Beten zu den Engeln und Heiligen

Als “Gebet” bezeichnen wir Katholiken nicht nur unsere an Gott gerichteten und gesendeten Worte, sondern auch die Worte, die wir an seine Engel und Heiligen richten. Dabei unterscheiden wir also gemäß der Lehre der Kirche zwischen dem Gebet zum Herrn (Gott) und dem Gebet zu seinen Engeln und Heiligen (Geschöpfe). Und somit sind wir nicht Götzenanbeter, wie uns Protestanten unterstellen, sondern einerseits Anbeter Gottes, dem wir also die Anbetung zukommen lassen, und andererseits bloße Verehrer seiner Engel und Heiligen, denen wir nur eine bloße Verehrung zukommen lassen, in dem Sinne, wie es die Heilige Schrift bezeugt:

“Sobald Abigail David sah, stieg sie eilends nieder vom Esel herunter, warf sich vor David auf ihr Antlitz nieder und verneigte sich tief.” (1 Sam. 25,23)

“Während Obdaja unterwegs war, stand ihm plötzlich Elias gegenüber. Jener erkannte ihn, fiel auf sein Angesicht nieder und rief: ‘Bist du es wirklich, mein Herr Elias?” (1 Kön. 18,7)

“Die Prophetenjünger … erblickten ihn (den Propheten Elischa) und sagten: ‘Der Geist des Elias ruht auf Elischa.’ Sie kamen ihm entgegen und warfen sich vor ihm auf die Erde nieder.” (2 Kön. 2,15)

“Da fiel der König Nebukadnezar auf sein Angesicht nieder und huldigte dem Daniel.” (Dan. 2,46)

“Da bat er (der Kerkermeister) um Licht, ging hinein und fiel zitternd vor Paulus und Silas nieder.” (Apg. 16,29)

Diese Bibelstellen bezeugen, wie schon in biblischen Zeiten Heilige verehrt wurden, denen also keine Anbetung zuteil wurde, als man sich vor ihnen verehrend niederwarf, sondern eine bloße Verehrung. So also, wie schon die Schrift zwischen der Anbetung Gottes und der bloßen Verehrung seiner Heiligen unterscheidet, so tut dies genau so die katholische Kirche und wir, ihre Glieder.

Wenn wir also unsere Worte an Gott richten, dann tun wir es anbetend, da wir Gott vor uns haben, und nicht einen Engel oder einen Heiligen, und wenn wir also unsere Worte an Engel und Heilige richten, dann tun wir es bloß verehrend, da wir heilige Geschöpfe Gottes vor uns haben, und nicht Götter; und wenn wir unsere Worte an unsere Brüder und Schwestern auf Erden richten, dann tun wir es respektvoll, da wir geheiligte Geschöpfe Gottes vor uns haben, und nicht Götter.

Es ist bei uns Katholiken also ein wesentlicher Unterschied zwischen einem an Gott gerichteten Gebet und einem an seine Engel und Heiligen gerichteten Gebet. Wir kennen also nur das anbetende Gebet, das wir allein Gott zuwenden, und das bloß verehrende Gebet, das wir seinen Engeln und Heiligen zuwenden.

Wenn wir Katholiken nun Engel und Heilige Gottes um Hilfe und um ihre Fürsprache bei Gott bitten, dann tun wir dabei nichts anderes, als wenn wir unsere Brüder und Schwestern hier auf Erden um ihre Hilfe und Fürsprache bitten. Hier gibt es also keinen Unterschied! Wenn man also behauptet, wir würden die Engel und Heiligen anbeten, wenn wir sie um Hilfe und Fürsprache bitten, dann muss man auch sagen, dass alle, die ihre Brüder und Schwestern auf Erden um Hilfe und Fürsprache bitten, diese anbeten. Wer also behauptet, dass ein Katholik, der Engel und Heilige um Hilfe und Fürsprache bittet, diese dadurch anbete, so sagt derjenige gleichsam, dass auch der Apostel Paulus die Christen in Thessalonich angebetet hätte, da er sie nach 2 Thess. 3,1 um ihr Gebet für sich und seine Mitarbeiter gebeten hat.

Ob wir Christen in Christus also andere Christen auf Erden um ihre Hilfe und Fürsprache bitten, oder (auch) die Engel und Heiligen im Himmel, so ist das dasselbe. Es gibt hier keinen Unterschied! Der einzige Unterschied besteht darin, dass wir die Christen auf Erden, die wir bitten, objektiv wahrnehmen können, z.B. virtuell am Rechner mit Internetanschluss, während wir die Engel und die Christen im Himmel, die wir (auch) bitten, nicht objektiv wahrnehmen können. Das ist auch irrelevant, weil es bei uns Christen nicht um das objektive Wahrnehmen geht, sondern um die Verbindung zueinander in Christus Jesus durch den Heiligen Geist in Liebe!

Das heißt: Wenn wir Christen die Engel und die Heiligen Gottes um Hilfe und Fürsprache bitten, so ist das vollkommen gut und in Ordnung, weil das dasselbe ist, wenn wir hier auf Erden einander um Hilfe und Fürsprache bitten, da wir in Christus durch den Heiligen Geist nicht nur zueinander hingetreten sind, sondern auch zu den Engeln und Heiligen im Himmel:

“Ihr seid vielmehr hingetreten … zu ungezählten Engeln … zu Gott, zu den Geistern der vollendeten Gerechten und zu Jesus …” (Hebr. 12,22-24)

Da spielt es auch keine Rolle, dass das Neue Testament nicht bezeugt, dass die ersten Christen Gottes Engel und Heilige um Hilfe und Fürsprache gebeten hätten. Sie bezeugt auch nicht, dass sie es nicht getan hätten. Denn das Neue Testament ist unvollständig, wie folgende Bibelstellen belegen: Joh. 21:25, 2 Thess. 2:6-7, 2 Thess. 2:15, 2 Joh. 12 und 3 Joh. 13-14.

Diese und noch andere neutestamentliche Stellen zeigen, dass auch die Tradition gilt. Vieles, was die ersten Christen in der Realität praktiziert haben, steht nicht im Neuen Testament. Alles, was nicht im Neuen Testament bezeugt wird, ist von der zweiten Christengeneration von der ersten einfach übernommen worden, von der dritten von der zweiten, von der vierten von der dritten usw. bis heute, und so auch das Bitten um Hilfe und Fürsprache an die Engel und Heiligen Gottes gerichtet. So wir heutigen Katholiken also Engel und Heilige um Hilfe und Fürsprache bitten, so tun wir das, weil das schon die erste Christengeneration getan hat.

Wenn also die Protestanten die Engel und Heiligen Gottes nicht um ihre Hilfe und Fürsprache bitten, nur weil das Neue Testament nicht mitteilt, dass das die ersten Christen getan hätten, – es sagt ja auch nicht, das Maria gestorben ist -, dann verwerfen sie die von Gott gestiftete Tradition, nach der sie das getan haben. Sie haben sie ja gemäß Jak. 5,11 auch gepriesen und somit direkt angeredet.

Wer nun die Engel und Heiligen nicht um Hilfe und Fürsprache bittet, der bekommt auch keine Hilfe und Fürsprache von ihnen. Wer die Gottesmutter nicht um Hilfe und Fürsprache bittet, der bekommt auch keine Hilfe und Fürsprache von ihr. Und wer seine Brüder und Schwestern hier auf Erden nicht um Hilfe und Fürsprache bittet, der bekommt auch von ihnen keine Hilfe und Fürsprache.

Und wer meint, dass er keine Hilfe und Fürsprache von der Gottesmutter, den Engeln und den Heiligen benötige, da er sich mit seinen Anliegen direkt selber an Gott wenden könne, der benötigt auch keine Hilfe und Fürsprache von seinen Brüdern und Schwestern auf Erden!

Die Apostel haben jedenfalls nicht so gedacht! Sie haben nicht gedacht: “Wir können uns selber direkt an Gott wenden, also brauchen wir niemand anderes, der uns hilft und für uns bittet!” Und weil sie nicht so gedacht haben, so bat denn der hl. Apostel Paulus andere Christen immer wieder um Hilfe und Fürsprache – alles nachzulesen in seinen Briefen!

Haben wir also gemäß den Aposteln Hilfe und Fürsprache von Seiten anderer nötig, und haben wir sie den Aposteln gemäß darum zu bitten, damit uns dann auch zuteil wird, was wir wünschen, dann ist es nicht so, dass mir und Dir Gott ausreicht! Wenn also Paulus andere Christen für sich selbst und seine Mitarbeiter um Fürbitte bei Gott gebeten hat, dann wusste er, dass ihm und seinen Mitarbeitern so manches von Gott nicht gegeben würde, wenn er sie nicht um deren Fürbitte gebeten hätte, obwohl er ja selbst Gott für alle seine Anliegen gebeten hat. Das zeigt, dass Gott uns Etliches ohne die Fürbitten anderer nicht geben wird. Deshalb benötigen wir die Fürbitten anderer, damit uns Gott das, was wir von Ihm erbitten, auch bekommen, was wir von Ihm aber nicht bekommen würden, wenn andere nicht dafür mitbitten. Und je heiliger ein Christ ist, desto mehr Bitt- und Fürbittkraft hat dieser bei Gott:

“Viel vermag ja das anhaltende Gebet eines Gerechten. ” (Jak. 5,16)

Und somit ist es sehr sinnvoll, besonders die Engel und die Heiligen im Himmel um ihre Fürbitte zu bitten. Tun wir dies nicht, dann wird uns das zum Nachteil werden, weil wir ja dann “das anhaltende Gebet” der vollendeten Gerechten, der Heiligen, und der Engel, das viel vermag, nicht erhalten, so dass uns dann Etliches von Gott auch nicht zuteil wird, da mögen wir ihn selbst noch so viel bitten. Somit brauchen wir einander und die Heiligen und Engel Gottes! Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Als ich 2009 monatelang jede Nacht von Dämonen gequält wurde, bat ich Gott/Christus um Befreiung. Doch er half mir nicht. Erst als ich im Rosenkranz Maria um ihre Fürsprache gebeten habe, befreite er mich.

Zum Schluss noch eine Anekdote:

Seit einigen Jahren kenne ich einen Freikirchler, der Analphabet ist und daher immer wieder zu mir kommt und mich bittet, ihm gewisse Unterlagen auszufüllen, weil es kein anderer tun will. Weil ich barmherzig bin, erhöre ich sein Gebet und erfülle ihm seine Bitte. Ja, Sie verstehen richtig, er hat nicht Gott gebeten, dass Er ihm helfen wolle, sondern mich, weil er ganz genau wusste, dass Gott ihm seine Unterlagen – trotz eines Gebets – nicht ausfüllen wird.

Wenn die Protestanten also meinen, dass sie nur Gott bräuchten, dann befinden sie sich auf einem Holzweg! Die Hilfe, die sie benötigen, bekommen sie nicht immer von Gott direkt, sondern von Mitmenschen, z.B. beim Ausfüllen von Unterlagen für die Ämter, oder bei der Pflege, oder beim Hinaustragen des Sperrmülls, oder bei einem Umzug. Nicht Gott wird ihre Möbel mithelfen, zu tragen, sondern Mitmenschen, die sie statt Gott um Hilfe gebeten haben. Und das mindert auch nicht Gottes Ehre, immerhin hat Er ja diese Mitmenschen auch zu diesem Zweck geschaffen.

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