Die Charismatische Erneuerungsbewegung

1. Die charismatische Geisttaufe

Im Zentrum des charismatischen Wirkens der Charismatischen Erneuerungsbewegung (CE) steht die Spendung der charismatischen Geisttaufe, auch “Erschlagenwerden vom Heiligen Geist” oder “Ruhen im Geist” bezeichnet, von der man in der CE behauptet, sie biblisch zu begründen. Man verweist dabei auf die Worte Johannes des Täufers in Mt. 3,11, auf die Worte Christi in Apg. 1,8, auf Apg. 2,1-4, auf Apg. 8,14-19, auf Apg. 10,44-46 und auf weitere Bibelstellen. Johannes der Täufer sprach:

“Ich taufe euch mit Wasser zur Bekehrung; der aber nach mir kommt, ist stärker als ich … Der wird euch taufen mit Heiligem Geist und mit Feuer.” (Mt. 3,11)

Dies sei also die charismatische Geisttaufe, die Taufe mit Geist und mit Feuer.

Die vom Täufer angekündigte Geisttaufe greift Christus nach seiner Auferstehung wieder auf, indem er zu seinen Aposteln sprach:

“… doch werdet ihr Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch herabkommt, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis an die Grenzen der Erde.” (Apg. 1,8)

Und das erfüllte sich dann, wie vom Herrn vorhergesagt, in der Tat einige Tage später:

“Als der Tag für das Pfingstfest gekommen war, waren sie alle beisammen am gleichen Ort. Da erhob sich plötzlich vom Himmel her ein Brausen wie von einem daherfahrenden gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie weilten. Es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten und einzeln herabsenkten auf einen jeden von ihnen; und alle wurden erfüllt von Heiligem Geist und fingen an, in anderen Sprachen zu reden, so wie der Geist ihnen zu sprechen verlieh.” (Apg. 2,1-4)

Die allererste Geisttaufe wurde den Jüngern also durch eine direkte Handlung Gottes zuteil – ohne menschliche Vermittlung. Wenn wir die Apostelgeschichte weiterlesen, war es fortan die Norm, dass Gott den Bekehrten die Geisttaufe unter Vermittlung von Menschen spendete:

“Als die Apostel, die in Jerusalem waren, hörten, dass Samaria das Wort Gottes angenommen habe, sandten sie Petrus und Johannes zu ihnen. Diese zogen hinab und beteten für sie, damit sie den Heiligen Geist empfingen … Da legten sie ihnen die Hände auf, und sie empfingen den Heiligen Geist.” (Apg. 8,14-17)

Es gab jedoch nur noch eine einzige Ausnahme: Die Geisttaufe von Gläubigen aus den Heiden durch unmittelbares Wirken von Gott:

“Während Petrus noch diese Worte sprach, kam der Heilige Geist über alle, die das Wort hörten. Da staunten die Gläubigen aus der Beschneidung …, dass auch über die Heiden die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen wurde …” (Apg. 10,44-46)

Diese Ausnahme geschah nur aus dem Grund, weil die Gläubigen aus den Juden die zum Glauben Gekommenen aus den Heiden nicht als gleichberechtigt betrachteten, weshalb sie ihnen nach Apg. 10,47 die Taufe und die Geisttaufe verweigert hätten. Ansonsten wurde die Geisttaufe nach wie vor unter Vermittlung von Menschen gespendet, wie Apg. 19,5-7 bezeugt:

“Als sie das hörten, ließen sie sich taufen …, und als Paulus ihnen die Hände auflegte, kam der Heilige Geist über sie, und sie redeten in Zungen und sprachen prophetisch. Es waren insgesamt an die zwölf Männer.”

Und jetzt kommt der Haken: Die CE meint, dass es sich bei der in der Bibel bezeugten Geisttaufe um eine Charismatische handelt, weshalb in ihr die Geisttaufe charismatisch gespendet wird, von x-beliebigen Personen. In Wirklichkeit ist die Geisttaufe ein Sakrament, nämlich die Firmung, die nur von den Bischöfen und den von ihnen bevollmächtigten Priestern gespendet werden kann. Dies zeigt uns Apg. 8:

Nachdem der geweihte Diakon Philippus die Samariter bekehrt hatte, taufte er sie (Apg. 8,5-13), spendete ihnen aber nicht die Geisttaufe, die Firmung, weil er als geweihter Diakon keine göttliche Vollmacht dazu hatte. Aus diesem Grund mussten für diesen Zweck extra Apostel (Bischöfe) nach Samaria kommen, um den von Philippus getauften Samaritern das Sakrament der Firmung zu spenden:

“Als die Apostel, die in Jerusalem waren, hörten, dass Samaria das Wort Gottes angenommen habe, sandten sie Petrus und Johannes zu ihnen. Diese zogen hinab und beteten für sie, damit sie den Heiligen Geist empfingen … Da legten sie ihnen die Hände auf, und sie empfingen den Heiligen Geist.” (Apg. 8,14-17)

Das heißt, dass die CE etwas praktiziert, womit Gott überhaupt nichts zu tun hat! Sie spendet einen Geist, der nicht der Heilige Geist ist, weil niemand, außer einem Bischof, der in der apostolischen Sukzession steht, und einem von ihm dazu beauftragten und bevollmächtigten Priester die wahre Geisttaufe, die Firmung, spenden kann. Das, was die Charismatiker spenden, ist also eine völlig andere, eine neue Praxis, die mit der in der Bibel nicht identisch ist und mit ihr nichts zu tun hat! Sie unterscheidet sich von der biblischen Geisttaufe, der Firmung, noch dadurch, dass sie den charismatisch Orientierten wiederholt gespendet wird, während die biblische Geisttaufe, die Firmung, dem Empfänger nur ein einziges Mal im Leben gespendet wird.

2. Die charismatischen Geistesgaben

Früchte der charismatischen Geisttaufe in der CE sind charismatische Gaben wie z.B. die Zungenrede oder die Gabe der Weissagung. Auch hier verweist man auf die Bibel, die uns zeigen soll, dass diese Geistesgaben von Gott wären, da die Heilige Schrift ausdrücklich aufzeigen würde, dass man als Christ mit diesen Geistesgaben infolge der charismatischen Geisttaufe ausgestattet würde. Wer diese Gaben nicht aufweist, habe die Gabe des Heiligen Geistes noch nicht empfangen. Man verweist unter anderem auf die folgenden Bibelstellen:

“… und alle wurden erfüllt von Heiligem Geist und fingen an, in anderen Zungen zu reden, so wie der Geist ihnen zu sprechen verlieh.” (Apg. 2,4)

“Während Petrus noch diese Worte sprach, kam der Heilige Geist über alle, die das Wort hörten. Da staunten die Gläubigen aus der Beschneidung …, dass auch über die Heiden die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen wurde; denn sie hörten, wie sie in Zungen redeten und Gott verherrlichten.” (Apg. 10,44-46)

In der Tat ist anhand dieser und anderer Bibelstellen zu ersehen, dass die ersten Christen ihre charismatischen Gaben immer infolge der Geisttaufe empfangen haben. Doch wie gesagt, handelte es sich dabei nicht um eine charismatische Geisttaufe, sondern um die sakramentale Geisttaufe, um das Firmsakrament, das nur von den Bischöfen, die in der apostolischen Sukzession stehen, und den von ihnen dazu beauftragten und bevollmächtigten Priestern gespendet werden kann. Das wusste auch jener in Apg. 8 erwähnte Simon, der Zauberer, weshalb er die Apostel Petrus und Johannes bat, ihm die Vollmacht zur Spendung des Firmsakraments zu verleihen:

“Gebt auch mir diese Gewalt, damit jeder, dem ich die Hände auflege, den Heiligen Geist empfange.” (Apg. 8,17-19)

Er, der soeben das Firmsakrament empfangen hatte, wusste also, dass er als Laie die Vollmacht zur Spendung der Firmung nicht besaß. Das zeigt, dass die Geisttaufe nicht charismatisch ist, sondern ein Sakrament, dessen Spendung von Gott her nur den Bischöfen und den von ihnen dazu bevollmächtigten Priestern vorbehalten ist. Das heißt, jeder, der infolge der charismatischen Geisttaufe, die nicht von Gott eingesetzt ist, charismatische Gaben besitzt, diese nicht vom Heiligen Geist bekommt, sondern von einem bösen Geist, der lediglich Gott nachäfft. Bei Exorzismen erleben die Exorzisten, wie Dämonen durch den Mund des Besessen in Zungen reden und weissagen. Zungenrede und Weissagung sowie andere charismatische Vorkommnisse sind also keine Beweise für göttliches Wirken.

Des Weiteren sehen wir anhand der oben zitierten drei Bibelstellen, dass es allein im Willen Gottes lag, den Christen charismatische Gaben zu verleihen. Wenn also keine charismatischen Gaben infolge des Sakraments der Firmung bei den Gläubigen zu verzeichnen sind, dann liegt das nicht an der Kirche, an den Bischöfen, an ihren Priestern und an dem Empfänger dieses Sakraments, sondern allein am Willen Gottes. Das heißt: Wenn wir Christen infolge der Firmung keine charismatischen Geistesgaben erhalten, dann liegt das nicht daran, dass wir den Heiligen Geist in der Firmung nicht bekommen hätten, sondern daran, dass der Heilige Geist uns diese charismatischen Gaben in diesem Fall (noch) nicht geben will.

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