen Geistes über den Tod hinaus an den Leibern der Heiligen verbleibt. Dies erkennt man umso mehr, als man bedenkt, dass es in 4 Mo 19,16 heißt, dass „jeder, der … ein Grab berührt .. sieben Tage unrein sein“ würde, was aber hier aufgrund des heiligen Leibes des Propheten nicht der Fall war.

Da also die Leiber der vollendeten Gerechten, der Heiligen, vollkommene heilige Tempel Gottes sind, durch die aufgrund ihrer Heiligkeit Wunder geschehen können, halten wir gläubigen Katholiken sie im Einklang mit der Heiligen Schrift in besonderen Ehren, außer natürlich den Leib der Mutter des Herrn, weil dieser, wie der Leib Jesu, nicht hier, sondern im Himmel ist. Diesen würden wir als Gottes einzigartigen heiligen Tempel unter uns hüten, und ihm, anders als den Leibern der Heiligen, eine einzigartige Verehrung zukommen lassen.

Ist das Sprechen zu Heiligen in der Bibel verboten?

Da wir gläubigen Katholiken zu der Magd und den Heiligen Gottes beten, verweisen viele Protestanten darauf hin, dass das Sprechen mit Toten in der Bibel verboten sei. So z.B. schreibt einer von ihnen:

„Es besteht keinerlei Unterschiedd darin, einen Toten um etwas zu bitten oder ihn anzubeten. Zumindest in der Art und Weise wie die Katholiken Maria um „Fürbitte“ ersuchen. Zumal die Bibel das Sprechen mit den Toten mehrfach verbietet.“

Abgesehen davon, dass nicht alle Katholiken Maria und die Heiligen um Fürbitte ersuchen, und dass ein Ersuchen nach Fürbitte das Gegenteil von Anbetung ist, ist es eine Tatsache, dass die übrigen Katholiken nicht „mit den Toten“ sprechen, wie das z.B. Jesus Christus nach Mt 17,3 getan hat, sondern zu den Lebendigen Himmel, zu Gottes Heiligen, aber nicht, wie Jesus, mit ihnen. Des Weiteren unterscheidet dieser Protestant nicht zwischen unserem Sprechen zu sog. „Toten“ und dem, was in der Heiligen Schrift tatsächlich untersagt wird. In der Heiligen Schrift heißt es:

„Wenn ein Mann oder eine Frau einen Totenbeschwörungs- und Wahrsagegeist in sich hat, so sollen sie mit dem Tod bestraft werden. (3 Mo 20,27)

„Niemand finde sich bei dir, der … einen Totengeist … befragt oder Auskunft bei den Toten sucht.“ (5 Mo 18,10-11)

Verboten ist gemäß den Worten der Heiligen Schrift nur die Totenbeschwörung, die im Spiritismus praktiziert wird, und die die Spiritistin von Endor im Auftrag König Sauls praktiziert hat:

„Daher befahl Saul seinen Knechten: ‘Sucht mir eine Frau, eine Totenbeschwörerin …’ Seine Knechte sagten zu ihm: ‘In Endor wohnt eine Frau, die Tote beschwören kann.’ Saul  … ging mit zwei Begleitern hin. Sie kamen nachts zu der Frau, und er sprach: ‘Wahrsage mir doch durch einen Totengeist, und führe mir den herauf, den ich dir bezeichnen werde!’ […] Da sprach die Frau: ‘Wen soll ich dir heraufrufen?’ Er antwortete: „Hole mir Samuel herauf!’ […]“ (1 Sam 28,7-19)

Diese spiritistische Praxis, die in der Heiligen Schrift verboten ist, ist etwas anderes als unser in der Heiligen Schrift an keiner Stelle verbotenes Sprechen zu den Heiligen im Himmel. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, weshalb uns das Sprechen zu sog. „Toten“ in der Heiligen Schrift positiv begegnet; so z.B. praktizierte sie der hl. Prophet David, als er zu zwei von dieser Welt abgeschiedenen Freunden redete:

“Wie weh ist mir um dich, mein Bruder Jonatan! Du warst mir so lieb! Köstlicher war deine Liebe mir als die Minne der Frauen!” (2 Sam 1,26) 

“Deine Hände waren nicht gebunden, deine Füße nicht in Ketten gelegt! Wie man vor Verbrechern fällt, so fielst du!” (2 Sam 3,34)

Und im Buch Daniel sehen wir die drei von Gott begnadeten Freunde Daniels ebenfalls zu sog. „Toten“ sprechen:

„Preiset, ihr Geister und Seelen der Gerechten, den Herrn, lobt und erhöht ihn in Ewigkeit!“ (Dan 3,86)

Zwar steht dieser Vers nicht in der Hebräischen Bibel, welche die Protestanten verwenden, jedoch in der von Christus, seiner Mutter und seinen Aposteln als Heilige Schrift benutzten Septuaginta, was sich vor allem daran zeigt, dass Maria in ihrem Magnifikat Sir 10,14 zitiert (Lk 1,52), und dass Paulus in Hebr 1,6 Vers 32,43 des fünften Buches Mose zitiert, der nur in der Septuaginta vorkommt, aber nicht in der Hebräischen Bibel, und in Hebr 10,5-7 die Psalm-Verse 40,7-9 in der Septuaginta-Version, die von Hebräischen Bibel abweicht. Das Alte Testament ist somit nicht die unvollständige Hebräische Bibel der Protestanten, sondern die Septuaginta, was bedeutet, dass Dan 3,86 Gottes Wort ist, und zwar genauso, wie der in Hebr. 1,6 zitierte Vers 5 Mo 32,43!

Anhand 2 Sam 1,26, 2 Sam 3,34 und Dan 3,86 sehen wir, dass das Sprechen zu „Toten“ von Gott erlaubt ist, ja, dass diese Praxis biblisch ist, und die Protestanten von der Bibel abweichen, wenn sie das Gegenteil behaupten!

Natürlich werden jetzt manche Protestanten einwenden, dass die Christen zur Zeit der Apostel anders gehandelt hätten, weil im Neuen Testament nichts derartiges berichtet würde. Dazu ist zu erwidern: Im Neuen Testament wird auch nicht berichtet, dass Maria geboren worden wäre. Bedeutet das jetzt, dass Maria nicht geboren wurde und wie der Priester Melchisedech ohne Vater und Mutter ist? Wir sehen, dass diese protestantische Bibelauslegungsmethode nicht funktioniert! Richtig wäre daher zu sagen, dass das Neue Testament weder darüber berichtet, dass die Christen – wie David und Daniels Freunde – zu sog. „Toten“ gesprochen haben, noch, dass sie das nicht getan hätten, dass sie diesen Sachverhalt offen lässt.

Doch selbst wenn die Protestanten recht hätten, so spielte das in der Sache keine Rolle, weil die Heilige Schrift mit 2 Sam 1,26, 2 Sam 3,34 und Dan 3,86 belegt, dass das Sprechen zu sog. „Toten“ von Gott erlaubt ist! Und darum geht es! Im Galaterbrief wird uns Christen die Freiheit der Kinder Gottes in Christus Jesus verkündet! Sollten der Prophet David und Daniels Freunde nun mehr Freiheit in Gott besessen haben, als wir Christen? Wohl kaum! Sie hatten aufgrund des Heiligen Geistes dieselbe Freiheit, die auch wir aufgrund des Heiligen Geistes haben! In dieser Freiheit des Heiligen Geistes nehmen wir uns, wie sie, dasselbe Recht, und sprechen somit, wie sie es getan haben, zu sog. „Toten“, zu den Lebendigen im Himmel!

Dass aber die ersten Christen tatsächlich zu sog. „Toten“, zu den Lebendigen im Himmel, gesprochen haben, belegt Jak 5,10-11:

„Nehmt, Brüder, als Vorbild der Geduld und Beharrlichkeit die Propheten, die im Namen des Herrn geredet haben. Seht, wir preisen sie selig, die ausgeharrt haben.“

Hier wird also bezeugt, dass die erste Generation der Christen die Heiligen im Himmel gepriesen hat. Sie sagten also nicht einfach zum Schein: “Wir preisen sie glückselig!”, ohne es dann aber getan zu haben. Denn diese Aussage – “Wir preisen sie glückselig!” – wäre ja dann nur ein Bekunden eines Aktes gewesen, der aber tatsächlich nicht praktiziert worden wäre, es wäre eine Lüge! Wenn also Jakobus den Akt bekundet, so wurde der Akt auch wirklich vollzogen. Denn was wäre das wohl für ein Preisen Gottes, wenn wir bloß sagten: “Wir preisen Gott!”?, und tun das nicht! Was wäre das also für ein Seligpreisen der Heiligen gewesen, wenn die ersten Christen nach dieser Art gesagt hätten: “Wir preisen die Gerechten glückselig!”? Das eine ist weder ein Preisen Gottes, noch das andere ein Seligpreisen seiner Heiligen! Das Preisen Gottes und seiner Heiligen geschieht also nur in direkter Anrede, da es keine andere Weise des Preisens gibt, als mit direkter Anrede:

„Ich preise Dich Gott, Herr des Himmels und der Erde!“

„Ich preise Euch selig, ihr Heiligen Gottes, Ihr seine Diener!“

Alles andere ist, wie aufgezeigt, nur ein Bekunden dieses Aktes, den man tut. Aus diesem Grund handelt es sich bei der Stelle Mt 5,3-10, die man dagegen vorträgt, um keine Seligpreisungen, sondern nur um eine Offenbarmachung, wer selig ist und wer nicht:

„Selig die Armen im Geiste … Selig die Trauernden … Selig, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit … Selig die Barmherzigen … Selig, die lauteren Herzens sind …. Selig die Friedfertigen … Selig, die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen ….“

So sehen wir, dass das Anrufen der Heiligen Gottes in der Christenheit von Anfang an praktiziert wurde. Die zweite Generation der Christen übernahm diese christliche Praxis von der ersten Generation der Christen, die dritte von der zweiten, die vierte von der dritten usw. bis heute. Deshalb ist diese Praxis in allen alten Kirchen vorhanden – in der katholischen Kirche und in den Ostkirchen. Erst der später aufgekommene Protestantismus geht aus der Reihe und lehnt diese biblische und christliche Praxis ab.

Beten die Heiligen nicht für uns?

Dass die Bewohner des Himmels nicht für uns beten würden, ist nur eine protestantische Idee, mehr nicht. Sie ist nicht biblisch. Sie hat daher keine Relevanz. Mit dieser Idee verfolgt man im Protestantismus das Ziel, unsere an Maria, Engel und Heilige gerichteten Bitten, sie mögen für uns beten, ad absurdum zu führen, was aber nicht funktioniert, eben weil eine bloße menschliche Idee für einen Christen keine Relevanz hat. Schauen wir nun in die Heilige Schrift. In der Septuaginta, der Bibel Jesu, seiner Mutter und seiner Apostel, lesen wir:

„… und erfreute noch dazu alle, indem er einen ganz glaubwürdigen Traum, eine Erscheinung, erzählte. Das Traumgesicht aber sah so aus: Der ehemalige Hohepriester Onias, ein edler und trefflicher Mann, bescheiden im Umgang, von gütigem Wesen, würdevoll in seinen Reden und von Jugend an auf jeder Tugend beflissen, betete mit ausgestreckten Händen für die gesamte Gemeinde der Juden. Danach sei in der gleichen Haltung ein anderer Mann erschienen mit grauem Haar und ehrwürtigem Aussehen, von wundersamer, ganz prächtiger Hoheit umstrahlt. Onias habe das Wort ergriffen und erklärt: ‘Dies ist der Freund der Brüder, der fleißig für das Volk und die Heilige Stadt betet, Jeremias, der Prophet Gottes!’“ (2 Makk 15,11-14)

Diese beiden Heiligen, der Hohepriester Onias und der Prophet Jeremias, beteten also für das jüdische Volk und für Jerusalem, die Heilige Stadt, was zeigt, dass die Heiligen für die Kirche und uns, ihre Glieder, beten. Beachten wir auch, was in der Johannesoffenbarung steht. In Offb. 5,8 lesen wir:

“Und als es das Buch entgegennahm, fielen die vier Wesen und die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem Lamme; jeder trug eine Harfe und goldene Schalen voll Rauchwerk – das sind die Gebete der Heiligen

Daran knüpft Johannes drei Kapitel weiter an, und zwar direkt auf die Szene, in der ihm in Kap. 7 die Heiligen im Himmel gezeigt wurden; es heißt dort:

“Ein anderer Engel kam und trat vor den Altar, eine goldene Rauchschale tragend, und viel Räucherwerk (d.h. viele Gebete) wurde ihm gegeben, dass er es darbringe unter dem Gebet aller Heiligen auf dem goldenen Altar vor dem Throne Gottes. Und der Rauch des Räucherwerkes (die ersteren Gebete) stieg unter den Gebeten der Heiligen aus der Hand des Engels empor zu Gott.” (8,3-4)

Das heißt, es gibt gemäß der Offenbarung zwei verschiedene Sammlungen von Gebeten, zum einen jene der in 8,3 und 4 genannten Heiligen, und zum anderen solche der in 5,8 genannten Heiligen, denn die in 5,8 genannten Heiligen sind mit den in Offb 8,3-4 genannten Heiligen nicht identisch, und zwar, (a) weil dem Engel nach Offb 8,3 wohl jene Gebete gegeben wurden, die nach 5,8 zuvor im Besitz der vierundzwanzig Ältesten waren, und (b) weil die Gebete der anderen in 8,3 und 4 genannten Heiligen beim Engel schon gegenwärtig sind. Bei den in 5,8 genannten Heiligen handelt es sich demnach um die Christen auf der Erde, deren Gebete zu den vierundzwanzig Ältesten gelangen, die diese dann nach 8,3 dem Engel übergeben, und bei den in 8,3 und 4 genannten Heiligen, um jene Heiligen im Himmel, von denen kurz vorher in 7,9-17 die Rede war.

Demzufolge beten nicht nur die Christen auf der Erde, sondern auch die Christen im Himmel. Für wenn aber beten sie dort, wenn nicht für die streitende Kirche auf Erden! Denn für sich selbst brauchen sie ja nicht beten, da sie im Himmel alles haben und es ihnen an nichts mangelt:

“Darum sind sie vor dem Throne Gottes und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel, und der auf dem Throne sitzt, wird über ihnen wohnen. Sie werden nicht mehr hungern und dürsten, und nimmer wird die Sonne auf sie fallen noch irgendeine Glut. Denn das Lamm in der Mitte vor dem Throne wird sie weiden und zu den Wasserquellen des Lebens führen, und Gott wird jede Träne wegwischen von ihren Augen.” (Offb 7,15-17)

Sowohl das zweite Makkabäerbuch als auch die Johannesoffenbarung zeigen uns, dass die Bewohner des Himmels für die Kirche auf Erden beten. Es wäre auch sehr befremdlich, wenn sie das nicht täten; dies zeugte in solchem Fall von mangelnder Liebe. Die streitende Kirche auf Erden ist ihnen nicht gleichgültig. Denn sie sind von der Liebe Christi ganz durchdrungen. In dieser Liebe lieben sie uns und sind daher auf unser Heil und auf unser Wohl bedacht. Deshalb beten sie für uns.

Sind Maria und die Heiligen keine Heiligen?

Es gibt innerhalb des Protestantismus so viele Details, die man gegen die Magd und die Heiligen Gottes vorträgt, dass man auf so viele Details gar nicht eingehen kann, da dies ganze Bücher füllen würde. Denn die menschliche Phantasie ist äußerst reichhaltig! Diese unzähligen Details, die ihren Ursprung in der menschlichen Phantasie haben, haben ihren Grund darin, dass es im Protestantismus keine feststehende einheitliche Lehre gibt, weshalb sich dort jeder selbst belehrt und belehren darf, woraus dann eine ungeheure Spaltung entsteht, die im Widerspruch zu Joh 17,20-23 und Apg 2,42-47 steht. Ein solches Detail begegnet uns im folgenden Kommentar eines freikirchlichen Protestanten:

„Es ist mir unverständlich, wie man an Maria als Heilige glauben kann. Wer doch nur ein ganz klein wenig die Bibel kennt, der weiß doch, dass dies wirklich und absolut verboten ist.“

Dieser freikirchlicher Protestant meint also, dass Maria und somit auch die Heiligen keine Heiligen wären, weil dies nicht biblisch sei. Offenbar denkt er an Offb 15,4, wo über Gott gesagt wird:

„Wer sollte dich nicht fürchten, Herr? Wer deinen Namen nicht preisen? Denn du allein bist heilig ….”

Doch, was dieser Protestant unterlässt, ist, die übrigen neutestamentlichen Stellen zu beachten, in denen auch die Christen als „Heilige“ bezeichnet werden:

„An alle von Gott geliebten, berufenen Heiligen in Rom: Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.“ (Röm 1,7)

„Denn der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr.“ (1 Kor 3,17)

„Paulus, durch den Willen Gottes Apostel Christi Jesu, und der Bruder Timotheus an die Gemeinde Gottes in Korinth samt allen Heiligen in ganz Achaia.“ (2 Kor 1,1)

„Paulus, durch den Willen Gottes Apostel Christi Jesu, an die Heiligen zu Ephesus und die Gläubigen in Christus Jesus.“ (Eph 1,1)

„Aber jede Art Unzucht oder Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal genannt werden, wie es sich für Heilige ziemt.“ (Eph 5,3)

„Paulus und Timotheus, Knechte Christi Jesu, an alle Heiligen in Christus Jesus zu Philippi samt ihren Bischöfen und Diakonen.“ (Phil 1,1)

„Denn wir hörten von eurem Glauben an Christus Jesus und von eurer Liebe, die ihr zu allen Heiligen hegt“ (Kol 1,4)

„Als Auserwählte Gottes, als Heilige und Geliebte zieht also an herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Sanftmut und Langmut.“ (Kol 3,12)

„… daß ihr untadelig in Heiligkeit vor unserem Gott und Vater dasteht bei der Ankunft unseres Herrn Jesus mit allen seinen Heiligen! Amen.“ (1 Thess 3,13) 

„… wenn er an jenem Tag kommt, um verherrlicht zu werden in seinen Heiligen“ (2 Thess 1,10)

Wir sehen also, dass nicht nur Gott heilig ist, sondern auch die Seinen. Sie werden vom hl. Apostel Paulus in seinen neutestamentlichen Briefen „Heilige“ genannt. Eine Heilige ist somit auch Maria, die Mutter des Herrn, weil sie Gottes Magd und Christin ist, weshalb wir sie nach Apg 1,14 inmitten der christlichen Gemeinde von Jerusalem sehen, die zudem mit dem Apostel Johannes zusammenlebte (Joh 19,27). Und somit sind auch diejenigen Heilige, die wir Katholiken als Heilige verehren, weil auch sie Christen sind.

Doch es gibt einen Unterschied zwischen Heiligen und Heiligen. Denn so, wie die Heilige Schrift zwischen unvollendeten und vollendeten Heiligen unterscheidet, so unterscheidet auch die Katholische Kirche zwischen unvollendeten und vollendeten Heiligen, schließlich ist das Neue Testament von Katholiken geschrieben worden. In 2 Kor 7,1 schreibt der hl. Paulus:

“Da wir nun diese Verheißungen haben, Geliebte, wollen wir uns von aller Befleckung des Fleisches und auch des Geistes reinigen und unsere Heiligkeit in der Furcht Gottes vollenden.” (2 Kor. 7,1)

Wir unvollendeten Heiligen müssen unsere Heiligkeit also vollenden! Und die, die sie in ihrem Leben vollendet haben, sind dann die vollendeten Heiligen, welche wir gläubigen Katholiken verehren. In Hebr 12,24 werden sie daher als „vollendete Gerechte“ bezeichnet:

„Ihr seid vielmehr hingetreten … zu den Geistern der vollendeten Gerechten …“

Und diese preisen wir nach Jak 5,10-11 ob ihrer Vollendung:

„… Seht, wir preisen sie selig, die ausgeharrt haben …“

Wenn wir gläubigen Katholiken von Heiligen sprechen, dann haben wir die vollendeten Heiligen im Sinn, da sie im Gegensatz zu uns Heilige in vollem Sinn, im wahrsten Sinne des Wortes, sind.

Wir sehen also anhand der Heiligen Schrift, dass es keineswegs verboten ist, an Maria und die vollendeten Gerechten als Heilige zu glauben, weil sie es gemäß der Heiligen Schrift ganz einfach sind.

Die Stellung Jesu Christi im Glauben der katholischen Kirche

Innerhalb des Protestantismus sind viele der Ansicht, dass wir gläubigen Katholiken Jesus Christus verdrängen und an seine Stelle seine Mutter Maria und die Heiligen setzen würden. Diese verzerrte Wahrnehmung hat ihre Ursache darin, dass diese Protestanten sich nur auf unsere Marien- und Heiligenverehrung fixieren und zentral diese im Blick haben und dann meinen, dass wir das auch tun und so den Herrn verdrängen würden. Das stellen sie sich zwar in ihrer verzerrten Wahrnehmung so vor, ist in der Realität jedoch anders.

Im Zentrum unseres katholischen Glaubens und unserer Glaubensverkündigung und Glaubenspraxis steht immer Jesus Christus, unser Gott, Herr und Erlöser. Deshalb ist Gott/Christus der Erste, dem wir uns morgens nach dem Aufstehen zuwenden, und danach erst seiner Mutter und seinen Engeln und Heiligen. Diese Reihenfolge, die die Rangordnung anzeigt, wahren wir den ganzen Tag hindurch. Und dies spiegelt sich dem entsprechend auch in allen unseren Litaneien wider, auch in den Marien-, Engel- und Heiligenlitaneien – Beispiele:

Lauretantische Litanei

Herr, erbarme dich. (Gott Vater)
Christus, erbarme dich.
Herr, erbarme dich. (Gott Heiliger Geist)
Christus, höre uns.
Christus, erhöre uns.

Gott Vater im Himmel – erbarme dich unser.

Gott Sohn, Erlöser der Welt
Gott Heiliger Geist
Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott

Heilige Maria – bitte für uns.
Heilige Mutter Gottes
Heilige Jungfrau der Jungfrauen

usw.

Litanei vom hl. Josef

Herr, erbarme Dich unser
Christus, erbarme Dich unser
Herr, erbarme Dich unser
Christus höre uns
Christus erhöre uns

Gott Vater im Himmel – erbarme Dich unser.
Gott Sohn, Erlöser der Welt
Gott Heiliger Geist
Heiligste Dreifaltigkeit, ein Einiger Gott

Heilige Maria – bitte für uns.
Heiliger Josef
Du erhabener Spross Davids
Du Leuchte unter den Patriarchen
Du Bräutigam der Muttergottes
Du keuscher Beschützer der Jungfrau

usw.

Litanei zu den heiligen Engeln

Herr, erbarme Dich unser
Christus, erbarme Dich unser
Herr, erbarme Dich unser
Christus höre uns
Christus erhöre uns

Gott Vater Du Schöpfer der Engel – erbarme Dich unser.
Gott Sohn, Du Herr der Engel
Gott Heiliger Geist, Du Leben der Engel
Heiligste Dreifaltigkeit, Du Wonne aller Engel

Heilige Maria – bitte für uns.
Du Königin der Engel

Alle heiligen Chöre der seligen Geister – bittet für uns.
Ihr heiligen Seraphim, Engel der Liebe
Ihr heiligen Cherubim, Engel des Wortes
Ihr heiligen Throne, Engel des Lebens

usw.

Allerheiligenlitanei

Herr, erbarme Dich

Christus, erbarme Dich
Herr, erbarme Dich
Christus höre uns.
Christus erhöre uns.
Gott Vater im Himmel – erbarme Dich unser.
Gott Sohn, Erlöser der Welt
Gott Heiliger Geist
Heilige Dreifaltigkeit, ein Einiger Gott

Heilige Maria, Mutter Gottes – bitte für uns.
Heiliger Michael, heiliger Gabriel und heiliger Raphael
Alle heiligen Engel
Heiliger Abraham
Heiliger Mose
Heiliger Johannes der Täufer
Heiliger Josef
Alle heiligen Patriarchen und Propheten
Heiliger Petrus und heiliger Paulus

usw.

Auch unser Kirchenjahr ist somit vollkommen christuszentriert. Im Zentrum und im Vordergrund des Kirchenjahres stehen Christus und die auf ihn bezogenen Feste. Erst an zweiter Stelle kommen die Marienfeste und -gedenktage. Zuletzt gedenken wir der Engel und Heiligen.

Des Weiteren muss darauf hingewiesen werden, dass unsere Fixierung auf Jesus Christus, den Retter, sich vor allem darin zeigt, dass im Zentrum unserer Glaubenspraxis die Heilige Messe steht, in der nach unserem Glauben das Erlösungs- und Kreuzigungsopfer Christi sakramental gegenwärtig gesetzt und zur unendlichen Anbetung und Danksagung Gott dargebracht wird. Und dieses Opfer, das Erlösungsopfer Christi von Golgotha, ist wiederum das Zentrum der Heiligen Messe.

Es sind in unserer Kirche vom Katholizismus abgefallene, modernistische Bischöfe, Priester und Laien, die von dieser unserer katholischen Gottesdienstpraxis abweichen, und zwar, indem sie das Kreuzesopfer Christi in unserer Heiligen Messe aus dem Zentrum und aus dem Blickfeld der Gläubigen räumen, indem sie, abweichend von der katholischen Lehre und vom katholischen Glauben, das protestantische Abendmahl ins Zentrum rücken. Deshalb bezeichnen sie unseren Gottesdienst nicht als „Opfer“, wie die katholische Kirche es tut, sondern als „Mahl“. Linksliberale Katholiken gehen noch weiter, indem sie fordern, die Heilige Messe ganz aus dem Zentrum unserer Glaubenspraxis zu verbannen. Unlängst beklagte sich eine Maria-2.0-Anhängerin, dass die Eucharistie von den rechtgläubigen Bischöfen und Priestern ins Zentrum gerückt würde. Damit sei sie nicht einverstanden. Die Eucharistie müsse aus dem Zentrum entfernt werden.

Es wird seit Jahrzehnten von den Modernisten und Linksliberalen in unserer Kirche also alles daran gesetzt, Gott und Jesus Christus und dessen Erlösungsopfer aus dem Zentrum unseres Glauben zu entfernen.

Es sind also nicht wir gläubigen Katholiken, die Christus und sein Erlösungsopfer aus dem Zentrum unseres Glaubens verbannen, sondern, es sind die modernistischen und linksliberalen Bischöfe, Priester und Laien, die Ihn und sein Opfer aus dem Zentrum ihres Glaubens verbannen.

Christus, unser Herr und Erlöser, und sein Erlösungsopfer werden für uns gläubige Katholiken immer im Zentrum und im Vordergrund stehen. Daran werden die oben erwähnten Versuche der Modernisten und Linksliberalen, uns davon abzubringen, nichts ändern. Das ändert auch unsere Marien- und Heiligenverehrung und unsere Geschwister- und Nächstenliebe nicht, da wir Maria, die Heiligen, einander und unsere Nächsten immer von Christus her und auf Christus hin lieben und Maria, die Engel und die Heiligen von Ihm her und auf Ihn hin verehren, und nie isoliert von ihm.

Und wie ist das noch mit dem Rosenkranz?

Vielleicht werden jetzt manche Protestanten den Rosenkranz zu Felde führen, um zu beweisen, dass zumindest nicht immer Gott bzw. Jesus Christus in unserem katholischen Glauben im Zentrum steht, da wir uns im Rosenkranz Maria zuwenden, und nicht Gott. Das ist falsch:

1.) Wir wenden uns im Rosenkranz nicht nur Maria zu, sondern auch Gott.

2.) Bevor wir uns beim Rosenkranz Maria zuwenden, wenden wir uns Gott und dem Kreuzesopfer Christi zu, weil Gott, Christus und sein Erlösungsopfer selbstverständlich vorgehen. Zuerst machen wir das Kreuzzeichen und beten dabei „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Mit dem Kreuzzeichen bekennen wir uns zu Christus und seinem Erlösungsopfer und mit den dabei gesprochenen Worten zum Dreifaltigen Gott. Alsdann folgt unser Glaubensbekenntnis, in dem Christus im Zentrum und im Vordergrund steht, während Maria als dessen Mutter im Zusammenhang mit seiner Empfängnis und Geburt erwähnt wird. Nach dem Glaubensbekenntnis ehren wir den Dreifaltigen Gott mit dem „Ehre sei dem Vater …“. Alsdann kommt das erste Vater Unser, in dem wir uns dem himmlischen Vater zuwenden. Erst danach wenden wir uns mit den ersten drei Ave Maria an die Mutter des Herrn. Zuerst kommt bei uns also Gott, und dann Maria, seine Magd.

3.) Alsdann beginnen die fünf sog. „Gesätze“. Jedes Gesätz besteht aus einem Vater Unser, zehn Ave Maria und einem Ehre sei dem Vater. Dadurch, dass wir jedes Gesätz mit einem Vater Unser beginnen, bezeugen wir wiederum, dass Gott seiner Magd Maria vorgeht. Das ist selbstverständlich! Mit dem Ehre sei dem Vater nach den zehn Ave Maria bezeugen wir automatisch, dass Gott, dem allein die göttliche Ehre zusteht, über Maria, seiner Magd, steht, was für uns gläubige Katholiken auch selbstverständlich ist.

4.) Wenn wir beim Rosenkranz nun mehr Ave Maria beten, als das Vater Unser, so bedeutet das nicht, dass wir Maria Gott vorziehen. Denn bei den 53 Ave Maria im Rosenkranz geht es uns gläubigen Katholiken nicht in erster Linie um Maria, sondern um unsere von Gott gewollte Heiligung und um Christus und sein Evangelium; denn im Zentrum der ersten drei Ave Maria bitten wir sie, für uns zu beten, dass Jesus in uns den Glauben vermehre, die Hoffnung stärke und die Liebe entzünde. Und in den übrigen 50 Ave Maria geht es ganz zentral um Jesus Christus selbst:

„… Jesus, den Du, o Jungfrau, vom Heiligen Geist empfangen hast“

„… Jesus, den Du, o Jungfrau, zu Elisabeth getragen hast“

„… Jesus, den Du, o Jungfrau, in Betlehem geboren hast“

„… Jesus, den Du, o Jungfrau, im Tempel aufgeopfert hast“

„… Jesus, den Du, o Jungfrau, im Tempel wiedergefunden hast“

„… Jesus, der für uns Blut geschwitzt hat“,

„… Jesus, der für uns gegeißelt worden ist“,

„… Jesus, der für uns mit Dornen gekrönt worden ist“

„… Jesus, der für uns das schwere Kreuz getragen hat“

„… Jesus, der für uns gekreuzigt worden ist“

„… Jesus, der von den Toten auferstanden ist“

„… Jesus, der in den Himmel aufgefahren ist“

„… Jesus, der uns den Heiligen Geist gesandt hat“

„… Jesus, der Dich, o Jungfrau, in den Himmel aufgenommen hat“

„… Jesus, der Dich, o Jungfrau, im Himmel gekrönt hat“

Weil es bei jedem Ave Maria zentral um Jesus Christus geht, werden die oben vorgetragenen „Geheimnisse“ um Ihn betrachtet, während wir Maria im Hinblick darauf nur nebenher begrüßen und ehren und sie um ihr Gebet für uns bitten.

Wir sehen, dass Gott und Jesus Christus auch im Rosenkranz von uns nicht verdrängt werden. Immer bleiben sie bei uns gläubigen Katholiken im Zentrum und im Vordergrund.

Alles schön und gut, doch es gilt Christus allein

Den meisten Protestanten wird unsere Fixierung auf Jesus Christus nicht weit genug gehen, da wir gläubigen Katholiken auch seine Mutter und seine Heiligen im Blick haben. Christus allein müsse im Blickfeld des Christen stehen, nicht auch seine Mutter und seine Heiligen. Um diesen ihren Standpunkt zu beweisen, zitieren sie die folgende Bibelstelle:

„Denn ich hatte mir vorgenommen, nichts anderes unter euch zu wissen als Jesus Christus …“ (1 Kor. 2,2)

Doch genau diese Bibelstelle ist nicht in diesem protestantischen Sinn zu verstehen, nach dem man als Christ Christi Mutter und Heilige aus dem Sinn schaffen müsse, um nur Jesus allein im Sinn und im Blick zu haben; denn 1 Kor 2,2 ist im Kontext des zuvor Geschriebenen zu verstehen, wonach sich die Christen in Korinth voneinander spalteten, indem sich die einen zu Paulus, die anderen zu Apollos, andere zu Petrus und wieder andere zu Christus bekannten, weshalb Paulus schreibt:

„Wurde denn Paulus gekreuzigt für euch? Oder wurdet ihr im Namen des Paulus getauft?“ (1 Kor 1,13)

Ein Teil der Korinther hatte also an die Stelle Jesu Christi Paulus, Apollos und Petrus gesetzt. Nur aus diesem Grund wollte Paulus gemäß 1 Kor 2,2 unter den Korinthern nichts anderes als Jesus Christus wissen! Deshalb trifft diese Stelle nicht auf uns gläubige Katholiken zu, weil wir in diesem Kontext auch nichts anderes wissen, als Jesus Christus, da wir an seine Stelle niemand anderen setzen, weder seine Mutter, noch seine Engel, noch seine Heiligen, auch den Papst nicht.

Diese Stelle sagt also nicht, dass wir die Mutter und die Heiligen Christi aus dem Sinn und aus dem Blickfeld schaffen sollen. Das bestätigt Paulus in 1 Kor 2,21 im Hinblick auf die in Korinth entstandene Spaltung:

„Darum rühme sich niemand der Menschen. Denn alles ist euer, sei es Paulus oder Apollos oder Kephas oder Welt oder Leben oder Tod oder Gegenwärtiges oder Zukünftiges, alles ist euer.“

Paulus sagt hier ausdrücklich, das alles, was Christi ist, auch unser ist, somit auch seine Mutter, seine Engel und seine Heiligen, zu denen auch Paulus, Apollos und Kephas gehören, weshalb wir gläubigen Katholiken nach Hebr 12,22-24 zu ihnen hingetreten sind:

„Ihr seid vielmehr hingetreten … zu ungezählten Engeln … zu Gott … zu den Geistern der vollendeten Gerechten und zu Jesus, dem Mittler des Neuen Bundes …“

Wir stehen also nicht nur in Gemeinschaft mit Christus, sondern auch in Gemeinschaft mit Gott und seinen Engeln und Heiligen, weshalb Paulus über den mystischen Leib Christi, die Kirche, ausdrücklich sagt:

„Das Auge kann nicht zur Hand sagen: ‘Ich brauche dich nicht’, oder wiederum das Haupt zu den Füßen: ‘Ich brauche euch nicht.’“ (1 Kor 12,21)

Wir gläubigen Katholiken brauchen also Maria und die Heiligen als Glieder des mystischen Leibes Christi, wie wir auch einander als Glieder des mystischen Leibes Christi brauchen! Solus Christus im oben bezeichneten protestantischen Sinn gibt es gemäß der Bibel nicht! Das zeigt auch Jak 5,10-11:

„Nehmt, Brüder, als Vorbild der Geduld und Beharrlichkeit die Propheten, die im Namen des Herrn geredet haben. Seht, wir preisen sie selig, die ausgeharrt haben.“

Diese Bibelstelle fordert uns ausdrücklich auf, unseren Sinn und unseren Blick auf die Heiligen, die vollendeten Gerechten, zu richten, und sie als Vorbild zu nehmen und sie seligzupreisen, was wir gläubigen Katholiken allzeit tun. Wie der Hebräerbrief, so kennt also auch der Jakobusbrief kein Solus Christus im oben bezeichneten protestantischen Sinn. Und dieses kennt auch das Lukasevangelium nicht, wo die Mutter des Herrn prophetisch spricht:

„… denn siehe, von nun an werden mich seligpreisen alle Generationen.“ (Lk 1,48)

Was bedeutet das anderes, als dass Christen aller Generationen ihre Blicke auch auf Maria richten und sie seligpreisen; denn die antichristlichen Juden und die Heiden können hier nicht gemeint sein, weil Maria ihre prophetischen Worte nur in Verbindung zu ihrem Kind, Jesus Christus, dem Erlöser, stellt, Jesus Christus, der Erlöser, aber von den antichristlichen Juden und den Heiden abgelehnt wird, weshalb sie Maria auch nicht seligpreisen können und genau das aus diesem Grund auch nicht tun. Diese biblische Prophezeiung erfüllt sich nur in der Katholischen Kirche, in den Ostkirchen und äußerst geringfügig im Protestantismus.

Halten wir also fest:

Die Heilige Schrift sagt, dass niemand an die Stelle Jesu Christi gesetzt werden darf, nicht seine Mutter, nicht seine Engel, nicht seine Heiligen, nicht der Papst, und auch kein anderer Mensch, weshalb wir gläubigen Katholiken gemäß unserer katholischen Lehre das auch nicht tun. Denn Jesus Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben, und sonst niemand. Aber alles, was sein ist, ist auch unser, somit auch seine Mutter, seine Engel und seine Heiligen. Auch zu ihnen sind wir hingetreten, weshalb wir sie seligpreisen.

Wir haben somit nicht nur Jesus Christus in unserem Sinn und im Blickfeld, sondern auch sie. In Christus Jesus und durch Christus Jesus sind wir eine liebende Gemeinschaft. In dieser Gemeinschaft, die in Christus und durch Christus Bestand hat, lehnt keiner den anderen ab. In dieser Gemeinschaft lieben alle einander. Keiner erniedrigt den anderen, keiner vergisst den anderen, keiner schafft den anderen aus dem Sinn, keiner drängt den anderen weg, keiner verliert den anderen aus dem Blickfeld! Das ist die alles miteinander verbindende Liebe Christi, die er durch den Heiligen Geist in die Herzen von uns gläubigen und sich heiligenden Katholiken ausgießt. Diese Liebe ist die göttliche Macht in unseren Herzen, die uns dazu antreibt, Christi Mutter, Engel und Heilige zu lieben und ihnen die Ehre zukommen zu lassen, die ihnen Christus durch uns zukommen lassen will. Nur der Antichrist wird es gemäß Offb 13,6 sein, der Christi Mutter, Engel und Heilige hassen, ablehnen, erniedrigen, lästern und entehren wird. Wir gläubigen Katholiken hingegen werden weiterhin das Gegenteil tun!

Die Freiheit der Kinder Gottes nutzen

Wir haben anhand der Heiligen Schrift aufgezeigt, dass das Sprechen zu Lebendigen in der jenseitigen Welt biblisch und somit erlaubt ist. Das haben nicht nur Heilige des Alten Bundes praktiziert, sondern auch die ersten Christen, als sie die Heiligen im Himmel seliggepriesen haben. Deshalb gibt es keine Bedenken, sich den Heiligen im Himmel im Gebet zuzuwenden. Einige wenige Protestanten praktizieren das teilweise schon, indem sie die Mutter des Herrn im ersten Teil des Ave Maria anrufen. Sie tun das, weil dieser Teil des Ave Maria in der Bibel steht (Lk 1,28.42). Den zweiten Teil, bei dem wir Maria um ihre Fürbitte bitten, lassen sie weg, weil er in der Bibel nicht vorkommt. Auch wenden sich diese äußerst wenigen Protestanten nicht an die Heiligen, weil es in ihrer hebräischen Bibel und im Neuen Testament keine Anrufungen bzw. Gebete zu ihnen gibt. Dasselbe betrifft viele andere Protestanten, die nicht zu Gott, dem Heiligen Geist, beten, weil nirgendwo in der Schrift bezeugt wird, dass irgendjemand zum Heiligen Geist gebetet hätte.

Leider rauben sich diese Protestanten ihre im Neuen Testament verkündete Freiheit der Kinder Gottes selbst, indem sie sich durch den biblischen Buchstaben gefangennehmen. Paulus schreibt:

„Er hat uns auch befähigt zu Dienern des Neuen Bundes, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes; denn der Buchstabe macht tot, der Geist aber lebendig.“ (2 Kor 3,6)

Der Diener des Neuen Bundes hängt nicht am biblischen Buchstaben, sondern ist durch den ihm von Gott, dem Vater, in seinem Sohn Jesus Christus geschenkten Heiligen Geist frei. In dieser Freiheit der Kinder Gottes, die uns Christus am Kreuz erwirkt hat, erlauben wir gläubigen Katholiken uns, nicht nur zum Vater und zu Jesus Christus zu beten, sondern auch zum Heiligen Geist und zu Maria, den Engeln und den Heiligen, mit denen wir in innigster Gemeinschaft stehen in Christus Jesus, dem Herrn. In derselben Freiheit erlauben wir uns als freie Kinder Gottes dem Heiligen Geist, Maria, den Engeln und den Heiligen im Himmel jene Worte zu sagen, die uns auf der Basis des christlichen Glaubens am Herzen liegen, so, wie sich der Prophet David in seiner Freiheit erlaubte, zwei sog. „Toten“ die Worte zu sagen, die ihm am Herzen lagen.

Diese Freiheit, die sich schon David genommen hat, wünsche ich auch Euch, liebe Protestanten!

[1]https://de.wikipedia.org/wiki/Anbetung

[2]https://de.wiktionary.org/wiki/Anbetung

[3]https://de.wikipedia.org/wiki/Verehrung

[4]https://de.wiktionary.org/wiki/verehren

Menü