Das Beichtsakrament

Freikirchliche Lehrer und Prediger behaupten manchmal, dass das Beichtsakrament in der Bibel nicht bezeugt sei. Es sei von der Katholischen Kirche erfunden worden, um die einfachen Katholiken unter ihrer Kontrolle zu halten, über sie Macht auszuüben und sie an einer persönlichen Beziehung mit Jesus zu hindern, dem sie ihre Sünden frei bekennen könnten. Jedoch ist im Neuen Testament weder eine „persönliche Beziehung mit Jesus“ zu verzeichnen, noch eine freie Beichte!

Die Heilige Schrift zeigt uns jedoch genau, wie der wahre Christ seine Sünden vergeben bekommt. Dazu reicht auch das protestantische Sola Fide nicht aus. Man wird nicht allein aus Glauben gerettet, sondern zugleich durch Werke. Man muss auch den eigenen Willen einsetzen und handeln, und zwar mitunter die Sünden bekennen:

“Bekennen wir unsere Sünden, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden erlasse und rein mache von allem Unrecht.” (1Joh. 1,9) 

Es gilt also Rettung aus Glaube und Werke, und nicht aus Glauben allein! Und ein Werk zur Rettung ist: Bekennen der eigenen Sünden. Und wie das funktioniert, sagt uns die Heilige Schrift. Jesus Christus sagte zu seinen Aposteln:

“Nochmals sprach Jesus zu ihnen (den Aposteln): ‘Friede sei euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich auch euch.’ Nach diesen Worten hauchte er sie an und sprach zu ihnen: ‘Empfangt den Heiligen Geist! Deren Sünden ihr nachlasst, denen sind sie nachgelassen; deren Sünden ihr behaltet, denen sind sie behalten.” (Joh 20,21-23)

Der HERR gab seinen Aposteln den Heiligen Geist speziell zur Vollmacht der Sündenvergebung, während Er ihnen nach Apg 2,1-4 später die allgemeine Gabe des Heiligen Geistes zukommen ließ (Firmung), die alle Gläubigen empfangen (vgl. Apg 8,14-17). Die Vollmacht der Sündenvergebung durch Christi Einhauchen des Heiligen Geistes bekam hingegen sonst kein anderer! Sie wird, von den Aposteln ausgehend, bei jeder Bischofsweihe, die durch Handauflegung erfolgt, von Generation zu Generation einfach automatisch weitergegeben, weshalb der hl. Apostel Matthäus zwischen 55 und 65 n. Chr. bezeugt:

„Als die Leute das sahen, erschraken sie und priesen Gott, der den Menschen (Plural!) eine solche Vollmacht [Vollmacht der Sündenvergebung] gegeben hat.“ (Mt 9,8)

Hier wird also bezeugt, dass es Menschen gibt, die, seither Christus den Aposteln den Heiligen Geist eingehaucht hat, die Vollmacht der Sündenvergebung besitzen, was ebenso der hl. Apostel Paulus im Jahr 55 bezeugt:

“Aber das alles kommt von Gott, der … uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat.” (2Kor 5,18)

Die in Mt 9,8 und hier in 2Kor 5,18 bezeugten Menschen besitzen also den in Joh 20,21-23 vom Herrn aufgetragenen Dienst der Versöhnung; sie haben durch den Heiligen Geist die Vollmacht erhalten, die Sünden anderer zu vergeben und sie dadurch mit Gott zu versöhnen oder ihnen ihre Sünden zu behalten und dadurch nicht mit Gott zu versöhnen. Allein die Möglichkeit, dass Sünden auch behalten werden können, zeigt schon deutlich, dass Sünden nicht aus Glauben allein vergeben werden. Wie hätten sonst die Apostel die Sünden jemandem behalten können?

Da die Apostel nach Apg 1,20 Bischöfe sind, werden alle Bischofsanwärter diese spezielle sowie die restlichen Apostel-Vollmachten bei ihren Weihen seitens Bevollmächtigter per Handauflegung (vgl. Apg 6,6; 1Tim 5,22; 4,14) tatsächlich erhalten haben! Diese hier an diesen aufgelisteten Stellen bezeugte Handauflegung zur Diakon- und Bischofsweihe ist nun, wie oben schon aufgezeigt, nicht mit der in Apg 8,14-17 und 19,6 bezeugten Handauflegung zur allgemeinen Geistspendung (Firmung) zu verwechseln, welche jeder Gläubige erhält; denn die erstgenannte Handauflegungspraxis zur Bischofsweihe zur Weiterführung des Apostelamtes nimmt unter anderem Bezug zum speziellen Geistempfang für eben die in Joh 20,21-23, 2Kor 5,18 und Mt 9,8 genannte apostolische Sündenvergebungspraxis, wohingegen die zweitgenannte Handauflegungspraxis in Bezug zum allgemeinen Geistempfang aus Apg 2,1-4 steht, so dass diejenigen, die nur den allgemeinen Geistempfang aus Apg 2,1-4, 8,14-17 und 19,6 erhalten, keine Vollmacht der Sündenvergebung besitzen, sondern nur die Bischöfe, die sukzessiv, mittels besagter spezieller Handauflegung (Bischofsweihe) direkt auf die Apostel zurückgehen. Als Beispiel sei der Bischof Timotheus angeführt, der nach 1Tim 4,14 und 2Tim 1,6 zweimal den Heiligen Geist empfangen hat, nach 2Tim 1,6 durch Paulus, und nach 1Tim 4,14 von mehreren Bischöfen. Die erstgenannte Geistspendung war die allgemeine Geistspendung, die Paulus auch nach Apg 19,6 noch weiteren Personen spendete; und die zweitgenannte Geistspendung geschah zur Bischofsweihe durch die Bischöfe. Dabei wurden dem Timotheus alle apostolischen Vollmachten übertragen.

Schauen wir uns in diesem Zusammenhang Jak 5,14-15 an; dort lesen wir, dass nur die Bischöfe die Vollmacht zur Krankensalbung besitzen. Im Zusammenhang mit der bischöflichen Krankensalbung wird hier die Sündenvergebung genannt, die somit, in diesem Kontext, und im Zusammenhang mit Joh 20,21-23, 2Kor 5,18 und Mt 9,8 durch die erwähnten Bischöfe erfolgt:

„Ist jemand unter euch krank, dann rufe er die Presbyter der Gemeinde zu sich. Sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das Gebet des Glaubens wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten; wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben.“ – Vergeben vom Heiligen Geist durch eben die hier wirkenden Bischöfe! 

Was dann ab Vers 16 kommt, hat damit, was die Bischöfe tun, nichts mehr zu tun, sondern nur noch mit dem Laienapostolat:

„Bekennt einander die Sünden und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet.“

Dass dies nichts mit der zuvor genannten besonderen Aufgabe der Bischöfe zu tun hat, zeigt die Tatsache, dass nicht die Laien für die Spendung der Krankensalbung im Zusammenhang mit der Sündenvergebung genannt und dafür bestimmt sind, sondern die Bischöfe! Hier wird lediglich die die Bischöfe unterstützende Funktion der Laien aufgezeigt:

  1. Die Laien sollen die Bischöfe im Hinblick auf deren Spendung der Krankensalbung mit ihrem Gebet unterstützen, damit Gott den Kranken gnädig ist und sie mittels der durch die Bischöfe gespendete Krankensalbung heilt.
  2. Das Bekennen der Sünden bezieht sich dem Vers nach auf die jeweiligen Kranken selbst, die gesund werden sollen. Sie sollen ihre Verfehlungen, die sie gegen ihre Glaubensgeschwister begangen haben, diesen gegenüber bekennen, damit ihnen Gott gnädig wird und sie durch die von den Bischöfen gespendete Krankensalbung im Zusammenhang mit der Sündenvergebung heilt.

Zu einer Genesung tragen also folgende Dinge bei:

  1. Die Krankensalbung durch die Presbyter in Verbindung mit ihrer Spendung der Sündenvergebung,
  2. die offene Versöhnung der Kranken mit jenen, denen sie Unrecht getan haben, und
  3. das unterstützende Gebet der Gläubigen.

Die Sündenvergebung durch die Apostel/Bischöfe erfolgte von ihrer Seite nun nicht einfach so, sondern dazu gehörte das Sündenbekenntnis von Seiten dessen, der seine Sünden von Gott durch die Apostel/Bischöfe vergeben wissen wollte:

„Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.“ (1Joh 1,9) 

Da also die Bischöfe vom Herrn die Vollmacht zur Sündenvergebung erhalten haben, und die Gläubigen zwecks Sündenvergebung ihre Sünden bekennen mussten, so liegt es auf der Hand, dass Letzteres vor den sündenvergebenden Bischöfen stattgefunden hat. Schließlich gab der Herr den Bischöfen besagte Vollmacht nicht zur Zierde, sondern zur Anwendung und Praktizierung innerhalb seiner Kirche als Dienst an den Gläubigen und füreinander. Denn nicht nur die einfachen Gläubigen haben zwecks Sündenvergebung vor den bevollmächtigten Bischöfen ihre Sünden bekannt, sondern die Bischöfe auch selbst untereinander, weshalb der hl. Apostel Johannes nicht „Wenn ihr aber eure Sünden bekennt“ schreibt, sondern: „Wenn wir aber unsere Sünden bekennen“. Er schließt sich als Bevollmächtigter hier nicht aus! Da nun Johannes und der hl. Petrus enge Mitarbeiter waren, wie die Apostelgeschichte zeigt, wird er zu Petrus‘ Zeiten seine Sünden vor ihm bekannt haben, woraufhin Petrus ihm mittels seiner erhaltenen Vollmacht die Sünden nachließ; und Petrus seinerseits wird seine Sünden vor Johannes bekannt und sie von ihm nachgelassen bekommen haben.

So sehen wir, wie die Aussagen des Neuen Testaments zum Thema Sündenvergebung wie Puzzleteile wunderbar miteinander korrespondieren, einander ergänzen und ein großes und ganzes Bild ergeben. Alles andere hingegen, wonach man jeden beliebigen Vers zu einem Thema nur für sich selbst betrachtet, unabhängig von den anderen thematisch dazu gehörigen Versen, und dadurch zu völlig falschen Schlüssen kommt, ist unbiblische Theologie, die unzählige Irrlehren produziert, mit denen dann die Unwissenden und Ungebildeten irregeführt werden. 

Das Sündenbekenntnis des Sünders vor einem Bischof war in diesem biblischen Zusammenhang besonders deshalb notwendig, damit der jeweilige Bischof wissen konnte, ob er gemäß diesem Auftrag Christi dem Betreffenden dessen Sünden vergeben könnte oder eben auch nicht:

„Deren Sünden ihr nachlasst, denen sind sie nachgelassen; deren Sünden ihr behaltet, denen sind sie behalten.” 

Das „Behalten“ zeigt hier nämlich an, dass es die Option gibt, dass der bevollmächtigte Bischof die Sünden des Sünders nicht nachlässt, was ja im zweiten Teil des Satzes ausdrücklich gesagt wird. Dies setzt voraus, dass es zu einer Entscheidung kommt, und dies wiederum, dass den von Gott eingesetzten Bischöfen die Sünden bekannt gegeben werden. Nur so können sie das von Christus gewiesene Urteil über die jeweiligen Sünder fällen. Und nur so konnten die Bischöfe entscheiden, ob sie den Sündern ihre Sünden mittels der ihnen von Christus gegeben Vollmacht nachlassen konnten oder nicht, letzteres, wenn die betreffenden Sünder keine Reue und keinen Willen zur Besserung, zur Heiligung, zeigten. Denn es gibt ja einige, die es damit nicht ernst meinen, sondern ihre Sünden nur deshalb immer wieder vergeben wissen wollen, um willentlich weiter zu sündigen. Hier waren die Bischöfe verpflichtet, solchen Gläubigen die Sünden zu behalten, bis sie die nötige Reue und den Willen zur Heiligung zeigten, ohne die niemand zur Anschauung Gottes gelangen wird: 

„Jagt dem Frieden mit allen und der Heiligung nach, ohne die niemand den Herrn schauen wird.“ (Hebr 12,14)

Ohne Reue und den Willen zur Heiligung keine Sündenvergebung! Hier ein Beispiel zur Verdeutlichung:

Ein Redemptoristen-Pater erzählte einem Bekannten von einem Beichtenden, der immer wieder zu ihm kam, und ihm jedes Mal beichtete, dass er wieder seine Frau mit einer anderen betrogen hat. Da der Pater trotz Ermahnungen bei dem Mann keinen Willen zur Änderung und zur Besserung sah, verweigerte er ihm beim fünften Mal die Absolution!

Und so ist es dann verständlich, dass Paulus in seinem zweiten Korintherbrief versuchte, in den Korinthern Reue und Willen zur Heiligung zu wecken und sie daher zur Beichte zu bewegen, indem er ihnen schrieb:

“Aber das alles kommt von Gott, der … uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat … So sind wir nun Gesandte an Christi Statt, indem Gott gleichsam durch uns mahnt. An Christi Statt bitten wir: Lasst euch versöhnen mit Gott.” (2Kor 5,18-20) 

„Lasst euch versöhnen mit Gott“ – und zwar von ihnen, den bevollmächtigten Bischöfen, die den Dienst der Versöhnung inne hatten!

Da nun die Kirche Christi gemäß Mt 16,18 mit dem Tod der Apostel nicht geendet hat, sondern bis zur Wiederkunft Christi weiterbesteht, so liegt es auf der Hand, dass die apostolische, sakramentale Sündenvergebung innerhalb derselben Kirche bis heute von Generation zu Generationen an jeden Bischofsanwärter bei dessen Bischofsweihe durch die sukzessive Handauflegung Bevollmächtigter automatisch weitergegeben wird, damit die Gläubigen aller Zeiten jene selbe Gnade der Sündenvergebung erhalten, die die Christen des ersten Jahrhunderts auf besagte Weise erhalten haben. Das bestätigt auch Mt 28,20:

“Seht, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt!” 

Die Apostel – nach Apg 1,20 Bischöfe – wird es somit bis zum Ende der Welt, bis zur Wiederkunft Christi zum Jüngsten Gericht, geben. Mit ihnen bleiben alle apostolischen = bischöflichen Vollmachten erhalten. Wer also seine Sünden vergeben wissen will, der gehe zu ihnen und bekenne sie vor ihnen und erhalte von ihnen die Absolution!

Beichte bei x-beliebigen Glaubensgeschwistern?

Aber schauen wir uns ein paar Stellen noch einmal genau an:

Nach Apg 1,20 ist das Bischofsamt das Apostelamt. Die Bischöfe, von denen das Neue Testament spricht, sind somit nichts anderes als Apostel, weshalb der Herr nach Mt 28,20 zu seinen Aposteln (Bischöfen) sagen konnte, er würde bis zum Ende der Welt bei ihnen bleiben. Und diese haben nach Joh 20,22-23 von Jesus Christus die Vollmacht der Sündenvergebung bekommen:

„Nach diesen Worten hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Deren Sünden ihr nachlasst, denen sind sie nachgelassen; deren Sünden ihr behaltet, denen sind sie behalten.“

Und das steht in direkter Verbindung mit 1Joh 1,9:

„Bekennen wir unsere Sünden, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt.“

Wenn also der Heilige Geist durch die Bischöfe den Gläubigen ihre Sünden vergibt, dann setzt das gemäß 1Joh 1,9 voraus, dass jene sie unmittelbar zuvor vor den Bischöfen gebeichtet (bekannt) haben, da ohne ein Bekenntnis eine Vergebung nicht möglich ist. Ohne Bekenntnis kann der Bischof kraft seiner ihm von Christus gegebenen Vollmacht keine Vergebung aussprechen, denn woher soll er auch die zu vergebenden Sünden wissen? Er muss demjenigen in solchem Fall seine Sünden behalten:

„… deren Sünden ihr behaltet, denen sind sie behalten.“

Man konnte also nicht kommen und einfach sagen: „Lieber Bischof (o. Apostel) Petrus, bitte lass mir kraft deiner Vollmacht meine Sünden nach!“, nein, man hatte sie vorher zu bekennen!

Um nun scheinbiblisch Joh 20,22-23 sowie 1Joh 1,9 zu entkräften, halten viele insbesondere freikirchliche Protestanten Jak 5,16 dagegen:

„Bekennt einander die Sünden …“

Steht es hier nicht schwarz auf weiß, dass es zur Vergebung der Sünden keine Bischöfe benötigt, weil man die eigenen Sünden zwecks ihrer Vergebung vor den gewöhnlichen Glaubensgeschwistern beichten bzw. bekennen kann? Eben nicht, da dieser Teil aus dem textlichen und gesamtbiblischen Kontext herausgerissen und für sich allein dargestellt und auf diese Weise unbiblisch gemacht wird, so dass er aus dem Kontext gerissen eine gänzlich andere Aussage bietet, als innerhalb des biblischen Kontextes! Der textliche Kontext ist nämlich der Folgende:

„[14]Ist jemand unter euch krank, dann rufe er die Presbyter der Gemeinde zu sich. Sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. [15]Das Gebet des Glaubens wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten; wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben. [16]Bekennt einander die Sünden und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet.“ (Jak 5,14-16)

Die Verse 14 und 15 sprechen von der von Christus in Mk 6,12 und Lk 9,2.6 initiierten Krankensalbung der kranken Gläubigen durch die „Presbyter“, die in der Schrift auch „Bischöfe“ genannt werden. Die Krankensalbung, die von den „Bischöfen“ durchgeführt wird, bewirkt die Stärkung des Kranken, seine Aufrichtung und die Vergebung seiner Sünden. Das, was dann in Vers 16 folgt, hat damit nichts zu tun, da wir in Vers 14-15 gelesen haben, dass die die Kranken aufrichtende und ihnen ihre Sünden vergebende Krankensalbung von den „Bischöfen“ und nicht von gewöhnlichen Gläubigen durchgeführt wird. Vers 16 beschreibt lediglich die nebenher zu geschehende unterstützende Funktion der Gläubigen:

  1. Sie sollen die „Bischöfe“ im Hinblick auf die Aufrichtung der Kranken mit ihrem gesonderten Gebet unterstützen, damit Gott den Kranken gnädig ist, und sie durch die von den „Bischöfen“ gespendete Krankensalbung gesund macht.
  2. Die in Vers 16 gemeinten Laien sollen sich gegenseitig die Sünden bekennen, und zwar nicht zwecks Sündenvergebung, da diese gemäß Vers 15 durch die von den Bischöfen erfolgte Krankensalbung geschieht, sondern, wie wir lesen, zwecks eigener Genesung: „Bekennt einander die Sünden …, damit ihr geheilt werdet. Hier geht es also um eine persönliche Versöhnung des Kranken mit jenen Geschwistern, gegen die er gesündigt hat; dafür soll er ihnen seine Sünden, die er gegen sie begangen hat, bekennen. Gott will, dass sich der kranke Gläubige mit seinen Mitmenschen, gegen die er gesündigt hat, versöhnt:

„Wenn du daher deine Gabe zum Altar bringst und dich dort erinnerst, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe dort vor dem Altar und geh zuerst hin und versöhne dich mit deinem Bruder und dann komm und opfere deine Gabe! Verständige dich mit deinem Gegner ohne Zögern…“ (Mt 5,23-25).

Vers 16 spricht also nicht von einer angeblichen Beichte gegenüber x-beliebigen Gläubigen, sondern vom Ablass, d.h. vom Nachlass zeitlicher Sündenstrafen, in diesem Fall vom Nachlass der zeitlichen Sündenstrafe, bei der es sich um eine schwere Krankheit handelt. Dieser Ablass kann dadurch gewonnen werden, dass sich der kranke Gläubige ehrlichen und reuevollen Herzens mit all denjenigen versöhnt, denen er Unrecht getan hat.

Und so sehen wir, dass der erste Teil von Jak 5,16 keineswegs der durch Joh 20,22-23 und 1Joh 1,9 bezeugten Beichte widerspricht und diese aufhebt, sondern einen gänzlich anderen Sachverhalt anspricht: die Gewinnung eines Ablasses durch eine persönliche Versöhnung mit denjenigen, denen man Unrecht getan hat.

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