Der Altar – Von Abraham bis zu den Kirchenvätern

Ein Sakrament ist ein von Christus eingesetztes sichtbares und mit den Sinnen wahrnehmbares Zeichen seiner Gnade und seines Wirkens. Das Konzil von Florenz verkündete, die Sakramente „enthalten die Gnade und teilen sie denen mit, die sie würdig empfangen“ (DS1310). Die Eucharistie, das allerheiligste Altarssakrament, ist die Krone der Sakramente, da der Herr dort nicht bloß wirkt sondern selbst gegenwärtig ist, in den Gestalten von Brot und Wein.

Christus zeigt seine Gegenwart in vielen Formen. „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20). Und vor allem aber im lebendigen Sakrament seines Leibes und Blutes1, der heiligen Eucharistie: „Mein Leib ist wahrhaft eine Speise und mein Blut ist wahrhaft ein Trank“ (Joh 6,55). Dieses Sakrament steht durch seinen Opfercharakter im direkten Zusammenhang mit dem Altar. Wir beginnen die Betrachtung dahingehend im Alten Testament.

Abram, der später Abraham genannt wurde, hatte eine ganz besondere Beziehung zu Gott, denn „er wurde Freund Gottes genannt“ (Jak 2,23). Ein Kennzeichen dieser engen Verbindung zu Gott waren die Altäre die Abram dem Herrn zu Ehren errichtet hat. „Und der HERR erschien Abram und sprach: Deiner Nachkommenschaft will ich dieses Land geben. Und er baute dort dem HERRN, der ihm erschienen war, einen Altar“ (1Mo 12,7). Dort wo dem Abram der Herr Zebaoth erschienen ist, baute er ihm zu Ehren einen Altar. Im weiteren Verlauft zog der Patriarch in das „Gebirge östlich von Bethel“, und „baute dort dem HERRN einen Altar und rief den Namen des HERRN an“ (1Mo 12,8). Die Begegnung mit Gott stand dort im Zusammenhang mit dem Altar. So spricht der HERR: „Du sollst mir einen Altar aus Erde machen {…}. An jedem Ort, an dem ich meinem Namen ein Gedächtnis stifte, will ich zu dir kommen und dich segnen“ (2Mo 20,24). Gott stiftet zum Gedächtnis an seinen Namen die Altäre, die ihm errichtet werden, an denen wir seinen Segen empfangen.

Somit gelangen wir schon zur Einsetzung der heiligen Eucharistie durch unseren Herrn Jesus Christus, welcher seine Aposteln anwies: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ (1Kor 11,23). Gemeint war das vergegenwärtigte Opfer der Selbsthingabe unseres Herrn Jesus, als wohlgefälliges Opfer an Gott Vater, für unser Heil. „Denn durch ein einziges Opfer hat er die, die geheiligt werden, für immer zur Vollendung geführt“ (Hebr 10,14). Dieses Opfer vollziehen die Priester zu seinem Gedächtnis bis heute, und vergegenwärtigen dieses Opfer auf dem Altar, in dem sie dort wie Abram den Namen des HERRN anrufen (1Mo 12,8). Der Herr begegnet uns nach der Wandlung von Brot und Wein in seinen Leib und sein Blut persönlich auf dem Altar.

Im Alten Testament wurde durch den Propheten Maleachi der Neue Bund mit seiner „reinen Opfergabe“ bereits angekündigt (Mal 1,13). Dieses reine Opfer ist die heilige Eucharistie, die auch Altarssakrament genannt wird. Der Schüler des Apostels Johannes, Ignatius von Antiochien, lehrte, dass es nur eine Eucharistie und nur ein Altar gibt2, sowie, dass wenn einer sich nicht im heiligen Opferraum aufhält, so beraubt er sich selbst des Brotes Gottes3. Dieses Brot Gottes ist der Herr Jesus selbst, der sagt: „Denn das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben“ (Joh 6,33) und „Ich bin das Brot des Lebens {…}“ (Joh 6,35). Altar und Opfer stehen im Neuen Bund wie im Alten Testament in einem untrennbaren Zusammenhang. Jesus Christus, unser Herr, mahnt uns: „Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe!“ (Mt 5,23-24).

Bei der Darbringen des heiligen Messopfers, kommt es den Gläubigen zu, kraft ihres königlichen Priestertums an der eucharistischen Darbringung mitzuwirken4. Es ist aber nur dem geweihten Priester gestattet, das eucharistische Opfer zu vollziehen und Gott darzubringen, und den Heiligen Geist im eucharistischen Hochgebet anzurufen5, wodurch Brot und Wein in Leib und Blut Christi gewandelt werden. Jesus heiligt sich und uns, während die Sakramente auf dem Altar vollzogen und von dort aus gespendet werden. Denn der allerheiligste Jesus heiligt sich selbst für uns und erfüllt uns mit jeglicher Heiligung6, denn wir sind „durch die Hingabe des Leibes Jesu Christi geheiligt – ein für alle Mal“ (Hebr 10,10). Den Leib des Herrn darf nach Justin dem Märtyrer nur empfangen, „wer unsere Lehren für wahr hält, das Bad zur Nachlassung der Sünden empfangen hat und nach den Weisungen Christi lebt“7, so dass man laut Kirchenvater Gregor von Nazianz „zuerst ein würdiges Mitglied der Kirche sein muss, um an den Altar treten zu dürfen“8.


  1. Enzyklika de Eucharistia, Punkt 6
  2. Ignatius, An die Philadelphier, Kap. 4
  3. Ignatius, An die Epheser, Kap. 3
  4. Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution über die Kirche: Lumen Gentium, 10
  5. Enziklika de Eucharistia, Punkt 28
  6. Dyonisius Aeropagita, Kirchliche Hierachien, Kap. 4
  7. Justin der Märtyrer, Erste Apologie, Kap. 66
  8. Gregor von Nazianz, II. Reden, 111
Themen:
Ex-Protestant und jetziger Katholik. Mit besonderer Liebe zur heiligen Eucharistie, dem Sakrament der Liebe Gottes.

1 Kommentar

  1. Karin Marte
    9. Januar 2022 - 18:02

    Sehr geehrter Herr Gordon Haupt,

    danke🙏

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