Ablehnung des Gekreuzigten im Protestantismus

Es war vor einigen Jahren, als an einem Sonntag Morgen, an dem ich unterwegs zur Heiligen Messe war, ein Zeuge Jehova zu mir kam, um mir sein Wachturm-Evangelium zu verkünden. Er sah nämlich mein großes Kreuz, das ich um den Hals trug, welches ihn zu mir lockte. Er sprach mich sofort darauf an:

Sie müssen das Kreuz abnehmen. Jesus ist nicht mehr am Kreuz1. Er ist auferstanden und im Himmel. Dort ist er König.“

Ich nahm das zur Kenntnis und erwiderte nichts darauf, weil mir in dem Moment kein Bibelvers eingefallen war. Ich war einfach sehr müde an dem Morgen!

Ein ähnliches Erlebnis 2017:

Ich begab mich zu einem Freund, der Atheist und Alkoholiker ist, um zu schauen, wie es ihm geht. Ich saß mit ihm und einem seiner Freunde auf einem Platz, auf dem sie ihren Schnaps tranken. Nach einiger Zeit kam ein Werner-Heukelbach-Protestant daher, der die Beiden wohl entfernt kannte, weil sie sich begrüßt hatten. Dieser sprach mich dann auf mein Kreuz an, das ich trug, und erklärte mir:

Ich sehe, Sie tragen ein Kreuz. Doch Jesus ist nicht mehr am Kreuz. Jesus ist nicht mehr gekreuzigt. Er ist auferstanden. Deshalb müssen Sie das Vorderteil (den Corpus Christi) wegmachen.“

In diesem Moment hätte ich ihm gerne etwas erwidert, doch ging das nicht. Wenn man sich nämlich in einer solchen Situation, nämlich inmitten von Alkoholikern, die gerade ihren Schnaps trinken, befindet und sich als Katholik „outet“, dann würden solche Protestanten das in ihrer Bosheit gegen einen verwenden und den Katholizismus in den Dreck ziehen, der einen zu Säufern oder zu Kumpanen von Säufern machen täte. Das haben die Pharisäer Jesus gegenüber auch getan. Sie bezeichneten ihn als Fresser und Säufer und als Freund der Sünder:

Johannes trat auf: Er aß nicht und trank nicht, da heißt es: Er ist von einem Dämon besessen. Der Menschensohn trat auf: Er ißt und trinkt; da heißt es: Seht den Fresser und Säufer, den Freund der Zöllner und Sünder!“ (Mt. 11,18f.)

Also schwieg ich weise und nahm das, was mir der Protestant sagte, einfach zur Kenntnis. Als er dann fort war, sagte ich den Beiden neben mir:

Na, das ist ja Quatsch, was der mir erzählte; in der Bibel steht: ‚Denn ich will nichts anderes unter euch wissen als Christus den Gekreuzigten!“

Die Bibelstelle, auf die ich mich den Beiden gegenüber bezog, ist 1 Kor. 2,2:

Denn ich hatte mir vorgenommen, unter euch nichts anderes zu wissen, als Jesus Christus, und ihn als den Gekreuzigten.“

Und ich, als Katholik, weiß halt eben auch nichts anderes „als Jesus Christus, und ihn als den Gekreuzigten“, weshalb ich IHN, den GEKREUZIGTEN, auch bildhaft auf meiner Brust trage.

Die Wachturmgesellschaft der Zeugen Jehovas, das Missionswerk Werner Heukelbach, ihre Jüngerschaft und alle anderen Protestanten hingegen kennen eigenen Aussagen zufolge Christus als den Gekreuzigten (bzw. als den Geopferten) nicht. Sie haben mit Ihm nichts mehr zu tun und lehnen ihn ab und folgen somit der Heiligen Schrift nicht, die sie sonst so hoch halten. Auch ihnen gelten daher die Worte des hl. Apostels Paulus:

Ich staune, dass ihr so rasch von dem, der euch in Christi Gnade berief, euch abwendig machen lasst zu einem anderen Evangelium, wo es doch ein anderes gar nicht gibt, nur gewisse Leute gibt es, die euch verwirren und darauf ausgehen, das Evangelium Christi zu verkehren. Doch wenn selbst wir oder ein Engel vom Himmel euch ein anderes Evangelium verkündeten, als wir euch verkündet haben, so sei er verflucht! Wie wir schon sagten, so sage ich nun nocheinmal: Wenn jemand euch ein anderes Evangelium verkündet, als ihr empfangen habt, so sei er verflucht!“ (Gal. 1,6-9)

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1 Später wunderte es mich, dass der Zeuge Jehova vom „Kreuz“ sprach, da die Wachturmgesellschaft ausdrücklich lehrt, dass Christus nicht am Kreuz starb, sondern am Pfahl.


Ein Freund hat mich gefragt, warum wir Katholiken Kruzifixe in unseren Kirchen haben – glauben wir vielleicht nicht, dass Jesus auferstanden ist? Warum haben wir Ihn immer noch am Kreuz?

Im 1 Kor 1,23 heißt es: „

“Wir dagegen verkünden Christus als den Gekreuzigten.”

Warum predigt Paulus den gekreuzigten Jesus? Weiß er vielleicht nicht, dass Jesus von den Toten auferweckt wurde? Natürlich weiß er das! Aber er weiß auch, dass durch die Kraft des gekreuzigten Christus am Kreuz die Ketten der Sünde und des Todes gesprengt wurden. Wie Paulus in Vers 24 sagt: der gekreuzigte Christus ist Gottes Kraft und Gottes Weisheit.

“Denn ich hatte mich entschlossen, bei euch nichts zu wissen außer Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten.” (1 Kor 2,2)

Hat Paulus auch hier nicht gewusst, dass Jesus von den Toten auferstanden ist? Natürlich hat er das gewusst. Paulus predigt den gekreuzigten Christus, weil ein leeres Kreuz keine Kraft hat. Das Kreuz jedoch, das den geschlagenen, misshandelten und blutigen Körper Jesu Christi trägt, dieses Kreuz ist Gottes Kraft. Deshalb haben wir Jesus immer noch am Kreuz, denn auch wir predigen den gekreuzigten Jesus. Das Kruzifix erinnert uns nicht nur an Gottes Kraft, sondern auch an Seine Liebe zu uns. Er, der Seinen einzigen Sohn dem Leiden und dem Tod hingab.

Auch nehmen wir in diesem Leben nicht so sehr an der Herrlichkeit der Auferstehung teil, wie wir dies an Jesu Leiden am Kreuz tun; schließlich müssen wir täglich unser Kreuz auf uns nehmen, wenn wir Jesus nachfolgen wollen, wie es in Lk 9,23 steht.

Auch müssen wir mit Christus sterben, um mit Ihm leben zu können, wie es in Röm. 6,8 heißt. Wo ist Christus gestorben? Am Kreuz. Das Kruzifix dient dazu, uns an diese Dinge zu erinnern.

Ein anderer Bibelvers, den wir im Gedächtnis behalten sollten, ist Gal 3,1:

“Ihr unvernünftigen Galater, wer hat euch verblendet? Ist euch Jesus Christus nicht deutlich als der Gekreuzigte vor Augen gestellt worden?”

Hast Du das verstanden? Jesus wurde öffentlich, vor unseren Augen, als der Gekreuzigte dargestellt. Hört sich doch irgendwie so an, als ob wir auf ein Kruzifix blickten, oder?

(Quelle: Dr. John Martignoni www.biblechristiansociety.com)

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