Schäden, die durch Luthers SOLAS verursacht werden

Vorwort

In jahrelangen Auseinandersetzungen mit freikirchlichen Protestanten im Internet habe ich den freikirchlichen Protestantismus gut studieren können, auch beim Studium freikirchlicher Internetseiten. Der freikirchliche Protestantismus weist eine Menge Defizite auf, die ihre Ursache in den Solas der lutherischen „Reformation“ haben! Diese Solas sind:

Solus Christus (Christus allein), Sola Gratia (Allein aus Gnade), Sola Fide (Allein aus Glauben) und Sola Scriptura (Allein die Bibel). Reformierte Protestanten kennen zudem noch das Soli Deo Gloria (Allein Gott die Ehre).

Alle diese Solas zerstören die christliche Liebe, wie sie uns im Neuen Testament, insbesondere in der Bergpredigt, gelehrt wird. Vor allem das Sola-Scriptura-Prinzip verhindert zudem das freie Leben des Christen aus dem Heiligen Geist, aus dem Glauben und aus der Liebe. Dies will ich in diesem Artikel in mehreren Aufsätzen aufzeigen, wobei ich mich aber vor allem auf Sola Scriptura fixiere. Und zwar habe ich das Ziel vor den Solas dringend zu warnen, weil sie letztlich das Heil der Seele gefährden! Denn „wenn ich allein Glauben habe …, doch die Liebe nicht habe, so bin ich nichts“ (1Kor 13,2), denn „Gott ist die Liebe“, und „wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm“ (1Joh 4,16), weshalb nicht der Glaube das Größte ist, wie freikirchliche Protestanten häufig vorgeben, sondern die Liebe (1Kor 13,13). Ohne die authentische christliche Liebe im Herzen hat man sein Heil verspielt (vgl. Mt 5,43-48; 7,21-23; 25,41-46).

Deshalb ist diese Schrift nicht als Angriff auf die freikirchlichen Protestanten zu verstehen, sondern als ein Werk der wahren Nächstenliebe, die um das Heil der Seelen besorgt ist. Denn innerhalb des freikirchlichen Protestantismus befinden sich unzählige Seelen, die nicht wissen, was sie sich mit Luthers Solas selbst antun. Diese Schrift gilt in diesem Sinne auch den vielen Katholiken, die schwach im Glauben sind, und sich durch freikirchliche Protestanten leicht zu deren Position verleiten lassen könnten. Andere Katholiken wurden verleitet, indem sie auf Luthers Solas bereits aufgesprungen sind. In den kirchlichen Akten werden sie zwar als Katholiken geführt, sind aber vom Glauben her längst freikirchliche Protestanten geworden. Es ist nur noch die Frage der Zeit, bis sie aus der Kirche, dem Pfeiler und Fundament der Wahrheit (1Tim 3,15), austreten.

Möge der liebe Gott diesen Menschen durch diese Schrift die Augen des Herzens öffnen und von den zerstörerischen Solas wegführen oder vor ihnen bewahren. Denn Gott will, „dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“ (1Tim 2,4).

1. Solus Christus schränkt schnell das Wahrnehmungsvermögen ein

Die große Masse unserer Geschwister im freikirchlichen Protestantismus meint, wir Katholiken würden nicht zu Gott und Jesus Christus beten, weil wir uns Maria und den Engeln und Heiligen zuwenden, so als ob man nicht sowohl ihnen, als auch Gott und Jesus gleichermaßen Worte zukommen lassen könne.

Letzteres haben diese protestantischen Geschwister nicht im Sinn, weil ihre Wahrnehmung durch das Solus-Christus-Prinzip enorm eingeschränkt ist. Denn diese Theorie fixiert das Denken nämlich nur auf Gott und Jesus und lässt alle anderen existierenden Personen aus dem Bewusstsein verschwinden, so als ob es sie nicht gäbe. Und wenn dann ein Katholik seine Worte z.B. der Mutter Jesu zukommen lässt, projiziert ein freikirchlicher Protestant sein eigenes Solus-Christus-Prinzip auf ihn und meint, dieser vertrete umgekehrt das Prinzip Sola Maria, und habe daher statt NUR Jesus NUR seine Mutter im Sinn und im Blick. Dies erklärt, wieso diese zu dem Schluss kommen, dass wir Maria anbeten würden oder dass Maria Christus verdrängen würde, anstatt uns besser zu Christus hinzuführen.

Löst man sich von diesem Allein-Prinzip, dann wird man sehen, dass man sich als biblisch denkender Mensch Jesus nicht ohne Seine Mutter, und Seine Mutter nicht ohne ihn denken kann, da Jesus allein durch Maria in die Welt kam, so, wie es uns die Heilige Schrift berichtet. Ohne Maria kein Jesus! ALLE und ALLES ist von Gott her und auf Gott hin eng miteinander verknüpft und verbunden. Spreche ich Worte zu meiner Cousine oder zur Mutter Jesu, dann denke ich als Christ an Jesus; und spreche ich Worte zu Jesus, dann denke ich an seine Mutter und an meine Cousine, die ich gerettet wissen will. Das mit der Mutter Jesu und meiner Cousine ist jetzt nur ein Beispiel; ich hätte als Beispiel anstelle der Mutter Jesu z.B. den Erzengel Michael oder den hl. Pater Pio und anstelle meiner Cousine z.B. meine Freunde nennen können. Und natürlich denkt man nicht immer an alle gleichzeitig, sondern kann sich auch einmal fokussieren. Aber generell sehen wir uns als große christliche Familie, bei der niemand vernachlässigt wird.

In der Realität gibt es also kein Solus Christus nach dem oben dargelegten Verständnis, sondern von Christus her und auf Christus hin ALLE und ALLES, wie es der hl. Apostel Paulus schreibt:

„Alles ist euer: sei es Paulus oder Apollos oder Kephas, Welt oder Leben oder Tod, Gegenwärtiges oder Zukünftiges: alles gehört euch. Ihr aber gehört Christus und Christus gehört Gott!“ (1Kor 3,21-23)

Deshalb sind wir katholischen Christen nicht nur zu Gott und zu Jesus hingetreten (Solus Deus bzw. Solus Christus), sondern auch zu Seinen Engeln und Heiligen:

„Ihr seid vielmehr hingetreten … zu ungezählten Engeln … zu Gott … zu den Geistern der vollendeten Gerechten und zu Jesus …“ (Hebr 12,22-24)

Solus Christus oder Solus Deus in besagter Auffassung ist also eine protestantische Irrlehre, die die Wahrnehmung einschränkt. Dass wir unsere Errettung (wie auch alles andere in der Schöpfung) Gott verdanken, versteht sich von selbst. Deswegen aber gleich große Teile christlicher Frömmigkeit und Heiligengemeinschaft über Bord zu werfen, wie es viele Protestanten zu tun pflegen, ist das ungesunde Resultat der Solus-Christus-Lehre.

2. Das Solus-Christus-Problem anders aufgezeigt

Die meisten freikirchlichen Protestanten vertreten die Ansicht, dass wir Katholiken Gott und Jesus Christus verdrängen und sie durch Maria, die Engel und die Heiligen ersetzen würden. Wir würden uns, da wir uns Maria und den Engeln und Heiligen zuwenden, nicht Gott und Jesus zuwenden. Deshalb liest man unter katholischen YouTube-Videos, die zum Beten zu Maria, Engeln und Heiligen anregen oder zum Rosenkranzbeten motivieren, sehr oft:

“Ihr sollt zu Gott beten!” – “Wir sollen zu Jesus beten!” – “Bitte zu Jesus beten!” etc…

Sobald wir Katholiken also vom Gebet zu Maria und zu den Engeln und Heiligen sprechen, meinen diese Protestanten, wir würden nicht zu Gott und zu Jesus beten. Diese irreale Wahrnehmung hat ihre Ursache darin, dass sie aufgrund ihrer Solus-Christus- oder Solus-Deus-Irrlehre, wie im ersten Text dargelegt, eine eingeschränkte Wahrnehmung haben und sich aufgrund dieser eingeschränkten Wahrnehmung in Bezug auf uns nur auf unser Beten zu Maria und zu den Engeln und Heiligen fixieren und zentral diese im Blick haben, und dann meinen, dass wir das mit diesem eingeschränkten Fokus auch so tun würden. Diese Protestanten projizieren hier aufgrund ihres Solus-Christus-Prinzips also etwas auf uns, was sie sich aufgrund dieses Prinzips selbst einbilden, und was sie dann bei uns Katholiken für Realität halten. Das ist nun dasselbe, wie wenn man meinen würde, wir Katholiken würden uns Gott und Jesus nicht zuwenden, weil wir uns täglich unseren Angehörigen, Arbeitskollegen, Freunden, Bekannten und Brüdern und Schwestern zuwenden. Schauen wir uns daher die Wirklichkeit an, die fern von diesem Allein-Prinzip ist:

Tagtäglich wenden wir Katholiken uns nach dem Aufstehen und vor dem Schlafengehen Gott und Jesus Christus zu, und anschließend Seiner Mutter, dann Seinen Engeln und zuletzt Seinen Heiligen. Diese Reihenfolge wahren wir auch zwischen unserem Morgen- und Abendgebet, den ganzen Tag hindurch, wobei unsere Angehörigen, Arbeitskollegen, Freunde, Bekannte und Brüder und Schwestern dazu kommen. Unser ganzes Denken und Sein ist auf Gott und Jesus Christus fixiert; wir haben unaufhörlich zentral und vordergründig NUR Gott und Jesus Christus im Sinn, wobei wir aber niemand anderen ausschließen und außer acht lassen, weder unsere Angehören, Arbeitskollegen, Freunde und Bekannte und unsere Brüder und Schwestern, noch die Seelen im Fegefeuer, die Heiligen, Engel und Maria, weil wir kein SOLUS CHRISTUS oder SOLUS DEUS kennen. Wir haben für ALLE etwas übrig! Wir haben für ALLE Zeit! Denn es gibt weder ein Solus Deus, noch ein Solus Christus. Das ist eine Irrlehre, weshalb wir in Hebr 12,22-24 lesen, dass wir nicht nur zu Gott und Jesus Christus hingetreten sind, sondern auch zu den Engeln und Heiligen: “Ihr seid vielmehr hingetreten … zu ungezählten Engeln … zu Gott … zu den Geistern der vollendeten Gerechten und zu Jesus …” “Denn“, so heißt es ergänzend in 1Kor 3,21, „ALLES ist euer, sei es Paulus oder Apollos oder Kephas oder Welt oder Leben oder Tod oder Gegenwärtiges oder Zukünftiges, ALLES ist euer; ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes”.

Und dieses ALLES haben wir katholischen Christen gemäß diesen Zeilen allzeit im Sinn und im Blick, vordergründig und zentral aber Gott und Jesus Christus. Und von Gott und Jesus Christus ausgehend, beachten und betrachten wir alle anderen und alles andere. Das ist eine gesunde und realistische Einstellung. Denn wo kämen wir hin, wenn wir, wie die besagten Freikirchler, nur Gott oder nur Jesus Christus im Sinn und im Blick hätten und nicht auch unsere Angehörigen, Arbeitskollegen, Freunde, Bekannte, Brüder und Schwestern, andere Menschen, die Armen Seelen, die Heiligen, die Engel und die Mutter Jesu? Wir wenden uns ALLEN zu. Dafür haben wir den ganzen Tag Zeit, so dass wir täglich unseren Arbeitskollegen, Angehörigen, Freunden, Bekannten, Brüdern und Schwestern, anderen Menschen, den Heiligen, den Engeln und der Mutter Jesu und dem dreifaltigen Gott etwas sagen können, und Ihm zuallererst!

Wenn also ein Katholik sich täglich eine Stunde lang seinen Kindern widmet und mit ihnen spielt, sich in der Arbeitspause eine halbe Stunde lang mit Arbeitskollegen unterhält, eine halbe Stunde bis zwei Stunden mit einem Freund telefoniert, zehn Minuten zu Heiligen betet, auf den Tag verteilt eine Stunde lang zu Maria im Rosenkranz betet und eine halbe Stunde lang mit Glaubensgeschwistern chattet, so bedeutet das wegen des SOLUS CHRISTUS nicht, dass er nicht zu Gott und zu Jesus Christus betet.

Das protestantische Solus Christus oder Solus Deus führt jeden, der diese lutherische Theorie in besagter Auffassung annimmt und verinnerlicht, von der Realität weg, in der wir Katholiken nicht nur zu Maria und den Engeln und Heiligen beten, sondern auch und vor allem zu Gott und Jesus Christus. Infolge von SOLUS CHRISTUS werden uns Katholiken also Dinge unterstellt, von denen wir nicht einmal alpträumen würden!

3. Solus Christus bzw. Solus Deus blockiert und zerstört mitunter die christliche Liebe

Das entscheidende Problem der Solus-Christus- oder Solus-Deus-Theorie ist, dass sie die christliche Liebe blockiert und zerstört. Dies möchte ich anhand zweier Punkte aufzeigen:

1. Fast alle freikirchlichen Protestanten sagen, man dürfe keinen Blick an Maria, die Engel und die Heiligen verlieren, sondern nur an Christus, an Gott. So verhindert Solus Deus / Solus Christus die Liebe zur Mutter Jesu und zu Seinen Engeln und Heiligen. Die Liebe, die so gerne auch ihnen ihren liebenden Blick zuwenden würde. Aber Solus Christus / Solus Deus verbietet es ihr und blockiert sie, was zur Folge hat, dass die Mutter Jesu und Seine Engel und Heiligen nicht geliebt werden. In den Herzen mancher Freikirchler hat Solus Christus / Solus Deus eine solche extreme Kälte produziert, dass sie Jesu Mutter, Engel und Heilige nicht nur nicht lieben, sondern sie sogar hassen und verachten. Sie versehen sie mit allen möglichen Schimpfworten, vor allem die Mutter Jesu, die sie z.B. als „Götze“, „(größte) Sünderin“, „Hure“, „Dämon“, „Teufel“ etc. beschimpfen. Um den Unterschied zwischen dieser protestantischen Einstellung und unserer katholischen Einstellung noch besser zu verdeutlichen, hier zwei Szenarien:

Szenario 1: Wenn sich ein Mann in eine Frau verliebt, sagt er vielleicht: „Ich liebe dich so sehr. Ich liebe dich so sehr, dass ich meine ganze Zeit mit dir verbringen möchte. Ich will nie mit deiner Mutter sprechen. Ich will nichts mit ihr zu tun haben. Ich will nie deine Familie und deine Freunde sehen. Ich möchte, dass du sie wegschickst, wenn sie auftauchen, ich möchte mein ganzes Leben nur mit dir verbringen und nur dich lieben.

Das ist eine protestantische Auffassung von einer Beziehung zu Jesus, die auf SOLUS CHRISTUS gründet.

Szenario 2: Auf der anderen Seite könnte er sagen: „Ich liebe dich so sehr. Ich liebe dich so sehr, dass ich meine ganze Zeit mit dir verbringen möchte. Deine Mutter ist herzlich eingeladen, uns zu Hause zu besuchen. Ich will auch mit ihr Kontakt haben. Deine Familie ist meine Familie, deine Freunde sind meine Freunde. Die Menschen, die du liebst, werde ich lieben. Wir sind ein Fleisch und ich heiße jeden willkommen, den du willkommen heißt.

Die zweite Auffassung klingt nach einer authentischen Liebe, die, auf das Christentum bezogen, die christliche Liebe widerspiegelt, die niemanden ablehnt, sondern alle annimmt, besonders die, die zu Christus gehören, die von Christus geliebt werden. Denn dieser Auffassung fehlt das Solus-Christus-Prinzip! Das ist der katholische Ansatz für eine Beziehung zu Jesus.

2. Einige Freikirchler gehen sogar so weit, dass sie sagen, man dürfe NUR Christus im Blick und im Sinn haben, und sonst NIEMANDEN! Einer von ihnen schrieb mir während unserer Debatte wortwörtlich, dass er Jesus Christus ALLES gibt; und wenn er ihm ALLES gibt, dann gibt es bei ihm nichts, was er noch jemand anderem geben könnte. So verhindert Solus Christus in dieser extremen Auffassung die Liebe auch zu den Mitmenschen – die Nächstenliebe -, die so gerne auch ihnen ihren liebenden Blick zuwenden würde, z.B. armen obdachlosen Mitmenschen auf der Straße. Aber Solus Christus in dieser extremen Auslegung verbietet es ihr und verhindert sie, lässt Herzen gegenüber Mitmenschen erkalten. Das ist sehr traurig.

So sehen wir, wie die SOLUS-CHRISTUS-THEORIE in besagten Auslegungen, die im Protestantismus durchaus verbreitet sind, der christlichen Liebe massive Steine in den Weg legt und sie blockiert und zerstört. Sie lässt Herzen erkalten und treibt sie sogar zur Lieblosigkeiten, zum Bösen! Sie ist äußerst schädlich und sehr gefährlich, was zeigt, dass sie nicht von Gott ist, weshalb sie sich in der Heiligen Schrift auch nirgendwo findet, auch nicht im ersten Korintherbrief, wenn wir dort lesen:

„Denn ich hatte mir vorgenommen, nichts anderes unter euch zu wissen als Jesus Christus …“ (1Kor 2,2)

Denn diese Bibelstelle ist nicht im besagten protestantischen Solus-Christus-Sinn zu verstehen, wonach man alle und jeden aus dem Sinn verbannt, um nur Jesus allein im Sinn und im Blick zu haben, sondern im Kontext des im Korintherbrief zuvor Geschriebenen, wonach sich die Christen in Korinth voneinander spalteten, indem sich die einen zu Paulus, die anderen zu Apollos und die anderen zu Petrus, statt zu Christus bekannten, weshalb Paulus schreibt:

„Wurde denn Paulus gekreuzigt für euch? Oder wurdet ihr im Namen des Paulus getauft?“ (1Kor 1,13)

Ein Teil der Korinther hatte also an die Stelle Jesu Christi Paulus, Apollos oder Petrus gesetzt. Nur in diesem Kontext wollte Paulus gemäß 1Kor 2,2 unter den Korinthern nichts anderes als Jesus Christus wissen. Diese Stelle sagt also nicht, dass wir den Vater, den Heiligen Geist, Maria, die Engel und Heiligen und sogar unsere Mitmenschen aus dem Sinn und aus dem Blickfeld schaffen sollen. Das bestätigt Paulus in 1Kor 2,21 im Hinblick auf die in Korinth entstandene Spaltung:

„Darum rühme sich niemand der Menschen. Denn alles ist euer, sei es Paulus oder Apollos oder Kephas oder Welt oder Leben oder Tod oder Gegenwärtiges oder Zukünftiges, alles ist euer.“

Paulus sagt hier ausdrücklich, das alles, was Christi ist, auch unser ist, somit auch Seine Mutter, Seine Engel und Seine Heiligen, zu denen auch Paulus, Apollos und Kephas gehören, weshalb wir gläubigen Katholiken nach Hebr 12,22-24 zu ihnen hingetreten sind:

„Ihr seid vielmehr hingetreten … zu ungezählten Engeln … zu Gott … zu den Geistern der vollendeten Gerechten und zu Jesus …“

Wir stehen also nicht NUR in Gemeinschaft mit Christus (Solus Christus), sondern AUCH in Gemeinschaft mit Gott und Seinen Engeln und Heiligen, weshalb Paulus über den mystischen Leib Christi, die Kirche, ausdrücklich sagt:

„Das Auge kann nicht zur Hand sagen: ‚Ich brauche dich nicht‘, oder wiederum das Haupt zu den Füßen: ‚Ich brauche euch nicht.’“ (1Kor 12,21)

Wir Christen brauchen also Maria und die Heiligen als Glieder des mystischen Leibes Christi, wie wir auch einander als Glieder des mystischen Leibes Christi brauchen; denn die eine Hand vermag nicht alles ohne die andere.

4. Sola Fide führt häufig zu Unfrieden mit andersgläubigen Menschen

Der Glaube steht im größten Teil des freikirchlichen Protestantismus über allem, weshalb es, wie zwei freikirchliche Vertreter dieser Position gegenüber einem Heiden sagten, keinen Frieden und keine Harmonie zwischen den Menschen geben könne, obwohl die Heilige Schrift die Christen dazu auffordert:

„Soweit es möglich ist und es auf euch ankommt, lebt mit allen Menschen in Frieden!“ (Röm 12,18)

Doch da in diesem Teil des Protestantismus nicht, wie es nach 1Kor 13,13 sein sollte, die christliche Liebe das Größte ist, sondern der Glaube, wird von den freikirchlichen Geschwistern dieses Teils des Protestantismus kein Frieden mit anderen Menschen eingehalten. Aus diesem Grund greifen diese Protestanten ständig andere Menschen wegen ihres anderen Glaubens an, vor allem uns Katholiken, und stiften wegen des Glaubens Hass, Unruhe, Unfrieden, Zwist, Zwietracht, Streit, Krieg und Konflikte, und zwar auf folgende Weisen:

  1. Wir Katholiken werden auf vielfältige Weise provoziert, oft ganz subtil.
  2. Wir werden nonstop beschimpft und beleidigt, z.B. mit den beleidigenden Bezeichnungen „Götzendiener“, „Totenbeschwörer“, „Bilderküsser“, „Heiden“, „Papstanbeter“, „Pappkeksfresser“, „Hurenkinder“ (Anspielung auf die Hure Babylon) usw.
  3. Wir Katholiken werden jedoch nicht nur direkt beleidigt, sondern auch indirekt, indem alle, die uns lieb sind, beschimpft und beleidigt werden. So z.B. wird Christus in der Eucharistie als „Götze“, „Pappkeks“, „Samenklecks“ usw. beschimpft. Die Mutter unseres Herrn beschimpfen sie als „Götze“, „Tote“, „(größte) Sünderin“, „Hure“ und sogar als „Dämon“ oder „Teufel“, während sie unsere Heiligen als „Tote“, „irgendwelche Toten“ und „Götzen“ und die Engel als „Götzen“ beschimpfen. Dadurch zielen sie ab, uns Katholiken zu provozieren und auf diese Weise Hass, Unfrieden, Streit, Krieg und Konflikte auszulösen, um uns dann vorzuhalten, die Nächstenliebe nicht einzuhalten, und dadurch noch mehr Hass und Zwietracht zu säen.
  4. Es werden uns über unsere Kirche allerlei Lügen vorgehalten, z.B. dass die Katholische Kirche eine Zeitlang die Bibel oder das Lesen der Bibel verboten hätte, was nie geschehen ist. Einige gehen sogar so weit, dass sie Hass- und Anti-Bibel-Schriften verfassen, und diese dann z.B. den Jesuiten und Päpsten zuschreiben, z.B. den sog. „Jesuitenschwur“. In anderen Fällen verbrämen sie katholische Zeichen, z.B. das Petruskreuz oder das Allsehende Auge des Dreifaltigen Gottes, und sagen, dies seien originär okkulte, satanistische oder freimaurerische Zeichen.
  5. Es wird uns vorgehalten, was die Kirche in früheren Zeiten für Verbrechen begangen hätte, und auch der Kindesmissbrauch in unserer Zeit, um uns auch auf diese Weise zu provozieren, Streit und Konflikte mit uns zu suchen, während sie die Verbrechen des Protestantismus in früheren Zeiten und in der heutigen Zeit verschweigen, z.B. die Abschlachtung von knapp 80.000 für ihre Rechte protestierenden Bauern (16. Jh.), oder den Kindesmissbrauch innerhalb des freikirchlichen Protestantismus. Hier werden die Worte Jesu Mt 7,1-5 völlig ausgeblendet.

Berechtigte theologische Differenzen und sachliche Auseinandersetzungen sollten jedoch anders aussehen. Diese Protestanten tun aufgrund von SOLA FIDE, wonach der Glaube, und nicht die Liebe, über allem steht, das Gegenteil von Röm 12,18. Statt Frieden mit uns, ihren selbsternannten Feinden, die wir ihnen als Geschwister friedlich gesinnt sind, zu suchen, suchen sie Unfrieden, Streit, Krieg und Konflikte mit uns, aber auch nicht nur mit uns, sondern auch mit Menschen anderen Glaubens, z.B. mit Muslimen. Somit entpuppt sich SOLA FIDE als eine verheerende Irrlehre, die die Seele durch und durch verdirbt und vergiftet und sie sehr gefährdet.

5. Freikirchliche Geschwister – Oft Gefangene der Bibel

Ist der freikirchliche Glaube authentischer christlicher Glaube? Unsere freikirchlichen Geschwister sagen Ja, wir Katholiken sagen Nein, weil SOLA SCRIPTURA sie gefangen macht! Manche sehen hierin eine Karikatur von Sola Scriptura und bezeichnen den häufig bei Freikirchlern auftretenden Biblizismus als Solo oder Nuda Scriptura. In der Praxis führt dies häufig aber zum selben Ergebnis und auch in der theoretisch-epistemologischen Grundlage liegen Sola und Solo Scriptura näher beieinander, als die Reflektierteren unter Protestanten gerne zugebenen möchten. Der grundsätzliche Unterschied zwischen biblizistischen Freikirchlern und uns Katholiken ist, dass sie aufgrund ihres SOLA SCRIPTURA Gefangene der Bibel und des biblischen Buchstabens sind, und wir Freie im Heiligen Geist. Als Gefangene der Bibel und des biblischen Buchstabens stochern sie ihr Leben lang tagtäglich in der Bibel herum, als würden sie sie nie im Leben kennenlernen, während wir unser Leben lang aus dem Heiligen Geist direkt frei leben dürfen:

Denn gemäß 2Kor 3,6 und Hes 36,27 sind wir gläubigen Katholiken Diener des Neuen Bundes, nicht des Buchstabens, wie es in 2Kor 3,6 heißt, sondern des Geistes: „denn der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig.“ Deshalb stochern wir als freie Kinder Gottes unser Leben lang nicht in der Bibel herum, um, wie einst die Pharisäer, zu wissen, welche Einzelheit man gemäß dem Buchstaben tun darf und soll und welche nicht. Was wir tun dürfen und sollen und was nicht, wissen wir allzeit direkt vom Heiligen Geist in uns; er gibt uns allzeit ein, was gut und schlecht und richtig und falsch ist. Deshalb ist das, was wir in der Bibel lesen, nichts Neues für uns. Wir sind freigemacht worden und dürfen unser Leben lang direkt frei leben. Gelobt sei unser Herr Jesus Christus, der uns diese Freiheit geschenkt hat!

Die Bibel-Gefangenschaft der freikirchlichen Geschwister erkennt man nun daran, dass sie ständig fragen, wo dies und das in der Bibel steht. Sie brauchen den biblischen Buchstaben, weil sie nicht frei und wissend sind.

Hier zeige ich nun auf, woran man sie als Gefangene der Bibel und des biblischen Buchstabens deutlich erkennt:

  1. Viele dieser Gefangenen der Bibel erkennt man daran, dass sie nicht zu Jesus Christus beten, weil es in der Bibel keine Aufforderung dazu gibt, wohingegen uns Freien das Gebet zu Jesus Christus eines der selbstverständlichsten Dinge von der Welt ist. Dafür brauchen wir doch keine aus Buchstaben bestehenden Wörter und Sätze in der Bibel! Das sagt uns doch der Heilige Geist in unseren Herzen.
  2. Viele dieser Gefangenen der Bibel und des biblischen Buchstabens beten nicht zu Gott, dem Heiligen Geist, weil es in der Bibel weder eine Aufforderung dazu gibt, noch bezeugt ist, dass irgendjemand zum Heiligen Geist gebetet hätte. Es ist nicht normal, wegen des fehlenden biblischen Buchstabens nicht zu Gott zu beten!
  3. Viele dieser Gefangenen der Bibel beten als vorgefertigte Gebete nur das Vaterunser und die Psalmen, weil alle anderen vorgefertigten Gebete in der Bibel nicht buchstäblich vorkommen. Denn man dürfe nur die vorgefertigten Gebete beten, die buchstäblich in der Bibel vorkommen. Für uns Freie im Heiligen Geist nicht nachvollziehbar!
  4. Einige dieser Gefangenen der Bibel meinen, der Christ dürfe nur das Vaterunser beten, weil Jesus uns nur dieses Gebet zu beten aufgetragen hat.
  5. Viele dieser Gefangenen der Bibel fragen uns freie Kinder Gottes ständig, wo dieses und jenes Gebet, das wir beten, z.B. das „Ehre sei dem Vater“ oder das „Ave Maria“, buchstäblich in der Bibel steht, so als ob wir freie Kinder Gottes nicht frei sein dürften, um in dieser Freiheit im Heiligen Geist eigene Gebete zu formulieren und zu kreieren.
  6. Viele dieser Gefangenen der Bibel sagen, man dürfe nicht zu Maria und den Heiligen sprechen, weil das nicht in der Bibel stünde, so als ob wir freie Kinder Gottes wegen des Buchstabens nicht zu unseren geliebten himmlischen Familienangehörigen sprechen dürften, zu denen wir nach Hebr 12,23 hingetreten sind.
  7. Viele dieser Gefangenen der Bibel erkennt man auch daran, dass sie ständig fragen, wo steht dieses und jenes Wort, das wir verwenden, in der Bibel, z.B. „Dreieinigkeit“ oder „Fegefeuer“, so als ob wir freie Kinder Gottes unbezeichnete biblische/christliche Wahrheiten nicht benennen dürften!
  8. Viele Gefangene der Bibel meinen, Jesus hätte Seine Mutter nie mit „Mutter“ angeredet, weil das nirgendwo in der Bibel stünde. Um zu wissen, dass jedes Kind seine Mutter mit „Mutter“ oder „Mama“ anredet, dafür braucht man doch keine aus Buchstaben bestehenden Wörter; das weiß man doch so!

Wirklich schade, wie man sich – aufgrund Sola Scriptura – von der Bibel und ihrem Buchstaben so dermaßen gefangen nehmen lassen und sich so der Freiheit der Gotteskindschaft berauben kann! Was für uns im Heiligen Geist frei lebenden Kindern Gottes selbstverständlich ist, ist für die Gefangenen der Bibel und ihres Buchstabens falsch, schlecht und nicht real. Diese dienen dem Buchstaben, wir dem Geist, der in uns ist. Aus diesem Grund verstehen diese Bibel- und Buchstabengläubigen uns Geistgläubige nicht, weshalb sie von uns alles Buchstabe für Buchstabe, Wort für Wort, Satz für Satz und Vers für Vers in der Bibel wissen wollen. Wir Freien im Geist dürfen somit glücklich darüber sein, dass wir katholisch und somit mündig, frei und lebendig sind!

6. Ein Beispiel für die Bibel-Gefangenschaft und die Freiheit im Heiligen Geist

Die katholische Kirche lebt in Kirchenjahren. Das Kirchenjahr ist ein liturgisches Jahr. Es ist Gottes lebendiges Wort. Es ist so konzipiert, dass das gesamte Gottesvolk an den festgelegten Tagen und Zeiten weltweit die Heilige Schrift lebendig macht, indem es der in ihr bezeugten zentralen Geschehen des Heils und allem, was damit direkt und indirekt zusammenhängt, ganz besonders gedenkt, und zwar durch Gottesdienste, die aus Predigten, Gebeten und Andachten bestehen, die dem jeweiligen biblischen Geschehen zugeordnet sind, sowie durch Lesungen entsprechender Schriftstellen.

Viele gläubige Katholiken beten auf diese Festtage und -zeiten hin und zuvor noch entsprechende Andachten, die über mehrere Tage gehen, um sich auf den biblischen, christlichen Inhalt der jeweiligen Tage und Zeiten innerlich, im Herzen, besser vorzubereiten. In diesen Andachten werden Schritt für Schritt bedeutende Details betrachtet, die man sonst nicht oder selten vor Augen hat, z.B. in der folgenden Kurzandacht, die den Karfreitag betrifft:

“Nach der Geißelung bringen die Soldaten Jesus ins Prätorium. Dort flechten sie ihm einen Kranz aus Dornen und setzen ihn auf sein heiligstes Haupt, und legen ihm einen purpurnen Mantel um, während sie ihn mit den Worten: „Heil dir, König der Juden!“ verhöhnen und ihm in sein Antlitz schlagen. Aufgrund der Dornenkrone auf seinem Haupt fließt sein kostbares Blut über sein heiligstes Antlitz herab. Jesus hätte die kostbarste und herrlichste Krone wählen können. Satan bot sie ihm an (Mt 4,8-9). Er zog es vor, aus Liebe zu den Menschen diese Dornenkrone auf sein Haupt drücken zu lassen, um so die Sünden des menschlichen Intellekts und Hochmuts zu sühnen, die sich besonders in unseren Tagen weiträumig entfalten, – zerstörerisch entfalten, vor allem in Theologie, Philosophie, Wissenschaft, Technologie, Politik und Medien.”

Viele freikirchliche Geschwister negieren das. Doch was ist falsch und schlecht daran, in der Freiheit der Gotteskindschaft Tage festzulegen, an denen man die Bibel lebendig macht, indem man den in ihr bezeugten heiligen Ereignissen und ihren heiligen Hintergründen im Hinblick auf das Heil besondere Aufmerksamkeit schenkt durch Gottesdienste, Lesungen und Predigten und sie auf diese Weise feiert und Christus verherrlicht? Das will sich einem Christen, d.h. jemandem, der gemäß 2Kor 3,6 nicht aus dem Buchstaben, sondern aus dem Heiligen Geist lebt, nicht erschließen! Denn ist es nicht unsere Sache, als freie Kinder Gottes aus dem Heiligen Geist heraus zur Ehre Gottes und zum Dank an ihn, Zeiten festzulegen, an denen wir besonders dem gedenken, was er für uns getan hat, und dies dann mit Gottesdiensten zu feiern und so die Heilige Schrift im großen und weltumspannenden Maße lebendig zu machen und auf diese Weise vor der ganzen ungläubigen Welt öffentlich Zeugnis für all das abzulegen? Was wäre das für ein Glaube, der nur das täte, was Buchstabe für Buchstabe in der Bibel steht? Ein solcher Glaube ist ein toter, liebloser, kalter und erbärmlicher Glaube! Dies will ich hier kurz verdeutlichen:

Viele dieser freikirchlichen Geschwister beten nicht zu Gott, dem Heiligen Geist. Warum? Weil es in der Bibel keinen Buchstaben gibt, der dazu auffordern würde, oder der bezeugen würde, dass irgendjemand speziell zu Gott, dem Heiligen Geist, gebetet hätte. Würde es so einen Buchstaben in der Bibel geben, würden sie es tun. Was soll das bitteschön für ein Glaube sein, der es wegen fehlenden biblischen Buchstabens verbietet, zu Gott zu beten und die Heilige Schrift lebendig zu machen? Das hat mit Christentum überhaupt nichts zu tun; hier mal am Beispiel des Auferstehungsfestes Christi verdeutlicht:

Aus ihrem toten, pharisäischen Buchstabenglauben heraus, der einen nicht Gott, den Heiligen Geist, anbeten und die Schrift lebendig machen lässt, und der von Gottes Wort 2Kor 3,6 verworfen wird, negieren die besagten Protestanten auch das Fest der Auferstehung Christi. Weil es keinen biblischen Buchstaben gäbe, der ein Fest der Auferstehung Christi bezeugen würde, sei ein solches Fest schlecht und falsch. Es sei also schlecht und falsch, wenn die Christenheit einmal im Jahr gemeinsam der Auferstehung Christi, ihres Erlösers, besondere Aufmerksamkeit schenkt, ihrer besonders gedenkt, sie gottesdienstlich feiert, so Gottes Schriftwort lebendig macht und auf diese Weise öffentlich Zeugnis ablegt. Über so eine geistig tote, leblose, kalte und lieblose Sichtweise kann man als im Heiligen Geist frei und lebendig lebendes Kind Gottes nur noch den Kopf schütteln!

Mit dem Auferstehungsfest Christi zum Beispiel ist es so, wie im ganz persönlichen Bereich bestimmter Katholiken, die sich als freie Kinder Gottes zu Seiner Ehre und zum Dank an Ihn, ihren Tag liturgisch so gestalten, dass sie morgens der Geburt, um 15 Uhr dem Kreuzestod und abends der Auferstehung Christi besondere Aufmerksamkeit schenken, oder morgens der Auferstehung Christi und abends seiner Geburt, indem sie sie mit besonderen Gebeten und Andachten (= Gottesdiensten) feiern. Hier wird die Auferstehung Christi täglich morgens oder abends in einem kleinen und persönlichen Rahmen gefeiert, während sie ein Mal im Jahr vom gesamten Gottesvolk gemeinsam auf diese Weise gefeiert wird.

Das ist das Schöne am Christentum: Wir im Heiligen Geist freien Christen dürfen anders als die besagten protestantischen Geschwister unser christliches Glaubensleben zur Ehre Gottes frei gestalten. Dank sei unserem Herrn und Gott Jesus Christus, dass er uns diese Freiheit der Kinder Gottes geschenkt hat – weit weg von der pharisäischen Buchstabengefangenschaft, in der man nicht einmal Gott, den Heiligen Geist, anbeten darf.

7. Sola Scriptura führt oft zur Werkegerechtigkeit

In Teilen des Protestantismus ist eine massive Werkegerechtigkeit zu verzeichnen, wie einst bei den Pharisäern. Denn dort tun Viele nichts frei aus dem Glauben, aus dem Herzen und aus einer Selbstverständlichkeit heraus, sondern weil das die Bibel und der biblische Buchstabe auf die eine oder andere Weise sagen:

1. Viele freikirchliche Protestanten beten das Vaterunser nur deshalb, weil es Christus aufgetragen hat, während viele andere von ihnen das Vaterunser nicht beten, weil in der Bibel nirgendwo buchstäblich geschrieben steht, dass irgendein Christ zur Zeit der Apostel das Vaterunser gebetet hätte. Würde das buchstäblich in der Bibel stehen, dann würden sie es beten.

2. Viele von ihnen knien sich beim Gebet nur deshalb hin, weil in der Bibel buchstäblich geschrieben steht, dass die Christen des 1. Jahrhunderts kniend gebetet haben. Würde das in der Bibel nicht geschrieben stehen, würden sie nicht kniend beten. Andere von ihnen knien sich beim Gebet nicht hin, weil es in der Bibel keine buchstäbliche Aufforderung dazu gibt. Würde in der Bibel eine buchstäbliche Aufforderung enthalten sein, dann würden sie sich beim Beten hinknien.

3. Viele von ihnen beten zu Jesus Christus, weil in der Bibel buchstäblich geschrieben steht, dass Stephanus zu Ihm gebetet hat. Würde das in der Bibel nicht geschrieben stehen, würden sie nicht zu Ihm beten. Manche andere hingegen beten zu Jesus Christus nicht, weil es in der Bibel dazu keine buchstäbliche Aufforderung gibt. Würde diese buchstäbliche Aufforderung in der Bibel stehen, dann würden sie zu Jesus Christus beten.

4. Einige von ihnen singen die Psalmen, weil das Neue Testament buchstäblich auffordert, die Psalmen zu singen (nicht zu beten). Würde das Neue Testament buchstäblich auffordern, die Psalmen auch zu beten, dann würden sie sie auch beten. Andere hingegen beten die Psalmen, weil in der Bibel buchstäblich steht, dass Jesus Christus die Psalmen gebetet hat. Würde das im Neuen Testament buchstäblich nicht stehen, dann würden sie sie nicht beten, sondern nur singen.

5. Viele der freikirchlichen Geschwister beten nicht zu Gott, dem Heiligen Geist, weil es in der Bibel dazu keine buchstäbliche Aufforderung gibt. Würde es dort eine geben, dann würden sie es tun. Andere beten nicht zu Gott, dem Heiligen Geist, weil nirgendwo in der Bibel buchstäblich bezeugt ist, dass irgendjemand speziell zu Gott, dem Heiligen Geist, gebetet hätte. Würde das in der Bibel buchstäblich bezeugt sein, dann würden sie zu ihm beten.

6. Einige beten NUR die Gebete, die buchstäblich in der Bibel geschrieben stehen. Würden sie in der Bibel nicht buchstäblich vorkommen, dann würden sie sie nicht beten.

7. Die freikirchlichen Geschwister beten nicht zu Maria und den Heiligen, weil die Bibel keine buchstäbliche Aufforderung dazu erteilt. Würde sie buchstäblich dazu auffordern, dann würden sie es tun. Andere wiederum beten nicht zu Maria und den Heiligen, weil in der Bibel nirgendwo buchstäblich stünde, dass irgendjemand zu Maria und den Heiligen gebetet hätte. Würde das in der Bibel geschrieben stehen, dann würden auch sie es tun.

8. ALLE Protestanten glauben NUR deshalb an das Fürsprechertum Christi, weil es in der Bibel buchstäblich bezeichnet wird. Würde es in der Bibel nicht buchstäblich stehen, dann würden sie das nicht glauben, während wir Katholiken das trotzdem glauben würden. Viele von ihnen glauben nicht an den dreieinigen Gott, weil in der Bibel nirgendwo buchstäblich das Wort „Dreieinigkeit“ vorkommt. Würde dieses Wort buchstäblich in der Bibel vorkommen, dann würden sie an den dreieinigen Gott glauben.

Viele Protestanten praktizieren NICHTS aus dem Glauben, aus dem Herzen und aus einer Selbstverständlichkeit heraus, sondern, weil es auf die eine oder andere Weise buchstäblich in der Bibel steht. Das ist eine pure Werkegerechtigkeit, die ihre Ursache in SOLA SCRIPTRA hat. Uns Katholiken ist die Werkegerechtigkeit hingegen völlig fremd, weil wir kein SOLA SCRIPTURA kennen, sondern Schrift und lebendige, apostolische Tradition. Denn wir machen als Geistgläubige gemäß 2Kor 3,6 und 1Joh 2,27 alles in aller Selbstverständlichkeit aus dem Glauben, aus der Liebe und aus dem Geist heraus, und nicht aus einem MUSS und SOLL, weil das der biblische Buchstaben sagte.

Hier sieht man also, dass das protestantische Prinzip SOLA SCRIPTURA für jemanden, der ein freier Christ sein will, äußerst hinderlich ist, weil es verhindert, dass man gemäß dem Neuen Bund ein Geistgläubiger wird; stattdessen macht Sola Scriptura einen zum Buch- und Buchstabengläubigen, der alles nur deshalb tut, weil das buchstäblich in der Bibel geschrieben steht (oder im besseren Fall: weil es sich zumind. aus der Bibel ableiten lässt). Wir Katholiken hingegen sind im Heiligen Geist gemäß 2Kor 3,6, 1Joh 2,27 und Hes 36,27 mündig und frei geworden, weshalb wir alles aus aller Selbstverständlichkeit heraus tun, und nicht, weil uns das der biblische Buchstabe sagt. Unsere katholische, christliche Religion ist somit eine Religion des Heiligen Geistes, die protestantische Religion hingegen eine Buch- und Buchstabenreligion, wie der Islam, weshalb viele aus dem Islam konvertierte Menschen SOLA SCRIPTURA äußerst anziehend finden und daher lieber freikirchlich, als katholisch werden.

8. Luthers Sola Scruiptura unterdrückt und zerstört die christliche Liebe

1. Viele freikirchliche Protestanten sagen: Weil es in der Bibel keine Aufforderung gibt, zum Heiligen Geist zu beten und ihn anzubeten, und weil nirgendwo steht, dass irgendjemand zum Heiligen Geist gebetet und Ihn angebetet hätte, so sei es untersagt, zu Ihm zu beten und Ihn anzubeten. So verhindert Sola Scriptura die Liebe zu Gott, dem Heiligen Geist.

2. Viele freikirchliche Protestanten sagen: Weil es in der Bibel keine Aufforderung gibt, zu Jesus Christus, dem Gottmenschen, zu beten und ihn anzubeten, so sei es untersagt, zu Ihm zu beten und Ihn anzubeten. So verhindert Sola Scriptura die Liebe zu Jesus Christus.

3. Viele freikirchliche Protestanten sagen: Weil das Fürbittgebot im NT nur für die Christen auf Erden gelten würde, dürfte man als Christ im Himmel nicht für die Brüder und Schwestern auf Erden beten. Unsere Liebe zu ihnen aber würde dort so gerne für sie beten, aber Sola Scriptura verbietet es ihr dort.

Anhand dieser drei Punkte sehen wir, wie Sola Scriptura bei so vielen Protestanten die christliche Liebe unterdrückt und sie am Ende sogar völlig zerstört. Denn würde die christliche Liebe in einem nur unterdrückt werden, würde sie sich im Herzen aufbäumen und sich auf diese Weise bemerkbar machen. Aber sie tut es nicht, weil sie nicht mehr vorhanden ist; sie ist völlig zerstört – durch Sola Scriptura!

9. Sola Gratia und Calvins Soli Deo Gloria führen häufig zur Selbst-Negierung

Dass wir uns alle vor Gott demütigen sollen, wird kein aufrichtiger Christ bestreiten wollen. Dass wir auch Gott alles (unser Leben, die Schöpfung, unser Heil etc.) verdanken, möchte auch kein Christ bezweifeln. Und solange Demut und Dankbarkeit aufrichtigen Herzens sind, so ist dagegen nichts einzuwenden. Die oft mechanistische und werkegerechte Frömmigkeit mancher evangelikaler – häufig calvinistischer – Protestanten führt jedoch oft dazu, dass eine gesunde Selbstverleugnung und Demütigung zu einem Wahn der Selbst-Negierung führt.

Da nur Gott alle Ehre zukommen darf (Soli Deo Gloria), müssen Dinge wie gute Werke oder der freie Wille dran glauben. Nichts ist, wie es scheint. Die an sich guten Werke wären in Wahrheit durch die absolute Verderbtheit des Menschen beschmutzt oder wurde unter Ausschaltung des freien Willens von Gott determiniert. Aber auch nicht so calvinistisch geprägte Christen verspüren häufig den Drang, sich selbst zu negieren. Wie gesagt, es wäre positiv zu bewerten, wenn es wirklich aus Herzen kommt.

Häufig wird aber nur dem Soli Deo Gloria Dogma folgend Dinge Gott zugeschrieben, nur weil sie Gott zugeschrieben werden müssen. Dass aber auch Gott uns Ehre zukommen lässt (spätestens mit unserer Verherrlichung, vgl. Röm 8,30) und tatsächlich verdienstvolle auch wirklich belohnt (Röm 2,10), kann dann aber oft in falscher Scham nicht mit wahrer Dankbarkeit Gott gegenüber angenommen und  freudig erwartet werden. Wenn aber ein Katholik sich dieser göttlichen Gnaden erfreut, wird ihm das Sola Gratia und ggf. das Soli Deo Gloria vorgehalten.

Mitunter wird auch auf das Sola Fide verwiesen und dass wir Gott nichts bringen können. Zwar können wir nichts aus uns selbst heraus bewirken, aber es wird häufig einfach unterschlagen, dass wir zumind. diese Dinge Gott darbieten können, welche Seine Gnaden uns ermöglichen – und dies ganz tatsächlich und real. Dafür brauchen wir uns nicht zu schämen. Schämen müssten wir uns, wenn wir diese Dinge, gute Werke, Gebete und geistlichen Opfer Gott nicht darbringen wollten.

Stjepan Vucina, 2009 durchs Bibelstudium katholisch geworden, ist katholischer Apologet. Sein Herzensanliegen ist es, Protestanten anhand der Heiligen Schrift die katholische Position aufzuzeigen. Einige Protestanten in seinem Umfeld konnte er schon durch die Bibel zur Konversion führen.

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