Darf man den Papst „Vater“ nennen?

Der oberste Hirte der katholischen Kirche wird „Papst“ = „Vater“, auch „Heiliger Vater“, genannt. Manche protestantische Lehrer und Prediger bezeichnen das als Gotteslästerung und berufen sich dabei auf Jesu Worte in Mt 23,9:

„Auch Vater nennt niemanden auf Erden, denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel.“

Doch gleichzeitig machen die besagten Lehrer und Prediger eine Ausnahme: Man dürfe nur seinen leiblichen Vater „Vater“ nennen. Diese Ausnahme machen sie allein aus dem Grund, weil sie selbst ihre leiblichen Väter „Vater“ nennen und so nennen wollen, obwohl dies das Wort Jesu nach ihrer Auslegungsmethode eigentlich auch verbietet. Denn entweder liest man das Herrenwort im absoluten Sinn, oder man versucht den eigentlichen Sinn der Worte zu erfassen. Oft rechtfertigen sich dann aber besagte Lehrer und Prediger, indem sie darauf verweisen, dass Jesus hier ausschließlich eine geistliche Vaterschaft meine und nicht die biologische.

Stellen wir diese Aussage Jesu jedoch in den biblischen Kontext, dann sehen Seine Worte ganz anders aus; denn es gibt in den Paulusbriefen eine Stelle, die diese Aussage des Herrn erklärt. Paulus schreibt:

„Daher beuge ich meine Knie vor dem Vater, von dem jede Vaterschaft [patria] im Himmel und auf Erden ihren Namen hat.“ (Eph 3,14-15)

Von Gott, dem Vater, kommt also JEDE Vaterschaft im Himmel und auf Erden, und somit nicht nur die leibliche Vaterschaft, sondern auch die geistliche. Gott, der Vater, lehrt uns also, dass er der Vater im absoluten Sinn ist, während alle Väter im Himmel und auf Erden, ob leibliche oder geistliche, ihre Vaterschaft von ihm, dem einzig wahren Vater, haben. Das heißt: Wenn Jesus, der Herr, also anordnet, NIEMANDEN auf Erden „Vater“ zu nennen, dann meint Er auf dieser biblischen Basis, NIEMANDEN auf Erden „Vater“ im absoluten Sinn zu nennen, weder den eigenen leiblichen Vater, wie das beispielsweise die Atheisten tun, noch einen geistlichen Vater. Da wir Katholiken unsere Väter nie „Vater“ im absoluten Sinn nennen, so entsprechen wir den biblisch gemeinten Worten Jesu! Ob dies besagte Lehrer und Prediger auch so tun wie wir, müssen sie selbst für sich beurteilen und dann für sich entsprechende Konsequenzen ziehen. Uns Katholiken sollten sie aber nicht nach ihrem ganz eigenen Verständnis beurteilen!

Nun zur geistlichen Vaterschaft: Der Apostel Johannes schreibt:

„Es gibt für mich keine größere Freude, als zu hören, dass meine Kinder in der Wahrheit wandeln.“ (3Joh 4)

Die Apostel und ihre in der Schrift nachgewiesenen Nachfolger, die Bischöfe, sind demzufolge geistliche Väter ihrer ihnen von Gott anvertrauten Gläubigen. Diese ihre geistliche Vaterschaft haben sie von Gott, dem Vater, empfangen, weshalb sie geistliche Väter sind. Somit sind unser sichtbares Kirchenoberhaupt, unsere Bischöfe und unsere Priester unsere geistlichen und heiligen Väter, während wir ihre geistlichen und heiligen Kinder sind, da wir und sie als Christen in der Heiligen Schrift als „Heilige“ bezeichnet werden:

„Als Auserwählte Gottes, als Heilige und Geliebte zieht also an herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Sanftmut und Langmut.“ (Kol 3,12)

Und so darf jeder Vater seine Kinder „Kinder“ und jedes Kind seinen Vater „Vater“ nennen, solange sie das nicht im absoluten Sinn tun. Und so lösen sich alle auf Mt 23,9 bezogenen Aussagen besagter Lehrer und Prediger in Nichts auf!

Weiterführender Text mit noch mehr bedeutenden und wichtigen Aspekten: Ist es schriftwidrig, einen Menschen „Vater“ zu nennen?: https://www.philso.uni-augsburg.de/institute/philosophie/Personen/Lehrbeauftragte/neidhart/Downloads/VaterNennen.pdf

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