Darf man zu den Heiligen im Himmel sprechen?

In meinem Text “Darf man zu den Engeln und Heiligen beten?” schreibe ich über unser Gebet zu den Engeln und Heiligen, in dem wir Christen sie genauso um ihre Hilfe und Fürsprache bitten, wie wir einander um Hilfe und Fürsprache bitten, weil wir gemäß der Schrift Helfer und Fürbitter/-sprecher benötigen, weshalb ja schon der Apostel Paulus andere Christen um ihre Hilfe und Fürsprache/-bitte gebeten hat.

In diesem Text geht es nun speziell um die Frage, ob wir Christen zu den Heiligen im Himmel sprechen dürfen. Dürfen wir also zu den Heiligen sprechen?

Die Antwort: Ja! Denn diese Praxis, die wir heutigen Katholiken praktizieren, geht in der Tradition zurück auf die erste Generation der Christen. Die zweite Generation der Christen hat diese Praxis von der ersten übernommen, die dritte von der zweiten, die vierte von der dritten, die fünfte von der vierten usw. bis heute. Und so sprechen wir zu den Heiligen Gottes noch heute.

Diese Praxis wird, anders als die Bittpraxis, auch im Neuen Testament bezeugt, welches nur einen kleinen Teil der christlichen Praxis unter den Aposteln bezeugt. Es heißt nämlich in Jak. 5,10-11:

“Nehmt, Brüder, als Vorbild der Geduld und Beharrlichkeit die Propheten, die im Namen des Herrn geredet haben. Seht, wir preisen sie glückselig, die ausgeharrt haben.”

Hier wird also bezeugt, dass die erste Generation der Christen die Heiligen im Himmel gepriesen hat. Sie sagten also nicht einfach zum Schein: “Wir preisen sie glückselig!”, ohne es dann aber getan zu haben; denn diese Aussage – “Wir preisen sie glückselig!” – wäre ja dann nur ein Bekunden eines Aktes gewesen, der aber tatsächlich nicht praktiziert worden wäre! Wenn also Jakobus den Akt bekundet, so wurde der Akt von den ersten Christen auch wirklich durchgeführt. Und diesen Akt, den Jakobus bekundet und den schon die erste Generation der Christen durchgeführt hat, möchte ich am Beispiel der hl. Elisabeth vorführen, damit wir uns ihn vor Augen führen können:

“… und Elisabeth wurde erfüllt von Heiligem Geist, erhob laut ihre Stimme und rief: ‘Gebenedeit bist du unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes!” (Lk. 1,41-42)

In dieser Form wurden die Heiligen im Himmel von der ersten Generation der Christen also gepriesen, also mit direkter Anrede! Was wäre das wohl für ein Lobpreis Gottes, wenn wir bloß sagten: “Gott sei gepriesen!”? Das wäre kein Preisen Gottes, sondern ein Ausdruck unseres Wunsches, dass Gott gepriesen sei! Und was wäre das wohl für ein Lobpreis Gottes, wenn wir bloß sagten: “Wir preisen Gott!”? und tun es nicht! Was wäre das also für ein Preisen der Heiligen gewesen, wenn die ersten Christen nach dieser Art gesagt hätten: “Die Heiligen seien glückselig gepriesen!” oder “Wir preisen die Heiligen glückselig!”? Das eine ist weder ein Preisen Gottes noch das andere ein Preisen der Heiligen! Das Preisen Gottes und der Heiligen geschieht also nur in direkter Anrede, da es keine andere Weise des Preisens gibt, als mit direkter Anrede! Alles andere ist, wie oben aufgezeigt, entweder nur ein Bekunden dieses Aktes, den man tut, oder eine Äußerung des Wunsches, dass dieser Akt praktiziert würde!

Die ersten Christen unter den Aposteln sprachen also nicht nur zu Gott, sondern auch zu seinen Heiligen im Himmel, was enthüllt, dass die Christen unter der Leitung der Apostel keine Protestanten waren, die die Heiligen abgelehnt und nicht zu ihnen gesprochen hätten, sondern Katholiken, die die Heiligen Gottes geliebt und gepriesen und somit direkt angeredet haben.

Das Reden zu den Heiligen bestand also von Anfang an, von Apostelzeiten an, und ist somit keine Erfindung der katholischen Kirche, sondern ein “Produkt” des Heiligen Geistes.

Wenn also die Christen unter den Aposteln zu den Heiligen im Himmel geredet haben, so haben sie sich gewiss nicht davor gescheut, sie auch um ihre Hilfe und Fürbitte/-sprache zu bitten, da sie doch gemäß Jak. 5,16 wussten, dass das Gebet eines Gerechten für andere viel vermag. Dies werden sie sich nicht entgehen lassen haben!

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