Die biblisch-historische Wahrheit über Weihnachten (25. Dez.)

1. Protestantische Einwände gegen Weihnachten

Weihnachten ist die Zeit, in der wir katholischen, ostkirchlichen und viele protestantische Christen die Geburt des Herrn und Retters Jesus Christus feiern. Weihnachten ist das Geburtsfest Christi. Ein großer Teil der im Internet aktiven protestantischer Prediger lehnt die Geburtsfeier Christi jedoch ab, mit der Begründung, sie sei unbiblisch und heidnisch. Nirgendwo in der Bibel stünde, dass die Christen zur Zeit der Apostel Christi Geburtstag gefeiert hätten. Außerdem habe uns Jesus nie aufgetragen, seinen Geburtstag zu feiern. Dies sei erst viel später von der katholischen Kirche in Anlehnung an das Heidentum erfunden und eingeführt worden.

In dieser Begründung gibt es gleich mehrere Irrtümer:

1.) Die Kirche würde den Geburtstag Christi feiern! Das ist falsch! Die Kirche feiert die Geburt Christi, nicht den Tag!

2.) Die Feier des Geburtstags Christi sei heidnisch! Das ist auch falsch! Denn das Geburtsfest Christi ist weder eine heidnische Erfindung, noch wurde es von Heiden praktiziert. Zudem ist weder Jesus Christus heidnisch, noch seine Geburt, noch unsere auf Christus bezogene Freude, noch ein auf Christus bezogenes Fest. Denn alles, was auf Christus bezogen ist, also auch sein Geburtsfest, kann schwerlich heidnisch sein.

3.) Die Geburtstagsfeier Christi sei unbiblisch, weil nirgendwo in der Bibel steht, dass die Christen des ersten Jahrhunderts den Geburtstag Christi gefeiert hätten. Wenn wir das Neue Testament lesen, dann stellen wir in der Tat fest, dass an keiner Stelle berichtet wird, dass die Geburt Christi in jener Zeit gefeiert worden wäre. Doch ebensowenig steht im Neuen Testament, dass sie sie nicht gefeiert hätten. Wenn wir also wirklich biblisch sind, dann stellen wir fest, dass es gemäß der Bibel nicht bekannt ist, ob die ersten Christen die Geburt Christi gefeiert haben oder nicht. Die biblischen Bücher lassen diesen Sacherhalt offen. Sie geben uns darüber keine Auskunft, genau so, wie uns die Bibel keine Auskunft darüber gibt, Wer und Was nach 2Thess 2,6-7 dem Antichristen im Wege steht. Das wusste man ohne die Bibel! Sie wurde, um das zu wissen, überhaupt nicht benötigt!

4.) Christus hätte nie aufgetragen, seinen Geburtstag zu feiern. Dass Christus nie aufgetragen hätte, seine Geburt zu feiern, steht in der Bibel an keiner Stelle. Auch diese Behauptung ist also unbiblisch! Sagen wir es daher richtig: Die Bibel berichtet weder, dass Jesus uns das aufgetragen hätte, noch, dass Er das nicht getan hätte. Auch diesen Sachverhalt lässt sie offen. Da nützt auch keine philosophische Ausflucht, nämlich, dass, wenn Christus eine solche Feier aufgetragen hätte, die Bibel dann auch darüber berichten würde. Denn die Bibel berichtet nämlich nicht alles, was Jesus getan hat:

„Es sind aber auch noch viele andere Dinge, die Jesus getan hat; wollte man dieses einzeln aufschreiben, so glaube ich, würde die Welt die Bücher nicht fassen, die zu schreiben wären.“ (Joh 21,25)

Es ist biblisch gesehen also völlig unklar, ob Jesus die Feier seiner Geburt aufgetragen hat, oder nicht. Wenn, dann wurde das gemäß Apg 2,42 und 2Thess 2,15 mündlich überliefert.

Mit der Geburtsfeier Christi verhält es sich daher so, wie mit der Firmung: Nach Apg 8,14-17 spendeten die Apostel die Firmung, obwohl die Bibel nirgendwo berichtet, dass Christus ihnen das jemals aufgetragen hätte. So ist es auch mit Weihnachten: Obwohl die Bibel nirgendwo darüber berichtet, dass Christus seine Geburtsfeier aufgetragen hätte, praktiziert die Kirche sie trotzdem – wie die Apostel die Firmung. So also, wie die Kirche im Hinblick auf Gott etwas tut, obwohl es biblisch nicht belegt ist, dass Christus das aufgetragen hätte, so taten auch die Apostel etwas im Hinblick auf Gott, obwohl biblisch nicht belegt ist, dass Christus das aufgetragen hätte. Doch der Auftrag Christi beider Handlungen kann in dem biblischen Wort Apg 1,2 ungenannt enthalten sein:

„bis zu dem Tag, an dem er den von ihm erwählten Aposteln Auftrag gab …“

Halten wir also fest:

1.) Die Kirche feiert nicht den Geburtstag Christi, sondern seine Geburt.

2.) Die Geburtsfeier Christi ist nicht heidnisch, weil sie von den Heiden weder erfunden, noch praktiziert wurde, und weil Christus und seine Geburt nicht heidnisch sind, und weil die Bibel nirgendwo sagt, dass die Feier seiner Geburt heidnisch sei.

3.) Die Bibel lässt offen, ob die ersten Christen die Geburt Christi gefeiert haben oder nicht.

4.) Die Bibel lässt offen, ob Christus die Feier seiner Geburt aufgetragen hat oder nicht, so wie sie es auch offen lässt, ob er den Aposteln aufgetragen hat, zu firmen oder nicht.

5.) Eine auf Christus oder Gott hin ausgerichtete Handlung ist nicht deshalb falsch und schlecht, weil die Bibel nicht sagt, ob Christus sie aufgetragen hat oder nicht. Sie berichtet ja auch nicht, dass Christus seinen Aposteln das Firmen aufgetragen hat oder nicht, und doch praktizierten sie die Apostel.

Wir stellen also fest, dass alle vorgetragenen Behauptungen gegen das Geburtsfest Christi falsch sind. Sie sind nicht biblisch, sondern Menschenwort.

Es verhält sich daher so:

Die Geburt Christi, über die wir Christen uns freuen, ist nichts Heidnisches, Unnatürliches, Böses und Sündiges, sondern auf christlichem Glauben basierend etwas Natürliches, Schönes, Gutes und Christliches.

Ebenso verhält es sich mit der Feier der Geburt Christi:

Sie ist nicht heidnisch, unnatürlich, böse und sündig, sondern ein auf christlichem Glauben basierender natürlicher Ausdruck unserer Freude und gut und christlich. In ihr und durch sie wird Gottes Wort lebendig!

2. Was die Bibel zu Christi Geburtsfest sagt

Wie es sich biblisch mit dem Geburtsfest Christi verhält, kann nur anhand der lukanischen Geburtsgeschichte erörtert werden: Unmittelbar nach der Geburt Christi erschien den Hirten in der Nacht ein Engel, der zu ihnen sagte:

„Fürchtet euch nicht! denn sehet, ich verkündige euch eine große Freude, die dem gesamten Volke zuteil werden wird; dass euch heute der Heiland geboren worden, in der Stadt Davids, welcher Christus, der Herr, ist.“ (Lk 2,10)

Es heißt: „… ich verkündige euch eine große Freude, die dem gesamten Volk zuteil werden wird, weil der Retter geboren wurde. Das war eine Prophezeiung, die wir seit dem vierten Jahrhundert jedes Jahr zur gleichen Zeit erfüllt sehen. Jedes Jahr zu Weihnachten ist das gesamte gläubige Volk erfüllt von großer Freude über die Geburt Christi. Und diese vom Engel prophezeite Freude des gesamten Gottesvolkes ob der Geburt Christi drückt sich im weihnachtlichen Freudenfest aus, und zwar nach der Art, wie das die Engel und die Hirten getan haben:

„Und plötzlich war bei dem Engel eine Menge der himmlischen Heerschaaren, welche Gott lobten, und sprachen: ‚Ehre Gott in der Höhe, und Friede den Menschen auf Erden, die guten Willens sind!“ (Lk 2,13-14)

„Und die Hirten kehrten zurück, indem sie Gott priesen und lobten um alles dessen willen, was sie gehört und gesehen hatten, so wie es zu ihnen gesagt worden war.“ (Lk 2,20)

Die Engel und die Hirten drückten ihre große Freude über die Geburt Christi mit ihren Lobpreisungen Gottes und guten Wünschen (bei den Engeln) aus. Und wir, das gesamte gläubige Volk, ahmen sie nach und drücken unsere Freude über die Geburt Christi mit Gottesdiensten (Messfeier, christliche Lieder, Lobgesänge, Gebete) aus, in denen wir unsere guten Wünsche Gott vortragen. So sieht das kirchliche weihnachtliche Freudenfest, die Geburtsfeier Christi, aus.

Weihnachten ist also nach Lk 2,10 vom Engel prophezeit und nach Lk 2,13-14.20 von den Engeln und den Hirten grundgelegt worden. Es ist durchweg biblisch. Es ist aber kein christliches Freudenfest des Einzelnen, sondern, wie es der Engel prophezeite, des gesamten Gottesvolkes. Und das gesamte Volk Gottes kann stolz darauf sein, dass es zum Geburtsfest Christi die Prophezeiung Lk 2,10 erfüllt, und zwar, weil die Schrift erfüllt werden muss. Die Einzigen, die sich dazu weigern, sich über Christi Geburt nicht freuen und somit die Schrift nicht erfüllen, sind alle diejenigen, die auf ihre weihnachtsfeindlichen Lügenpropheten hören.

Den Hirten wurde nach Lk 2,10 vom Engel große Freude ob der Geburt Christi mitgeteilt, und diese große Freude drückten sie nach Lk 2,20 liturgisch mit Lobpreisungen Gottes aus. Wenn nun diese große Freude nach Lk 2,10 auch dem gesamten Volk verheißen wurde, dann ist in Anbetracht dessen davon auszugehen, dass auch das gesamte Volk so reagiert, wie die Hirten: In ihrer großen Freude lobt und preist es Gott ob der Geburt Christi (Gottesdienst!). Auch die Engel empfanden ob der Geburt Christi nach Lk 2,13-14 große Freude, die sich im Lobpreis Gottes (im Gottesdienst!) und in guten Wünschen ausdrückte. Freude ohne Ausdruck ist keine Freude, sondern eine „eiserne Lady“; und das ist antibiblisch. Beachten wir die große Freude von Johannes dem Täufer:

„Denn siehe, sobald die Stimme deines Grußes an mein Ohr gelangte, hüpfte das Kind freudig in meinem Schoße.“ (Lk 1,44)

Die Freude des ungeborenen Kindes drückte sich im jubelndem Hüpfen aus!

Beachten wir auch die große Freude Davids:

„Als man dem König David meldete: ‚Der Herr hat das Haus Obed-Edoms und all seinen Besitz gesegnet um der Lade Gottes willen‘, ging David hin und holte die Lade Gottes voller Freude aus dem Haus Obed-Edoms in die Davidsstadt. Als die Träger der Lade des Herrn sechs Schritte gemacht hatten, opferte er Rinder und Mastkälber. David selbst tanzte voll Eifer vor dem Herrn. Dabei war David nur mit dem leinenen Schurz umgürtet. So führte David mit allen Israeliten die Lade des Herrn unter Jubel und Posaunenschall hinauf.“ (2Sam 6,12-15)

Auch hier: David gerät in große Freude über die Bundeslade, die er dann mit seinem Gottesdienst (Opfern und Tanzen) ausdrückte.

Wenn uns also die Bibel prophezeit, dass das ganze christliche Volk ob der Geburt Christi in große Freude sein werde, dann ist das biblisch zu verstehen: Große Freude ob der Geburt Christi mit gottesdienstlicher Auswirkung, mit gottesdienstlichem Ausdruck, so eben, wie es jedes Jahr an Weihnachten geschieht, und nur an Weihnachten, so das dadurch die Prophetie Lk 2,10 an Weihnachten in Erfüllung geht!

Das erste Weihnachten wurde nach Lk 2,13-14.20 also unmittelbar nach der Geburt Christi von den Engeln und Hirten infolge ihrer großen Freude gefeiert. Auch die katholische Kirche feiert sie dem entsprechend. Das Geburtsfest Christi ist also biblisch und christlich, während das Unterlassen des Geburtsfestes Christi anti-biblisch ist, weil es gegen die biblische Prophezeiung Lk 2,10 und ihre Erfüllung positioniert ist!

3. Behaupten Tertullian, Origenes und Arnobius das Nichtvorhandensein des Weihnachtsfestes bis Anfang des 4. Jahrhunderts?

Manche Kritiker des Weihnachtsfestes meinen, dass Tertullian um 210 n. Chr., Origenes um 250 n. Chr. und Arnobius um 305 n. Chr. das Nichtvorhandensein eines Geburtsfestes Christi bis Anfang des 4. Jahrhunderts behaupten würden.

Zu Arnobius: Arnobius macht sich in seiner Schrift Adversus Nationes über die „Geburtsfeste“ der heidnischen „Götter“ lustig. Er meint hier falsche Götter, die nie geboren sind. Seine Kritik betrifft also nicht Jesus Christus, seine Geburt und ein auf ihn bezogenes Geburtsfest. Jesus Christus, der menschgewordene Gott, seine Geburt und sein Geburtsfest sind in seiner Schrift nicht das Thema!

Zu Origenes (a): Origenes sagt mehrfach, dass nur Sünder ihren Geburtstag feiern. Der Tag der Geburt eines [sündigen] Menschen sei nämlich kein Tag der Freude, allein schon aufgrund der ihm anhaftenden Erbsünde. Somit hat Origenes bei seiner Kritik nicht eine Geburtsfeier des sündenlosen Heilands im Blick, sondern die Geburtsfeiern der in Erbsünde geborenen Menschen.

Zu Origenes (b) und Tertullian: Origenes und Tertullian erstellten Festlisten, die das Weihnachtsfest nicht enthalten. Doch bei diesen Festlisten handelt es sich nicht um vollständige Festlisten, und zwar aus folgenden Gründen:

(a) Die in diesen Listen aufgelisteten Feste werden nur nebenher erwähnt, was zeigt, dass es Origenes und Tertullian nicht darum ging, eine Liste mit allen damals begangenen Festen anzubieten. Tertullian wollte in seiner Liste nur den Sonntag und die fünzigtägige Osterzeit hervorheben, während Origenes den Sonntag, Ostern, Pfingsten und den Freitag als Leidenstag Christi hervorheben wollte.

(b) Wie an der Festliste des Origenes ersichtlich ist, fehlen bei Tertullian das seinerzeit begangene Pfingstfest und der Freitag als Leidenstag Christi. Tertullians Festliste ist also eindeutig unvollständig.

(c) Auch bei Origines ist die Festliste eindeutig unvollständig, weil in ihnen, wie auch bei Tertullian, die damals begangenen Märtyrerfeste fehlen.

Die unvollständigen Festlisten Tertullians und Origenes‘ zeigen damit, dass ein in ihnen nicht erwähntes Weihnachtsfest keineswegs auf ein in damaliger Zeit fehlendes Weihnachtsfest hindeuten.

4. Kann Christus im Winter geboren sein?

Es gibt drei unhistorische Einwände gegen die Möglichkeit, dass Christus im Winter geboren ist:

1. Einwand: Zum Zwecke eines Zensus konnte man keine tagelangen Wanderungen eines großen Teils der Bevölkerung angeordnet haben.

Das ist nur Phantasie und hat mit den historischen Fakten daher nichts zu tun:

(a) Die Römer nahmen bei ihren Planungen für gewöhnlich keine Rücksicht auf die Interessen der untergebenen Völker. Sie setzten durch, was und wie sie es wollten.

(b) Große Teile der der jüdischen Bevölkerung nahmen auch jährlich tagelange Wanderungen zum Passahfest nach Jerusalem auf sich. Tagelange Wanderungen stellten also kein Problem dar!

2. Einwand: Die römische Volkszählung konnte unmöglich im Winter stattgefunden haben

Denn die ganze Bevölkerung könne nicht während dieser kalten und regnerischen Zeit in Bewegung gesetzt worden sein. Auch das ist nur Phantasie und hat daher mit den historischen Fakten nichts zu tun:

(a) Die Temperaturen in Israel vor 2000 Jahren waren in den Wintermonaten, einschließlich Dezember, tagsüber nicht kalt, sondern mild bis warm, wovon z.B. die historischen Zeugnisse von Flavius Josephus zeugen: „Denn der Boden bringt die verschiedensten, anscheinend einander fremden Obstsorten nicht bloß einmal im Jahre, sondern lange Zeit hindurch fortwährend hervor. So liefert er die königlichen Früchte, Weintrauben und Feigen, zehn Monate lang ohne jede Unterbrechung, während die übrigen Früchte das ganze Jahr hindurch mit jenen der Reihe nach reif werden.“[1]

Und solche milden und warmen Temperaturen sind noch heute in Israel zu verzeichnen, siehe z.B. hier: https://www.klimatabelle.info/asien/klima-israel, oder speziell in Betlehem: https://www.diebestereisezeit.de/westjordanland/bethlehem-3970129/

(b) Die Regenzeit in Israel dauerte von Anfang Oktober bis Ende April/Anfang Mai. Innerhalb dieser Regenzeit regnete es nicht permanent und durchgehend; es gab viele regenfreie und sonnige Tage. Dass die Regenzeit kein Problem für Massenwanderungen darstellte, belegt die Tatsache, dass während dieser Regenperiode jährlich große Teile der Bevölkerung tagelang zum Passahfest nach Jerusalem pilgerten. Sie nahmen auf Wind und Wetter überhaupt keine Rücksicht.

(c) Hier gilt nochmal dasselbe wie das unter „1. Einwand (a)“ erwähnte: Die Römer nahmen bei ihren Planungen für gewöhnlich keine Rücksicht auf die Interessen der untergebenen Völker. Sie setzten durch, was und wie sie es wollten.

3. Einwand: Die Schafe waren nur zwischen April und Oktober auf freiem Feld, und außerdem war es im Winter viel zu kalt für die Tiere

Denn es heißt im Talmud, dass es Vieh gab, das nur in der Zeit von Passah bis zum winterlichen Frühregen (April – Oktober) auf die Weiden getrieben wurde. Dazu ist folgendes zu sagen:

(a) Von Rabbi Jehuda erfahren wir im Talmud aber auch, dass das Triftenvieh in der gesamten Regenzeit (Oktober – April) in den bewohnten Ortschaften auf freien Feld gelassen wurde. Das wird also gerne verschwiegen.

(b) Die armen Leute hielten ihre Schafe ganzjährig auf freiem Feld.

(c) Wie unter „2. Einwand“ schon dargelegt, regnete es in der Regenzeit nicht permanent und durchgehend; es gab viele regenfreie und sonnige Tage. Es gab keine längeren Perioden, in denen es tagelang geregnet hätte.

(d) In Südpalästina, wo Betlehem liegt, verbrachten viele Schafherden die Winternächte auf freiem Feld zu – ohne Probleme. Denn „eine gut geführte Herde verträgt … Temperaturen bis -20 °C ohne das Anzeichen von frieren erkennbar wären.“[2] Und „Schafe mögen gefrorenes Gras. Als Winterweiden sind fette und magere Wiesen geeignet. Von dem Moment an, da Reif und Frost die Weiden im Flachland fürs Großvieh unbenützbar machen, liegen diese für die Bauern bis zum Erwachen der Vegetation im Frühjahr brach. Schafe aber sind winterharte Tiere, die gefrorenes Gras mögen und dieses dem nassen sogar vorziehen, die bei kalter Witterung mehr fressen (was für die Mast wiederum von Vorteil ist) und die sogar in der Lage sind, das Futter unter dem Schnee hervorzuscharren, solange die Schneedecke nicht hartgefroren ist. Die geeigneten Weiden für Wanderschafherden finden wir daher in den tieferen Lagen des Mittellandes und hier wiederum in den milden Zonen entlang von Seen und Flüssen. Pseudotierschützer, die Wanderschafherden als Tierquälerei verdammen, übertragen im Trugschluss der Vermenschlichung ihre eigene Verweichlichung auf Geschöpfe, die von Natur aus für das Leben in der Kälte geschaffen sind.“[3] Jedoch „muss unbedingt vermieden werden, dass die Tiere bei tiefen Temperaturen bis auf die Haut durchnässt werden. Es ist zwar nicht möglich, exakte Grenzwerte von klimatischen Bedingungen anzugeben, ab denen Schafen in jedem Fall ein Schutz vor extremer Witterung gewährt werden muss. Als Handlungsrichtlinie können jedoch folgende Werte dienen: Temperaturen unter 10 °C, verbunden mit Wind und Nässe durch mehr als 2 Tage anhaltenden Niederschlag. Bei Wanderschafherden ist es in der Verantwortung des Hirten vorzusorgen, dass die Tiere bei extremer Witterung einen Ort aufsuchen können, an dem diese ausreichend vor den klimatischen Bedingungen geschützt sind, und sicherzustellen, dass die Schafe in ihrer Anpassungsfähigkeit nicht überfordert werden.“[4] Die Schafe konnten also im Dezember vor 2000 Jahren ohne Weiteres auf freiem Feld verbringen, somit auch nachts. Wie man sich das im tiefen Winter vorstellen kann, die es in Israel nicht gab, kann man sich anhand der Bilder auf der folgen Seite veranschaulichen: https://www.kathbern.ch/pfarrblatt-bern-angelus-biel/pfarrblatt-bern/zusatzseiten-normal-erfasst/die-esel-sind-meine-arbeitskollegen/?isMobile=0&noMobile=1

Anhand der Darlegungen ist ersichtlich, dass die Geburt Christi durchaus im Winter geschehen sein konnte.

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[1] Flavius Josephus, Geschichte des jüdischen Krieges, III. 3 & 10. Übersetzung Clementz, Reprint Wiesbaden, 2001.

[2] https://medium.com/@svries/frieren-schafe-eigentlich-nicht-im-winter-3b8c4c128f3a

[3] http://www.payer.de/entwicklung/entw0822.htm

[4] Quelle verloren gegangen

5. Der 25. Dezember als Geburtstermin Christi gemäß historischer Überlieferung

Viele Kritiker verweisen auf den römischen Kaiser Aurelian, der im Jahr 274 n. Chr. den 25. Dezember als reichsweiten Festtag für den römischen Sonnengott Sol Invictus einführte. Nun propagieren sie, die katholische Kirche habe dem gegenüber Jesus Christus als das eigentliche, das wahre Licht in den Vordergrund gestellt und hätte so das Geburtsfest Christi auf den Festtag des römischen Sonnengottes gelegt. Sehr Evidenz-scheue Zeitgenossen meinen heute sogar, dass Christus dem Sol Invictus entspricht. Es gibt jedoch keine einzige historische Quelle, welche die genannten Behauptungen stützen würde. Das ist also nichts weiter als ein Phantasiegebilde, das somit keine Bedeutung hat. Denn ein Phantasiegebilde bleibt nur ein Phantasiegebilde, nicht mehr und nicht weniger.

Tatsächlich wurde im Römischen Reich bereits mindestens 18 Jahre vor 274 n. Chr. von Christen Christi Geburt vereinzelt am 25. Dezember gefeiert. Und Julianus Africanus bezeichnet in seiner bis 221 n. Chr. reichende Weltchronik den 25. März als Tag der Empfängnis Christi, woraus sich bei einer neunmonatigen Schwangerschaft der Dezember als Monat der Geburt Christi ergibt. Im Jahr 202 n. Chr. spricht Hippolyt in seinem Danielkommentar vom 25. Dezember als Geburtstag Christi. Und in der großen amerikanischen Zeitung The Buffalo News vom 22. November 1984 lesen wir: „Die früheste Referenz, die zeigt, wo Weihnachten auf den 25. Dezember fällt, finden wir im zweiten Jahrhundert …“ Von daher versteht sich, warum Augustinus (354-430) in Sermones 202 erklärt, dass Jesus Christus „gemäß der Überlieferung am 25. Dezember“ geboren wurde, und Chrysostomus (386), dass der 25. Dezember „seit jeher“ in der Kirche Roms und generell im Westen als Tag der Geburt Christi bekannt war, also seit dem 1. Jh., und  Hieronymus (347-420), dass das Geburtsfest Christi in Rom von Anfang an am 25. Dezember begangen wurde, also ebenfalls seit dem 1. Jh., als die Kirchengemeinde in Rom entstand. Das Geburtsfest Christi am 25. Dezember hat somit nichts mit dem Heidentum zu tun! Bei der Festlegung des Geburtstermins Christi orientierte sich die katholischen Kirche im 4. Jh. folglich nicht am römischen Heidentum, sondern an der ungebundenen christlichen Überlieferung seit dem 1. Jh. Es wäre daher viel plausibler anzunehmen, dass Kaiser Aurelius dieser christlichen Tradition entgegenwirken wollte, um Christi Geburtsfest am 25. Dezember durch Sol Invictus zu verdrängen, was ihm jedoch nicht gelungen ist. Die umgekehrte These ist jedoch, wie bereits dargelegt, nur ein reines Phantasiegebilde!

6. Weitere Daten

6. Januar

In seinem um 200 n. Chr. verfassten Buch Stromateis teilt uns der ägyptische Kirchenvater Klemens von Alexandrien mit: „Es sind also vom Zeitpunkt, da der Herr geboren ist, bis zum Tod des Kaisers Commodus insgesamt 194 Jahre, ein Monat und 13 Tage.“ Hier gibt es nun zwei Möglichkeiten der Berechnung: Entweder rechnet er mit den von den Römern in Ägypten eingeführten julianischen Kalenderjahren oder mit den altägyptischen Kalenderjahren. Nach den altägyptischen Kalenderjahren wäre Jesus dann am 18.11.3. v. Chr. geboren, nach den julianischen Kalenderjahren am 6.1.2 v. Chr. Der 6. Januar ist hier am Wahrscheinlichsten, weil die spätere östliche Tradition dieses Datum als Geburtstag Christi postultiert.

19./20. April, 6. Januar oder 10. Januar?

Über die damalige christliche Gruppe der Basilidianer schreibt Klemens in seinem erwähnten Buch: „Die [von der Sekte] des Basilides feiern auch den Tag seiner Taufe mit vorhergehender Nachtwache unter Betrachtungen. Sie sagen, es sei im 15. Jahr des Kaisers Tiberius, am 15. des Monats Tybi [= 10. Januar], andere wieder, am 11. desselben Monats [= 6. Januar] gewesen.“  und: „Fürwahr, einige von ihnen sagen, er sei Mensch geworden am 24. oder 25. Pharmuthi [= 19./20. April].“ Aufgrund der zuletzt zitierten Aussage gehen viele Historiker davon aus, dass dieser hier erwähnte Teil der basilidianischen Christen davon ausgingen, dass Christus am 19. oder 20. April geboren wurde. Doch hier verwendet Klemens das Wort „gegenesthai“, was „geworden“ bedeutet. Das Wort nimmt also keinen Bezug auf die Geburt Christi, sondern Bezug auf seine Empfängnis, den Zeitpunkt, an dem Christus Mensch wurde. Rechnen wir die übliche neunmonatige Schwangerschaft dazu, dann wäre Jesus Christus nach Ansicht dieser Basilidianer im Januar geboren, wofür bei ihnen nur der 6. oder der 10. Januar in Frage kam. Die Basilidianer waren sich also nicht darüber einig, wann Jesus Christus geboren sei, ob am 6. oder am 10. Januar.

21. Mai/20. Juni?

Epiphanius von Salamis zitiert in seinem 375 geschriebenen Werk Panareion aus dem Gedächtnis heraus aus einer Schrift aus den Kreisen der um 180 n. Chr. in Kleinasien wirkenden Aloger-Christen Folgendes: „Das Wort Gottes wurde geboren um das vierzigste Jahr des Augustus.“ Nach einem kurzen Kommentar zu diesem Satz teilt uns Epiphanius eine weitere Aussage aus dieser Schrift mit: „Vor den 12. Kalenden des Juni oder Juli – ich kann es nicht genau sagen – unter dem Konsulat des Sulpicius Kammarinus und Betteus Pompeianus [wurde er empfangen].“ Viele gehen deshalb auch hier davon aus, dass diese Christen die Geburt Jesu entweder für den 21. Mai oder für den 20. Juni annahmen. Dr. Ludwig Neidhart erklärt: „Die Worte „wurde er empfangen“ sind durch eckige Klammern als Einfügung des Herausgebers der hier benutzten Epiphanius-Ausgabe gekennzeichnet. Ohne diese Konjektur wären Geburtsdaten gemeint, aber die Einfügung scheint unentbehrlich zu sein, um den durch Textverderbnis entstellten Abschnitt wieder in eine logische Ordnung zu bringen. Denn Epiphanius sagt im nächsten Satz, er habe beobachtet, dass diejenigen, ‚welche den Tag der Empfängnis nennen‘, davon ausgehen, dass Christus ’nach sieben Monaten geboren‘ sei (vgl. hierzu auch Fußnote 21). Dann stellt er fest, dass vom 20. Juni bis zum 6. Januar sieben Mondmonate (zu 29,5 Tagen) weniger vier Tage sind. Epiphanius will also beweisen, dass die Aloger die Geburt in die Nähe des 6. Januars gelegt haben können. Diese Argumentation wäre aber unsinnig, wenn aus der Schrift, die Epiphanius zitiert, bereits hervorgegangen wäre, dass die Aloger die Geburt auf den 21. Mai oder 20. Juni gelegt hätten. Daher dürfte die Konjektur ‚wurde er empfangen‘ dem ursprünglichen Text entsprechen, d.h. auch hier war offenbar das angebliche Geburtsdatum Christi in Wirklichkeit als Empfängnisdatum gemeint.“[1] Wenn die Aloger den 21. Mai oder den 20. Juni als Empfängnistermin Christi betrachteten, dann nahmen sie an, dass Christus nach einer von ihnen postulierten siebenmonatigen Schwangerschaft im Dezember oder im Januar geboren sei.

20. Mai?

In seinem bereits erwähnten Buch berichtet Klemens auch von einer unbekannten christlichen Gruppe aus seiner Zeit um 200 n. Chr. Folgendes: „Es gibt aber einige, die allzu neugierig betreffs der Genesis unseres Erlösers nicht nur das Jahr, sondern auch den Tag angeben, als welchen sie … den 25. Pachon [20. Mai] nennen.“ Ebenso zogen Viele auch aus diesen Worten den Schluss, dass Klemens hier vom Geburtsdatum Christi spricht. Doch das von Klemens auch hier benutze Wort „Genesis“ bedeutet „Werdung“ und bezeichnet somit die Menschwerdung Christi, seine Empfängnis, und nicht seine Geburt; denn Mensch wird man schließlich nicht bei der Geburt, sondern bei der Empfängnis. Die von Klemens erwähnte christliche Gruppe ging also davon aus, dass Christus am 20. Mai empfangen wurde, was sich mit dem Datum 21. Mai bei den Aloger-Christen decken würde, wobei sich Epiphanius jedoch nicht mehr sicher war, ob es bei ihnen der 21. Mai oder der 20. Juni war. Ich würde vom 21. Mai ausgehen, da sich dieses Datum mit dem 20. Mai bei der unbekannten christlichen Gruppe, von der Klemens spricht, nahezu deckt, zumal diese christliche Gruppe zur selben Zeit existierte, wie die Aloger-Christen. Vermutlich ging daher auch die von Klemens erwähnte unbekannte christliche Gruppe davon aus, dass Christus 7 Monate später geboren wurde, demzufolge im Dezember; ging sie jedoch, anders als die Aloger-Christen, von einer neunmonatigen Schwangerschaft aus, wäre bei ihnen der Februar als Geburtstermin Christi zu verzeichnen. Doch aus genannten Gründen gehe ich von Dezember aus.

2. April?

Im Jahr 222 schreibt Hippolyt: „2. April Mittwoch Genesis Christi“. Auch hier gehen viele Historiker davon aus, dass Hippolyt den 2. April als Geburtsdatum Christi postulieren würde. Doch „Genesis“ bedeutet, wie bereits gesagt, „Werdung“, Empfängnis, so dass wir bei einer neunmonatigen Schwangerschaft auf Dezember/Anfang Januar kommen. Unter Bezugnahme seiner Aussage im Danielkommentar und in seinem Kommentar zur Johannesoffenbarung, wo Hippolyt vom 25. Dezember als Geburtsdatum Christi spricht, hat er den 25. Dezember im Sinn.

Fazit

Die Christen des 2. und 3. Jahrhunderts waren sich darüber einig, dass Jesus Christus im Winter, genau genommen im Dezember oder im Januar geboren sei, wobei der 25. Dezember der Favorit ist, da dieses Datum gemäß mündlicher Überlieferung innerhalb der Westkirche auf die Apostelzeit zurückgeht, und gemäß derselben mündlichen Überlieferung die Christen in Rom schon zu dieser Zeit das Geburtsfest Christi gefeiert haben.

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[1] https://www.philso.uni-augsburg.de/institute/philosophie/Personen/Lehrbeauftragte/neidhart/Downloads/AlsDieZeit.pdf

7. Der 25. Dezember nach der Bibel und Geschichte

Dr. Ludwig Neidhart weist in seinem Buch Als die Zeit erfüllt war … biblisch-historisch nach, dass Jesus Christus um den 25. Dezember herum geboren ist. Sein Buch finden Sie unter dem folgenden Link: https://www.philso.uni-augsburg.de/institute/philosophie/Personen/Lehrbeauftragte/neidhart/Downloads/AlsDieZeit.pdf

Und schließlich verweist er auf eine alttestamentliche Prophetie, „die uns exakt auf den 25. Dezember hinführt“:

„In der Neuzeit hat Paulus Cassel in der Realenzyklopädie für protestantische Theologie und Kirche[126] und ausführlicher in seinem Buch über Weihnachten als erster auf diese Prophetie hingewiesen, wobei er diese Deutung schon bei Rupert von Deutz und andeutungsweise auch bei Hieronymus vorfand.[127]

Als Christus zu den Juden sagte: ‚Reißt diesen Tempel nieder, und ich werde ihn in drei Tagen wieder aufbauen‘ (Joh 2,19), da ‚meinte er den Tempel seines Leibes‘, wie der Evangelist Johannes uns bestätigt (Joh 2,21). Daher ist der Jerusalemer Tempel ein Symbol für Christus, und somit können die Weissagungen des Propheten Haggai aus dem Jahre 520 v. Chr. über den damals gerade bevorstehenden Bau eines neuen Jerusalemer Tempels allegorisch auf Christus bezogen werden, wobei dann die Grundsteinlegung des Tempels logischerweise die Empfängnis oder Geburt Christi bezeichnen kann.

Nun ist aber bei Haggai diese Grundsteinlegung datiert mit dem gleich dreimal ausgesprochenen Datum ‚am 24. des neunten Monats‘ (Haggai 2,18; 2,10; 2,20). Der neunte jüdische Monat ist aber der Monat Kislev, der in die Zeit November/Dezember fällt. An diesem Tag ließ Gott dem Volk durch Haggai verkünden: ‚Gebt acht, was von heute an geschieht, vom vierundzwanzigsten Tag des neunten Monats, dem Tag, an dem der Grundstein zum Tempel des Herrn gelegt wurde. … Von heute an spende ich Segen‘ (Haggai 2,18–19). Am Schluss des Haggai-Buches aber wurde der damalige Tempelerbauer Serubbabel als Vorbild des Messias hingestellt, so dass die messianische Deutung auch des Baudatums als gerechtfertigt erscheint: ‚Am 24. Tag des neunten Monats erging das Wort des Herrn ein zweites Mal an Haggai: Sag zu Serubbabel, dem Statthalter von Juda: Ich lasse den Himmel und die Erde erbeben. … An jenem [oder: am selbigen] Tag – Spruch des Herrn der Heere – nehme ich dich, mein Knecht Serubbabel … und mache dich zu meinem Siegelring; denn ich habe dich erwählt‘. ‚Durch diese herrliche Verkündigung‘, kommentiert Cassel im erwähnten Lexikon-Artikel, ‚war der 24. des neunten Monats als die Feier der zeitigen und künftigen Grundsteinlegung geweiht. Der Tag des Messias, des ewigen Serubbabel, war festgestellt‘.[128]

Als daher dreihundertfünfzig Jahre später die Makkabäer den Tempel aus der Hand des Judenverfolgers Antiochus wieder befreiten und neu einweihten, taten sie dies wohl bewusst so, dass sie am 24. Kislev abends mit den Vorbereitungen fertig wurden und dann am 25. Kislev das Fest der Tempelweihe (Chanukka) feierten (1 Makk 4,50–54; 2 Makk 10,5-8), das von den Juden seither alljährlich acht Tage lang, beginnend mit dem 25. (genauer mit dem Abend des 24.) Kislev gefeiert wurde. Dieses Fest heißt noch heute die ‚jüdische Weihnacht‘ und wurde von Anfang an nicht nur in Jerusalem, sondern im ganzen römischen Reich mit illuminierten Fenstern begangen; dabei wurden Kerzen an kleinen Tempelleuchtern (Menorah) wie im Tempel, so in jedem Hause angezündet. Wie Josephus bezeugt,[129] war darum dieses Fest bereits im 1. Jahrhundert auch unter dem Namen ‚Lichter‘ (phota) bekannt.[130] … Nun konnte aber die von den Makkabäern im zweiten vorchristlichen Jahrhundert vorgenommene Tempeleinweihung nicht die tiefere Erfüllung der Haggai-Prophezeiung sein, denn die Weihe eines ewigen messianischen Tempels, der allein die volle Erfüllung sein kann, fand damals nicht statt. Der messianische Tempel ist letztlich Christus, der Messias selbst. So kann es nicht überraschen, dass uns schon im vorchristlichen Judentum die Erwartung begegnet, die Geburt des Messias werde zur Zeit der Einweihung eines neuen, messianischen Tempels erfolgen,[131] was den Gedanken nahe legen könnte, dass sein Geburtstag mit dem Tempelweihfest im Monat Kislev zusammenfallen wird.

Wenn also der Evangelist Lukas, wie Joseph Ratzinger (Papst Benedikt XVI.) und Bo Reicke wohl mit Recht annehmen, die Geburt Jesu durch hintergründige Anspielungen auf das Tempelweihfest datiert hat,[132] hat er bei seinen jüdischen Lesern möglicherweise an bereits Bekanntes angeknüpft, und auch die Christen könnten – selbst wenn sie die Andeutungen bei Lukas übersahen – aufgrund der Haggai-Prophezeiung bewogen worden sein, Christi Geburt auf den 24. oder 25. des neunten Monats zu verlegen, was auch tatsächlich geschah. Dabei kam man jedoch zu verschiedenen Ergebnissen je nach dem benutzten Kalender. So erklärt Cassel z.B., wie man in Ägypten auf des Datum 25. Pachon (= 20. Mai) kam: der Pachon war nämlich der neunte Monat der Ägypter. Wenn aber nun die messianische Deutung des Haggai-Datums berechtigt ist, so wäre dort nahe gelegt, dass Christi Geburtstag der 24. Tag des jüdischen neunten Monats Kislev sein sollte. Meines Wissens hat noch niemand nachgeprüft, auf welches julianische Kalenderdatum man dann käme. Ausgehend von obigem Ergebnis, dass Jesus um die Jahreswende 5/4 v. Chr. geboren ist, würde uns die Prophetie auf den 24. Kislev 5 v. Chr. als Geburtstag Jesu führen. Nach den Tabellen bei Parker-Dubberstein fiel der 1. Kislev des Jahres 5 v. Chr. auf den 2. Dezember, und somit war ausgerechnet in jenem Jahre tatsächlich der 24. Kislev gleich dem 25. Dezember.[133]“

Die jüdische Weihnacht am 25. Kislew (Alter Bund) ist in der christlichen Weihnacht am 25. Dezember (Neuer Bund) erfüllt.“

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[126] Real–Encyklopädie für protestantische Theologie und Kirche, Band 17, Ausgabe 1863, S. 588–594.

[127] Vgl. Cassel, Weihnachten, S. 110–111 und S. 114.

[128] Real-Encyklopädie für protestantische Theologie und Kirche, Band 17, Ausgabe 1863, S. 591.

[129] Josephus, Jüd. Alt. 12,8,7.

[130] Vgl. auch Mahler, S. 422–425.

[131] In Kap. 90,28–37 des Henochbuches (verfasst in Palästina im 2. Jh. v. Chr.) heißt es, dass am Ende der Weltgeschichte das alte „Haus“ (= der alte Tempel) durch ein neues ersetzt wird, und nachdem sich alle „Schafe“ (= Gläubige) im neuen „Haus“ versammelt haben, wird ein „weißer Farre“ (= der Messias) geboren (Kautzsch, Apokryphen, Band 2, S. 297f).)

[132] Vgl. Ratzinger (Papst Benedikt XVI.), Lob der Weihnacht, S. 41: „Lukas hat in seiner Kindheitsgeschichte eine Chronologie von tiefer symbolischer Bedeutung ausgebreitet, durch deren Datierungen er die Geburt Jesu eben in das Chanukka–Fest, in die Nacht der Lichter hineinlegt, die so zum christlichen Weihnachtsfest geworden ist“. Ähnlich Bo Reicke, S. 329–331 (siehe Fußnote 123).

[133] Die Gleichung 24. Kislev = 25. Dezember trifft durchschnittlich nur etwa alle dreißig Jahre zu; zwischen 43 v. Chr. und 5 v. Chr. war der 24. Kislev stets auf andere Dezembertage gefallen. Genauer begann nach den Tabellen von Parker-Dubberstein der 24. Kislev des Jahres 5 v. Chr. am 24. Dezember abends mit Sonnenuntergang und endete am Abend des 25. Dezember. Dies stimmt exakt (!) mit der christlichen Tradition überein, wonach Christus in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember geboren ist. Die Geburt inmitten der Nacht (zur Mitternachtsstunde) sah man vielfach in Weish 18,14–15 prophetisch angedeutet: „Denn als tiefes Schweigen alles umfing und die Nacht in ihrem schnellen Laufe bis zur Mitte vorgerückt war, da sprang dein allmächtiges Wort vom Himmel her, vom königlichen Thron, … mitten in das dem Verderben geweihte Land.“ – Der 24. Dezember 5 v. Chr. war übrigens ein Sonntag, der 25. ein Montag.

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