Die Evangelikalen

Der evangelikale Individualismus

Die evangelikalen Freikirchen bestehen aus einer Ansammlung von Individualisten, von Personen, die dem Individualismus verfallen sind. Jeder einzelne von ihnen kennt daher nur sich selbst und seinen Jesus, die Gemeinschaft ist zweitrangig, es gilt ICH und MEIN PERSÖNLICHER JESUS! Aus diesem Grund fragen die Evangelikalen oft: „Hast Du Jesus als Deinen persönlichen Herrn und Retter angenommen?“

Wir Katholiken hingegen kennen in erster Linie kein ICH und JESUS, sondern WIR und JESUS. Dies hat uns Christus gelehrt, als er uns das Vater Unser gab; er lehrte uns nicht evangelikal zu beten: „… gib mir mein tägliches Brot und vergib mir meine Schuld, wie auch ich vergebe meinen Schuldigern, und führe mich nicht in Versuchung, sondern erlöse mich von dem Bösen.“, sondern katholisch: „… gib uns unser tägliches Brot und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern, und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.“

Wir Katholiken denken im Gegensatz zu den Evangelikalen gemeinschaftlich, nicht individualistisch, was sich vor allem im Vater Unser, das wir beten, ausdrückt; denn Christus ist nicht mein persönlicher Herr und Retter, er ist der Herr und Retter aller Christen gleichermaßen, die seiner Lehre folgen. Deshalb ist es antichristlich, zu fragen: „Hast Du Jesus als Deinen persönlichen Herrn und Retter angenommen?“ Richtig, d.h. christlich, wäre es, zu fragen: „Hast Du Jesus als denoder “als unseren Herrn und Retter angenommen?“

Unsere Sendung, unsere Berufung und unsere Erlösung geschieht nie nur für uns alleine, sondern kann nur im Verbund mit der Berufung und Erlösung des Nächsten geschehen. Niemand existiert hier auf einer Insel“, erklärt der katholische Apologet Steve Ray richtig.

Das gemeinschaftliche, christliche Denken begegnet uns im Neuen Testament ständig, etwa in Apg. 2,42ff:

Sie verharrten … in der Gemeinschaft … Alle, die zum Glauben fanden, hielten zusammen und hatten alles gemeinsam, sie verkauften Hab und Gut und teilten davon allen zu, je nachdem einer bedürftig war.“

Lesen wir auch Apg. 4,32:

Die Gesamtheit der Gläubigen war ein Herz und eine Seele, und nicht ein einziger nannte etwas von dem, was er besaß, sein eigen, sondern sie hatten alles gemeinsam.“

Beachten wir, was der hl. Apostel Johannes dazu schreibt:

Was wir gesehen und gehört haben, verkünden wir auch euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt. Gemeinschaft haben wir auch mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.“ (1 Joh. 1,3)

Auch schreibt Johannes:

Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, haben wir miteinander Gemeinschaft, und das Blut Jesu, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde.“ (1 Joh. 1,7)

Das Blut Jesu reinigt also jeden von uns von unseren Sünden, wenn wir miteinander Gemeinschaft haben. Wären wir evangelikal und damit individualistisch und sagten: „Ich habe Jesus als meinen persönlichen Herrn und Retter angenommen“, dann stünden wir außerhalb der Gemeinschaft und das Blut Christi würde uns nicht von aller Sünde reinigen. So aber sind wir nicht evangelikal, sondern katholisch! Wir kennen keinen Individualismus – ICH und JESUS -, sondern die brüderliche Gemeinschaft, die nicht nur uns auf Erden umfasst, sondern uns, unsere Brüder und Schwestern im Fegefeuer und die Engel und Heiligen im Himmel:

Ihr seid vielmehr hingetreten … zum himmlischen Jerusalem, zu ungezählten Engeln, zur Gemeinde der Erstgeborenen, die im Himmel verzeichnet sind (die übrigen Christen auf Erden und jene im Fegefeuer), zu Gott … zu den Geistern der vollendeten Gerechten und zu Jesus …“ (Hebr. 12,22-24)

Was uns Katholiken auf Erden betrifft: wir leben in unserem brüderlichen Gemeinschaftssinn füreinander und nicht für uns selbst:

und lasst uns achtgeben aufeinander im Wetteifer der Liebe und der guten Werke.“ (Hebr. 10,24)

Und somit ist Christus nicht Mein oder Dein persönlicher Herr und Retter, sondern unser aller Herr und Retter gleichermaßen!

In Christus, unserm Herrn und Retter, achten wir aufeinander im Hinblick auf unser gemeinsames Heil, damit niemand von uns auf der Strecke bleibt und verloren geht.

Somit befindet sich jeder Evangelikale auf einem gewaltigen Holzweg mit seinem persönlichen Herrn und Retter.

Erlösung garantiert?

Die Evangelikalen glauben, dass jeder “wiedergeborene Christ” garantiert gerettet wäre. Dieser Glaube ist kein christlicher. Niemand kann wissen, ob er gerettet ist/wird oder nicht; das weiß nur Gott, der Allwissende und alleinige Richter. Wir unsererseits können nur hoffen, dass wir gerettet werden. Lesen wir 2 Tim 2,12:

“wenn wir standhaft bleiben, werden wir auch mit ihm herrschen; wenn wir ihn verleugnen, wird auch er uns verleugnen.”

Dieser Bibelvers wird auf der Seite http://www.saintjoe.com wie folgt kommentiert:

“Standhaftigkeit und Durchhaltevermögen sind also Grundvoraussetzungen, um es bis ‘nach oben’ zu schaffen. Wenn wir die Erlösung schon garantiert und sicher hätten, sobald wir einmal ‘gerettet’ sind, warum sollten wir dann standhaft bleiben, um in den Himmel zu kommen, wie wir es hier lesen? Wir müssen das Rennen bis zum Ziellauf durchhalten.”

Beachten wir auch Phil. 2,12:

“… wirkt euer Heil mit Furcht und Zittern.”

Hier steht, dass wir unser Heil noch gar nicht besitzen, weshalb wir es wirken müssen, und zwar mit Furcht und Zittern. Deshalb hoffen wir Katholiken auf unsere Rettung, weshalb jetzt nicht allein der Glaube bleibt, sondern dazu noch die Hoffnung:

“Jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei: das Größte von ihnen ist die Liebe.” (1 Kor. 13,13)

Wir Katholiken haben diesem Vers zufolge also die Hoffnung, eines Tages in den Himmel zu kommen, und zwar weil wir uns dessen nicht gewiss sind bzw. nicht sein können. Wir leben im Ungewissen, deshalb hoffen wir. In der Hoffnung auf den Himmel bleiben wir gemäß 2 Tim. 2,12 standhaft im Glauben und wirken nach Phil. 2,12 unser Heil mit Furcht und Zittern.

Wiedergeburt

Die Evangelikalen sprechen viel von “wiedergeborenen Christen”. Denn Christus sagte:

“Amen, Amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.” (Joh. 3,3)

Ohne Wiedergeburt kein Zutritt zum Reich Gottes!

Doch bei welchem Anlass wird man wiedergeborener Christ?

Den Evangelikalen zufolge geschieht dieser Moment des “Wiedergeborenwerdens” oft im Rahmen eines “Revivals” oder einer “Crusade”, bei der ein Prediger den Anwesenden erzählt, sie müssten “wiedergeboren werden”. Meist folgt dann ein Ruf zum “Altar”, der, anders als bei uns Katholiken (vgl. Hebr. 13,10), nicht vorhanden ist. Alsdann wird man aufgefordert, sich für Jesus Christus zu entscheiden, das “Gebet des Sünders” zu beten und Jesus Christus als seinen persönlichen Herrn und Retter in sein Herz einzuladen. Sobald man das “Gebet des Sünders” gebetet hat und Jesus Christus als seinen “persönlichen Herrn und Retter” angenommen hat, wäre man “wiedergeboren” und unwiderruflich “gerettet”, auch dann, wenn man später abfallen und z.B. Atheist, Moslem oder Satanist werden würde.

Dies hat nun zwei Haken:

1. Der „Wiedergeborene“, der abfällt und z.B. Satanist wird und daher Gott/Christus hasst und daher mit ihm nichts zu tun haben will, wird von Gott nicht gezwungen, in den Himmel zu kommen; sondern aufgrund seines Gotteshasses wird er sich freiwillig für die Hölle entscheiden. Folglich ist ein solcher Mensch aufgrund eines „Revivals“ oder einer „Crusade“ keineswegs unwiderruflich gerettet!

2. Von diesem Ritual („Revival“, „Crusade’) ist in der Bibel nirgendwo die Rede; es ist eine evangelikal-protestantische Erfindung, reines Menschenwerk, das somit zu keiner (unwiderruflichen) Rettung führt! Tatsächlich aber, so die Bibel, führt die Taufe zur Wiedergeburt:

“Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn einer nicht geboren wird aus Wasser und Geist, kann er nicht eingehen in das Reich Gottes. Was geboren ist aus dem Fleisch, ist Fleisch, und was geboren ist aus dem Geist, ist Geist. Wundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsst von Neuem [o. von Oben] geboren werden.” (Joh. 3,5-7)

Wir werden also durch die Taufe (Wasser und Geist) wiedergeboren, und nicht durch eine persönliche Annahme Christi! Die Annahme Christi eines Bekehrten, der bis dahin noch nicht (gültig) getauft worden ist, führt nach Mk. 16,16 zur Taufe, in der und durch die er dann als Bekehrter wiedergeboren wird. Zwar ist oben in Vers 6 nicht mehr vom Wasser, sondern nur noch vom Geist die Rede; jedoch handelt es sich bei der Nicht-Erwähnung des Wassers um keine Verneinung des Wassers, da Christus in Vers 5 das Wasser als Element, das für die Wiedergeburt notwendig ist, ausdrücklich nennt. Wenn Christus in Vers 6 das Wasser nicht mehr nennt, dafür aber den Heiligen Geist, so liegt das daran, dass er den Heiligen Geist hervorheben wollte, ohne den das Wasser bedeutungslos wäre. Der Heilige Geist verbindet sich bei der Taufe mit dem Taufwasser und bewirkt so, durch das Wasser, die Wiedergeburt des Menschen.

Die Taufe wird dann in Anlehnung an die Worte Christi in Joh. 3,5-7 als Sakrament der Wiedergeburt in Tit. 3,4-7 wie folgt umschrieben:

“Als aber die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes, unseres Retters, erschien, hat er uns nicht aufgrund von Werken, sondern nach seiner Barmherzigkeit gerettet durch das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung des heiligen Geistes …”

Das Bad der Wiedergeburt und Erneuerung ist die in Joh. 3,5-7 angezeigte Taufe, die mit Wasser und Geist geschieht, wobei der Geist Gottes die Wiedergeburt und Erneuerung des Menschen durch das Taufwasser bewirkt und schenkt.

Man lasse sich also nicht von den evangelikalen Irrlehrern täuschen und meine, dass man durch eine persönliche Annahme Christi wiedergeboren und erneuert würde.

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