Beten wir Katholiken nicht zu Gott?

Innerhalb des Protestantismus sind viele der Ansicht, dass wir Katholiken Gott und Jesus Christus verdrängen und an ihre Stelle seine Mutter und die Engel und Heiligen setzen würden. Wir würden, da wir zu Maria und den Engeln und Heiligen beten, nicht zu Gott und Jesus Christus beten. Deshalb liest man unter katholischen YouTube-Videos, die zum Beten zu Maria und Heiligen anregen oder zum Rosenkranzbeten motivieren, sehr oft:

„Ihr sollt zu Gott beten!“ – „Wir sollen zu Jesus beten!“ – „Bitte nur zu Jesus beten!“ …

Sobald wir gläubigen Katholiken also vom Gebet zu Maria und zu den Engeln und Heiligen sprechen, meinen diese Protestanten, wir würden nicht zu Gott und zu Jesus beten. Diese realitätsferne Wahrnehmung hat ihre Ursache darin, dass diese Protestanten sich nur auf unser Beten zu Maria und zu den Engeln und Heiligen fixieren und zentral diese im Blick haben und dann meinen, dass wir Katholiken das mit diesem Fokus auch so tun würden. Sie projizieren hier etwas auf uns, was sie sich selbst einbilden, und was sie dann für Realität halten. Das wäre so, wie wenn man meinen würde, wir Katholiken würden uns Gott und Jesus Christus nicht zuwenden, weil wir uns tagtäglich unseren Angehörigen, Arbeitskollegen, Freunden, Bekannten und Brüdern und Schwestern zuwenden. Gesund hört sich so etwas auf keinen Fall an! Die Realität sieht daher ganz anders aus:

Tagtäglich wenden wir uns nach dem Aufstehen und vor dem Schlafengehen Gott und Jesus Christus zu, und anschließend seiner Mutter, dann seinen Engeln und zuletzt seinen Heiligen. Diese Reihenfolge wahren wir auch zwischen unserem Morgen- und Abendgebet – den ganzen Tag hindurch, wobei unsere Angehörigen, Arbeitskollegen, Freunde, Bekannte und Brüder und Schwestern dazu kommen. Unser ganzes Denken und Sein ist auf Gott und Jesus Christus fixiert, wir haben unaufhörlich zentral und vordergründig nur Gott und Jesus Christus im Sinn, wobei wir aber niemand anderen ausschließen und außer acht lassen, weder unsere Angehören, Arbeitskollegen, Freunde und Bekannte und unsere Brüder und Schwestern, noch die Armen Seelen im Fegefeuer, die Heiligen, Engel und Maria. Wir haben für ALLE etwas übrig! Wir haben für ALLE Zeit! Denn es gibt weder ein Solus Deus, noch ein Solus Christus! Das ist eine protestantische Irrlehre, die nicht ganz gesund ist, weshalb wir in Hebr 12,22.24 lesen:

„Ihr seid vielmehr hingetreten … zu ungezählten Engeln … zu Gott … zu den Geistern der vollendeten Gerechten und zu Jesus …“

Und so ist, wie Paulus in 1 Kor 3,21 schreibt, alles unser, was Christi ist:

„Denn ALLES ist euer, sei es Paulus oder Apollos oder Kephas oder Welt oder Leben oder Tod oder Gegenwärtiges oder Zukünftiges, ALLES ist euer; ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes.“ 

Und dieses ALLES haben wir Katholiken allzeit im Sinn und im Blick, vordergründig und zentral aber Gott und Jesus Christus natürlich! Und von Gott und Jesus Christus ausgehend, beachten und betrachten wir alle anderen und alles andere. Und genau das ist eine gesunde und realistische Einstellung! Denn wo kämen wir denn hin, wenn wir NUR Gott und Jesus Christus im Sinn und im Blick hätten, und nicht auch unsere Angehörigen, Arbeitskollegen, Freunde, Bekannte, Brüder und Schwestern, andere Menschen, die Armen Seelen, die Heiligen, die Engel und die Muttergottes? Wir wenden uns allen zu! Dafür haben wir den ganzen Tag Zeit, so dass wir sowohl unseren Arbeitskollegen, Angehörigen, Freunden, Bekannten, Brüdern und Schwestern, und anderen Menschen etwas sagen können, als auch den Heiligen, den Engeln und der Muttergottes, als auch dem dreifaltigen Gott, und ihm zuallererst!

Wenn also ein gläubiger Katholik sich täglich eine Stunde lang seinen Kindern widmet und mit ihnen spielt, sich in der Arbeitspause eine halbe Stunde lang mit Arbeitskollegen unterhält, eine halbe Stunde bis zwei Stunden mit einem Freund telefoniert, zehn Minuten zu Heiligen betet, auf den Tag verteilt eine Stunde lang zu Maria im Rosenkranz betet und eine halbe Stunde lang mit Glaubensgeschwistern chattet, so bedeutet das also nicht, dass er nicht zu Gott und zu Jesus Christus betet! Ich weiß nicht, wie man vor diesem realen Hintergrund, der ganz offen vor einem steht, überhaupt auf die realitätsferne Idee kommen kann, dass, wenn man sich täglich eine halbe Stunde lang seinen Kindern widmet und mit ihnen spielt, sich in der Arbeitspause eine halbe Stunde lang mit Arbeitskollegen unterhält, eine halbe Stunde bis zwei Stunden mit einem Freund telefoniert, zehn Minuten zu Heiligen betet, auf den Tag verteilt eine Stunde lang zu Maria im Rosenkranz betet (wobei man im Rosenkranz auch zu Gott und Jesus Christus betet) und eine halbe Stunde lang mit Glaubensgeschwistern chattet, nicht zu Gott beten würde. Normal und gesund hört sich das alles wirklich nicht an!

Das protestantische Solus Deus oder Solus Christus scheint somit deutlich von der Realität weg- und in eine Phantasiewelt hineinzuführen, die man dann für Realität hält. Und infolge solcher Phantasiewelten, die für Realität gehalten werden, werden uns Katholiken Dinge unterstellt, von denen wir nicht einmal alpträumen würden!

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