Ist die Katholische Kirche gegen die Bibel?

Katholiken und Freikirchler sind sich völlig einig darüber, dass die Bibel Gottes Wort ist. Es ist das meistgelesene Buch der Welt. Katholiken und die meisten Freikirchler verwenden das gleiche Neue Testament. Neununddreißig Bücher des Alten Testaments sind identisch. Katholiken und Freikirchler können sich gemeinsam mit Gottes Schriftwort beschäftigen. Es ist gut, dass Freikirchler und Katholiken lebendige und lebhafte Diskussionen über die Auslegung der Heiligen Schrift führen. Das ist die Würze des Lebens. Freikirchler machen das ständig miteinander. Das ist einer der Gründe, warum es bei ihnen so viele Konfessionen gibt, Tausende mit entsprechend vielen widersprüchlichen biblischen Lehren.

Die katholische Kirche schützte und erhielt die Bibel

Die katholische Kirche schützte die Bibel über die Jahrhunderte hinweg, bis die Gutenberg-Druckerpresse erfunden wurde. Jahrhundert für Jahrhundert schrieben die Mönche in den Klöstern die Schrift getreu ab. Sie waren unglaublich genau. Sie haben diese Arbeit mit viel Liebe gemacht. Wir haben ein modernes Zeugnis dafür, wie genau die Mönche bei der Abschrift der Bibel waren. Die „Schriftrollen vom Toten Meer“ wurden 1947 entdeckt und stammen aus dem Jahr 200 v. Chr. Sie enthalten Bücher des Alten Testaments wie Jesaja. Sie sind um 1500 Jahre älter als einige der Mönchskopien. Doch die von Mönchen handschriftlich erstellten Bibeln sind fast identisch mit den Schriftrollen vom Toten Meer. Dies ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass die Mönche mit Kopien von Kopien arbeiteten. Jeder Mönch brauchte mehrere Jahre, um eine Bibel abzuschreiben, und Tausende von gläubigen Katholiken widmeten ihr Leben dieser wichtigen Arbeit. Die Katholiken haben die Bibel über die Jahrhunderte hinweg durch Kriege, Hungersnöte, Seuchen, Brände und Bedrohungen von allen Seiten geschützt. Das war lange bevor es irgendeine protestantische Konfession gab.

Die Bibel ist nicht einfach vom Himmel gefallen, spiralgebunden und mit einem Aufdruck drauf. Die katholische Kirche wählte auf der Synode von Rom (382 n.Chr.) aus, welche Bücher in die Bibel aufgenommen werden sollten, und bestätigte dies auch in Hippo und Karthago. Hier sind die Worte von Professor Peter Flint, dem nichtkatholischen Gelehrten, der die einzige englische Version der Schriftrollen vom Toten Meer übersetzt hat, die den ersten Preis der Washingtoner Vereinigung für biblische Archäologie gewonnen hat:

„Ohne die katholische Kirche hätte man keine Bibel, nur einen Haufen Bücher und Briefe. Mit der Kirche hast du die Bibel!“

Und das Nummerierungssystem der Bibel wurde nicht von den Schreibern vorgegeben. Kardinal Stephen Langton schuf 1205 die heute verwendete Kapitelunterteilung.

Selbst das Wort „Bibel“ ist ein katholisches Wort. Überraschenderweise steht das Wort „Bibel“ nicht in der Bibel. Es bedeutet „Bücher“ vom griechischen Wort βυβλος (byblos).

Wir Katholiken lieben die Bibel. Sie ist UNSER Buch; sie ist DAS Buch der Katholischen Kirche, das die Protestanten übernommen haben, allerdings unvollständig. Luther beabsichtigte sogar noch die Bücher Jakobus, Hebräer, Judas und Offenbarung aus der Bibel zu entfernen, hielt sich aber dann doch damit zurück.

Hat die Katholische Kirche die Bibel nicht eine zeitlang verboten?

Nein! Das ist eine der zahllosen Erfindungen protestantischer Lehrer und Prediger, mit denen sie ihre Gläubigen, die ihnen blind folgen, belügen, um die Katholische Kirche schlecht zu machen, mit dem Ziel, dass ihre Schäflein sie als keine Option mehr betrachten. Der Vater der Lüge aber ist der Teufel, sagt Jesus! Die Bibel wurde nämlich zu allen Zeiten der Kirche in der Heiligen Messe vor allen Gläubigen gelesen. Sie war nie verboten, auch für den privaten Gebrauch nicht. Verboten waren nur protestantische Bibeln, und zwar aus zwei Gründen:

  1. Weil die Bibel der Protestanten von Beginn an unvollständig war, z.B. ohne die zwei Makkabäerbücher.
  2. Weil diese unvollständige Bibel von ihren protestantischen Übersetzern an vielen Stellen protestantisiert war (und noch immer ist)!

Umgekehrt haben die protestantischen Herrscher in ihren Gebieten, in denen sie die Macht hatten, verboten, die katholische Bibel zu lesen.

Die Bibel an sich war weder von der Katholischen Kirche, noch von den protestantischen Herrschern verboten. Von beiden Seiten wurden nur bestimmte Übersetzungen verboten.

Was lehrt die katholische Kirche über den Zugang zur Bibel und das Lesen?

In den Abschnitten 131-133 des Katechismus der Katholischen Kirche lesen wir dies:

Daher „sollte der Zugang zur Heiligen Schrift den christlichen Gläubigen weit offen stehen“…. Daher sollte das Studium der Heiligen Schrift die eigentliche Seele der heiligen Theologie sein… Die Kirche „ermahnt alle christlichen Gläubigen eindringlich und ausdrücklich, … durch häufiges Lesen der göttlichen Schriften die überragende Erkenntnis Jesu Christi zu erlangen. Die Unkenntnis der Heiligen Schrift ist die Unkenntnis Christi.

Wir glauben nicht, dass es noch deutlicher sein könnte. Die Kirche sagt den Katholiken: „Lest die Bibel“. Sie haben vielleicht gehört, dass Katholiken in früheren Jahrhunderten nicht in der Bibel lesen durften. Das ist ein sehr kompliziertes Thema, das viele freikirchliche Lehrer und Prediger zu einem Slogan gegen Katholiken gemacht haben. In der Zeit, als die einfachen Leute noch Analphabeten waren, waren sie auf Geistliche angewiesen, die lesen konnten, sowie auf die biblischen Geschichten, die auf Glasfenstern, Bildern und Statuen dargestellt waren. Eine andere Möglichkeit, die Bibel kennenzulernen, hatten sie aufgrund ihres Anaplphabetismus leider nicht! Diejenigen wenigen Katholiken, die lesen konnten, haben sie gelesen, zu allen Zeiten.

Die katholische Messe ist ganz auf die Bibel ausgerichtet

Der Prozessionsmarsch jeder Messe wird von einer Person angeführt, die das Kreuz hält, und dann von einer Person, die die Bibel hoch in die Luft hält. Was viele Freikirchler nicht wissen, ist, dass jede katholische Messe vier biblische Lesungen enthält, und dass die Liturgie direkt aus der Heiligen Schrift stammt (Mt 26,26-28; Mk 14,22; Lk 22,17). Dieser Aufbau der Messe hat sich über tausend Jahren gehalten, ist also schon viel älter als der Protestantismus, der im 16. Jh. seinen Anfang nahm.

Wenn wir den Rat der Kirche befolgen und jeden Tag zur Messe gehen, machen wir eine schöne Reise durch die Bibel. Wenn wir die tägliche Messe besuchen, lernen wir vielleicht nicht die unbiblischen Kapitel- und Versnummern, aber es ist ein wunderbarer Zugang zur Heiligen Schrift. Es ist in etwa so: Als wir Kinder waren, kannten wir nicht alle Straßennummern in unserem Viertel wie der Briefträger; aber wir wussten, wo sich unsere Freunde aufhielten, weil wir jeden Tag mit ihnen zu tun hatten. Wir haben sie kennengelernt. Wenn wir zur Messe gehen, bekommen wir einen fantastischen Zugang zu Gottes Schriftwort. Und so gab es nie eine Zeit in der Katholischen Kirche, in der die Katholiken nie etwas vom biblischen Inhalt gewusst hätten. Sie kannten die Bibel zu jeder Zeit.

Hinzu kommt, dass der Priester in jeder Messe, auch in Stellvertretung für das versammelte Gottesvolk, die Bibel küsst, um auf diese Weise Gottes Wort zu ehren und seine Liebe zu ihm auszudrücken. Ich habe viele Videoaufnahmen von freikirchlichen Gottesdiensten gesehen, und in keiner einzigen hat der jeweilige Prediger die Bibel geküsst. Er nahm sie einfach wie jeden anderen Gebrauchsgegenstand in seine Hände und legte sie genauso wieder zurück. Das ist nicht schön.

Was geschieht in der Heiligen Messe noch hinsichtlich der Heiligen Schrift? Bevor der Priester aus dem jeweiligen Evangelium liest, machen wir anwesenden Gläubigen ein kleines Kreuzzeichen auf unsere Stirn als Bitte an Gott, er möge uns sein gleich gelesenes Evangelium-Wort verstehen lassen und uns durch dieses erleuchten, dann auf unseren Mund als Bekenntnis, dass wir das Evangelium verkünden wollen, und auf unsere Brust als Zeichen, dass Gottes Schriftwort in unseren Herzen bleiben möge, und wir danach leben wollen.

Die Rangordnung in der Messe

Die Heilige Messe steht im Zentrum unserer Glaubenspraxis. Sie ist der höchste Gottesdienst, den wir Katholiken praktizieren. Das Zentrum der Messe ist wiederum Christus und sein gegenwärtig gesetztes ein für allemal vollbrachtes Opfer von Golgotha mit anschließender Kommunion als Frucht dieses Opfers. Den zweiten Platz nimmt bei uns die Heilige Schrift und ihre Lesung und die darauf aufbauende Predigt ein, und den dritten Platz Gesang und Gebet.

Die Bibel privat

Natürlich sollen wir auch privat und/oder in Gruppen die Bibel studieren, und die Kirche weist uns an, dies zu tun. In der Katholischen Kirche gibt es viele Bibelgruppen; und alle gläubigen Katholiken haben eine Bibel zu Hause, die sie lesen; und viele von uns geben ihr daheim einen Ehrenplatz, was dann z.B. so aussieht:

Ob wohl Protestanten ihren Bibeln in ihren Wohnungen und Häusern solche Ehrenplätze geben? Ich war bei einigen zu Besuch, aber dort befand sich ihre Bibel unter ihren übrigen Büchern, oder sie war überhaupt nicht zu sehen. Das ist nicht schön. Protestanten können von uns Katholiken also lernen, dass man so mit der Bibel nicht umgeht, dass man sie von allen anderen Büchern abheben und ihr sichtbar einen Ehrenplatz geben sollte.

Ja, wahrlich, wir Katholiken lieben die Bibel sehr!

Stjepan Vucina, 2009 durchs Bibelstudium katholisch geworden, ist katholischer Apologet. Sein Herzensanliegen ist es, Protestanten anhand der Heiligen Schrift die katholische Position aufzuzeigen. Einige Protestanten in seinem Umfeld konnte er schon durch die Bibel zur Konversion führen.

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