Ewiges Leben oder nicht-endende Existenz? (Joh 5,24)

„Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, der hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern er ist vom Tod zum Leben hindurchgedrungen.“ (Joh 5,24)

Das ewige Leben bedeutet nicht eine nicht-endende Existenz!

Wenn in der Bibel vom ewigen Leben die Rede ist, dann ist dies mehr eine Qualitäts- als eine Zeitangabe. Denn Joh 17,3 sagt: „Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.“ Ewiges Leben heißt also nicht „ewige Existenz“. Denn auch die Verlorenen werden in der Hölle eine ewige Existenz haben. Sie leben (existieren) in diesem Sinne auch unendlich lange. Zeitlich gesprochen haben sie also auch ein „ewiges Leben“. Wenn die Bibel aber vom „ewigen Leben“ spricht, ist dies immer gleichbedeutend mit dem ewigen Heil, mit dem Leben bei Gott, und steht somit im Kontrast zur ewigen Existenz in der Hölle. Wenn also beide ewigen Existenzformen, die im Himmel und die in der Hölle, ewiglich dauern, so ist klar, dass wir „ewig“ also qualitativ verstehen müssen. Denn sonst wäre es ja unsinnig das ewige Heil mit dieser Terminologie zu belegen, weil dann ja auch das ewige Unheil in der Hölle dem gleichbedeutend wäre.

So sagt auch der obige Vers Joh 5,24 aus, dass wir die Qualität des sogenannten ewigen Lebens haben, wenn wir an Christus glauben. Denn dann erkennen wir Ihn. Es steht darin jedoch nicht geschrieben, dass wir das ewige Leben „ewiglich“ haben. Das genannte „ewig“ ist nämlich ein Adjektiv, was, wie bereits gesagt, die Qualität des Lebens mit Gott anspricht. Das von mir hinzugefügte „ewiglich“ wäre ein Adverb, was benötigt würde, um die zeitliche Dauer dieses ewigen Lebens bei Gott zu beschreiben. Wir müssen hier in biblischen Kategorien denken und nicht nach unserer deutschen sprachlichen Intuition!

Man wird jetzt hier vielleicht einwenden, dass dies von mir sehr künstlich daher philosophiert ist, um mich um den Fakt herum zu winden, dass die Bibel uns eine Heilsgarantie gibt. Doch ich möchte das Gesagte auch gerne biblisch untermauern: In 1Joh 3,15 (interessant, dass dies ebenfalls vom selben Autor Johannes ist) steht nämlich: „Jeder, der seinen Bruder hasst, ist ein Mörder; und ihr wisst, dass kein Mörder ewiges Leben bleibend in sich hat.“ Hier wird das Ganze auch sprachlich so ausgeführt, damit ganz klar wird, was gemeint ist. „Ewiges Leben bleibend (in sich) haben“ impliziert ja, dass man das ewige Leben auch nicht bleibend in sich haben kann. Denn wenn ich morde, bleibt dieses ewige Leben, was auch immer es sein mag, nicht bleibend in mir. Oder kurz: Ein Mörder verliert das ewige Leben!

Hier wird also ganz klar, dass man nicht über das ewige Leben verfügen kann. Es ist damit kein ewiges Leben im zeitlichen Sinne von „ewiglich“ gemeint, denn dies könnte man ja nicht mehr verlieren und um dieses ewigliche Leben zu beschreiben müsste der Heilige Geist auch nicht so redundant mit dem Wörtchen „bleibend“ formulieren. Ewiglich würde als Beschreibung ausreichen, da etwas Ewigliches laut Definition immer dauerhaft bleibend ist.

Das ewige Leben bedeutet eine Existenz in Christus

Aber die Bibel verwendet keine leere und nutzlosen Worte. Also schauen wir einmal, was der Apostel Johannes mit dem „ewigen Leben“ wirklich meint. In 1Joh 5,11 schreibt er: „Und darin besteht das Zeugnis, dass Gott uns ewiges Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohn.“ Hieraus wird klar: Das ewige Leben ist irgendwie an Christus gebunden. In Ihm haben wir das ewige Leben. Wenn ich also im Sohn bleibe, so habe ich das ewiges Leben – sogar dauerhaft, wenn ich dauerhaft in Christo verweile. Wenn nicht, dann nicht! Oder um es nochmals in den Worten des Apostels Johannes zu sagen: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben: wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reichlich Frucht; dagegen ohne mich könnt ihr nichts vollbringen. Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie die Rebe und verdorrt; man sammelt sie dann und wirft sie ins Feuer: da verbrennen sie.“ (Joh 15,5-6) Man kann das Ganze also so zusammenfassen: Wenn ich in Christus bleibe (Ihm glaube und danach lebe), dann behalte ich das ewige Leben. Wenn ich nicht in in bleibe, werde ich letztlich in das Feuer, nämlich die ewige Hölle, geworfen. Ewiges Leben heißt, wie wir oben bereits ebenfalls in Johannes gelesen haben (Joh 17,3), dass wir Christus erkennen. Es ist die ewigliche Existenz in der Erkenntnis Gottes. Die ewigliche Gottesschau, die uns nach dem irdischen Leben erwarten wird, wenn wir in Christus sterben.

Wie stellen wir also sicher, dass wir Christus erkennen. Jesus selbst sagt uns abermals durch den Schreiber Johannes, wie Er sich uns offenbaren will: „An jenem Tag werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch. Wer meine Gebote festhält und sie befolgt, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.“ (Joh 14,20-21) Halten wir also an den Geboten Christi fest und meiden alle jene Sünden, von denen die Bibel direkt oder indirekt aussagt, dass wer diese Dinge tut, kein ewiges Leben bleibend in sich hat!

Dennis Bellarmin Spieß ist ein römisch-katholischer Apologet. Im Jahr 2019 ist er konvertiert. Zuvor war er Calvinist. Er hat 2 Jahre evangelikale Theologie in Deutschland studiert bevor er 2016 ausgewandert ist.

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