Ist das nacheinander wiederholte Rezitieren eines Gebets Plappern?

Wenn wir Katholiken etwa den heiligen Rosenkranz beten, dann wiederholen wir mehrmals nacheinander das Ave Maria mit seinen Betrachtungen des Lebens und Wirkens Jesu, die im Ave Maria im Zentrum stehen. Das stört einige protestantische Lehrer und Prediger ungemein. Sie unterstellen uns, dass wir es plappern und herunterleiern würden, und beziehen sich dann gerne auf Mt 6,7:

„Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen.“

Doch diese Kritik ist in Bezug auf wiederholendes Gebet zu kurz gedacht! Denn es kann bereits jedes Gebet, ohne dass es wiederholt wird, geplappert und heruntergeleiert werden, auch ein Vaterunser, das Christus vorformulierte und nur 2 Verse später in Mt 6,9 anordnete. Ein vorgefertigtes Gebet muss also nicht mehrmals nacheinander wiederholt werden, damit es geplappert und heruntergeleiert wird, es kann schon geplappert und heruntergeleiert werden, wenn man es nur ein einziges Mal betet.

Die benannte Tatsache zeigt, dass das Problem nicht im Wiederholen eines vorgefertigten Gebets liegt, sondern beim jeweiligen Beter selbst. Hat der Beter keine Lust zum Beten, dann wird er das vorgefertigte Gebet schon beim einmaligen Verrichten plappern und herunterleiern. Hat er hingegen Freude am Beten, dann wird er das jeweilige Gebet auch dann nicht plappern und herunterleiern, wenn er es mehrmals hintereinander betet; stattdessen wird er es bedacht, mit Herz und Seele, mit Liebe und Freude andächtig und betrachtend beten!

Das Wiederholen eines vorgefertigten Gebets ist ohnehin auch sehr gut:

1. Es beruhigt die Seele, bringt sie zur Ruhe, stärkt sie und gibt ihr Kraft.

2. Es stärkt die Psyche, lindert mitunter auch psychische Leiden und kann die Psyche auf Dauer gesund machen, wenn sie krank sein sollte.

3. Es stärkt über die Seele und die Psyche auch den Leib.

4. Durch das mehrmalige Wiederholen christlicher Gebete wird die Seele zunehmend in Gottes Wort, das gerade betend wiederholt wird, versenkt. Das geschieht beim einmaligen Verrichten nicht!

5. Durch das mehrmalige Wiederholen christlicher Gebete wird die Seele immer mehr und mehr mit Gottes heiligem Wort, das soeben betend wiederholt wird, genährt, während dies bei einmaligem Verrichten nicht geschieht!

6. Infolge des mehrmaligen Wiederholens christlicher Gebete wird die Seele von Gott mit mehr Gnade beschenkt, in der sie sich dann mehr oder besser heiligen kann und soll.

Es liegt also überhaupt nichts an der Behauptung besagter Lehrer und Prediger! Diese Leute legen sich selbst Steine in den Weg, um etwas, was gut, richtig und wahr ist, nicht anzunehmen, zu glauben und zu praktizieren – zu ihrem eigenen Nachteil. Sie scheinen wohl einfach keine Lust dazu zu haben, christliche Gebet häufiger zu beten, was vermuten lässt, dass viele von ihnen die Worte (z.B. des Vaterunsers) gar nicht lieben, mögen und gern haben. Denn würden sie die wunderschönen christlichen und Gott verherrlichenden Worte eines Gebets lieben, mögen und gern haben, dann würden sie diese wohl eher sehr gerne mehrmals hintereinander beten, ja, sie hätten ein Verlangen, einen Durst, danach.

Ob gewollt oder ungewollt, so geben diese protestantischen Lehrer und Prediger uns Katholiken gegenüber ein sehr schlechtes Zeugnis über sich selbst und ihren Glauben und ihre Einstellung zu Gott und zu seinem Wort in dem jeweiligen Gebet ab. Für uns wirkt das nicht gerade sehr fromm! Aber in einem haben sie recht: Wenn man das Beten für lästiges „Zeug“ hält, mit dem man so schnell wie möglich fertig sein will, dann hat man tatsächlich die falsche Haltung. In diesem Falle wäre aber die angemessene Lösung an der eigenen Haltung zu arbeiten und nicht das Gebetsleben darunter leiden zu lassen. Und sicherlich gibt es auch viele Katholiken, die tatsächlich keine Lust zum Beten haben und dies nur aus einer Pflicht oder Tradition heraus tun. Dies ist natürlich nicht Sinn der Sache. Dennoch hebt der Missbrauch den Gebrauch nicht auf. Mehr zum Thema vorfertigte Gebete gibt es auch in unserem Artikel: Darf man Gebete beten, die in der Bibel nicht vorkommen?

Eine wichtige Unterscheidung ist aber auch zu bemerken: Natürlich kommt es vor, dass wir gefühlsmäßig nicht in besonderer Verfassung sind, so dass wir ein Gott verherrlichendes Gebet sehr schwerfällig beten, sowohl bei einmaligem Beten, als auch beim mehrmals hintereinander erfolgenden Gebet. Dadurch aber, dass es dann schwerfällig vor sich geht, wird ein Plappern, ein Herunterleiern, unmöglich gemacht, da ein schwerfälliges Beten ein Plappern verhindert! Denn beim Plappern rasselt man ja alles fließend gerade heraus gedankenlos herunter, während das beim schwerfälligen Fluss des Gebets nicht geschieht, eben weil es schwerfällig vonstatten geht und man sich konzentrieren muss!

Hinter jedem Plappern, steckt ein böser Wille, während beim schwerfälligen Beten ein guter Wille dahinter steckt. Denn wer ein Gebet herunterleiert, es plappert, will unbedingt so schnell wie möglich fertig werden, weil er keinen Bock auf das Gebet zu Gott hat! Er will sich lieber mit seinen persönlichen Interessen beschäftigen, statt mit Ihm! Und das ist böser Wille!

Wer aber schwerfällig betet, will nicht so schnell wie möglich fertig werden. Er kämpft im Gebet, um es zu beten. Und er kämpft, um es zu beten, weil er Gott liebt! Er will sich von seinen Gefühlen, die ihn daran hindern wollen, nicht stoppen lassen. Gott ist ihm wichtiger! Dadurch also, dass er das Gebet trotz solcher Gefühle kämpfend vollzieht und vollendet, zeigt er, wie sehr er Gott und daher das Ihn verherrlichende Gebete liebt! Seine Liebe zu Gott siegt über seine verstimmten Gefühle!

Somit ist ein solches schwerfälliges Gebet weit mehr wert, als ein Gebet, das nicht schwerfällig vonstatten geht, während hingegen ein geplappertes Gebet überhaupt keinen Wert hat, weil es gegen Gott positioniert ist!

Was sagt die Bibel zu wiederholendem Gebet?

Manche extremen protestantischen Lehrer und Prediger behaupten des Weiteren sogar, dass das mehrmals nacheinander wiederholte Gebet, das wir katholischen Christen praktizieren, wenn wir Litaneien und den heiligen Rosenkranz beten, unbiblisch sei. Mit dieser Behauptung bezeugen sie jedoch nur, dass sie die Bibel überhaupt nicht kennen bzw. leben. Die ganze Bibel ist voll von wiederholendem Gebet, was allein schon Grund genug sein sollte, der obigen Interpretation von Mt 6,7 zu hinterfragen, nach der wiederholtes Gebet immer Plappern und somit immer verboten sei.

So betete der Herr nach Mt 26,44 sein Gebet, das Er vorformuliert hatte, drei Mal hintereinander, wenngleich mit minütlichen Unterbrechungen! Das entspricht unserem Vater-Unser-Beten beim heiligen Rosenkranz, das wir, wie Christus sein Gebet im Garten Gethsemane, mit Unterbrechungen mehrmals in einer halben Stunde verrichten. Das heißt, wir Katholiken tun es unserem Herrn Jesus Christus gleich! Er ist unser Beispiel und Vorbild.

Und was unser Beten des Ave Maria betrifft, so beten wir es im heiligen Rosenkranz mehrfach 10-mal nacheinander. Dabei orientieren wir uns an den vier Seraphim in Offb 4,8, die ihr vorgefertigtes Gebet „„Heilig, heilig, heilig ist Gott, der Allmächtige, der war und der ist und der kommt.“ unaufhörlich nacheinander wiederholen. Unser nacheinander wiederholtes Beten der Ave Maria im Rosenkranz entspricht also dem biblischen Sachverhalt, während besagte protestantische Lehrer und Prediger sich nicht an der Bibel orientieren.

Auch was unsere Litaneien betrifft, in denen wir gewisse Gebetsworte mehrmals nacheinander wiederholen, orientieren wir Katholiken uns wiederum an der Heiligen Schrift, wenn wir z.B. in unserer Herz-Jesu-Litanei beten:

Herz Jesu, des Sohnes des ewigen Vaters – erbarme Dich unser

Herz Jesu, im Schoße der jungfräulichen Mutter vom Heiligen Geiste gebildet – erbarme Dich unser

Herz Jesu, mit dem göttlichen Worte wesenhaft vereint – erbarme Dich unser

usw.

usw.

usw.

So wird immer weiter und weiter bis zum Schluss „erbarme Dich unser“ wiederholt, ganz gemäß der Litanei Psalm 136:

Danket dem Herrn, denn er ist gut; denn ewig währt seine Huld!

Danket dem Gott der Götter; denn ewig währt seine Huld!

Danket dem Herrn der Herren; denn ewig währt seine Huld!

Er allein wirkte große Wunder; denn ewig währt seine Huld!

Er schuf den Himmel in Weisheit; denn ewig währt seine Huld!

usw.

usw.

usw.

Besagte Lehrer und Prediger haben anscheinend die biblische Vielfalt des Betens vergessen. Sie beten daher so, wie es ihnen gerade beliebt, nach ihrer eigenen Fasson, während wir Katholiken uns hingegen an der Heiligen Schrift orientieren.

Dies ist der Account unserer Redaktion. Hiermit werden Beiträge veröffentlicht, die keinen spezifischen Autor haben oder deren Autoren gerne anonym bleiben möchten.

Einen Kommentar abgeben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.